2005 hatten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung der OECD-Länder im Durchschnitt zehnmal mehr Einkommen als die ärmsten zehn Prozent. Die Einkommen der Reichen sind laut der Studie seit 1985 stark angestiegen, während die mittleren und niedrigen Einkommen sich kaum verändert haben. Wie die Studie auch in anderen Bereichen zeigt, gibt es hierbei einen großen Unterschied zwischen den einzelnen Ländern. Die nordischen Länder haben mit einem Verhältnis von sechs zu eins die gerechteste Einkommensverteilung, während Mexiko mit der Ratio 26 zu eins hinten ansteht. In Deutschland und Frankreich sind die Reichen acht- bzw. sechsmal reicher als ihre armen Mitbürger. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass die ärmsten zehn Prozent in den OECD-Staaten im Durchschnitt nur über ein Jahreseinkommen von 7000 US-Dollar verfügen.
Während das Armutsrisiko der älteren Bevölkerung gesunken ist, sind besonders Kinder und Jugendliche von Armut bedroht. Für sie ist das Risiko um 25 Prozent höher als für die Gesamtbevölkerung. 2005 lebte jedes achte Kind im OECD-Raum in Armut. Menschen gelten als arm, wenn ihr Einkommen halb so hoch ist wie das Durchschnittseinkommen ihres Landes. Das Jahresdurchschnittseinkommen in den OECD-Staaten beträgt 19 000 US-Dollar.
"Der Großteil der wachsenden Ungleichheit kommt von Veränderungen im Arbeitsmarkt"Die Studie macht eine Reihe von Faktoren für die steigende Ungleichheit aus. Der demographische Wandel ist ein Erklärungsansatz: Sinkende Geburtenzahlen bei einer immer höheren Lebenserwartung führen zu mehr und mehr Singlehaushalten, und kleinere Haushalte benötigten ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als größere, um denselben Lebensstandard zu erreichen. Außerdem steige die Zahl der alleinerziehenden Eltern – und bei diesen sei das Armutsrisiko dreimal so hoch wie beim Durchschnitt der Gesellschaft. „Aber der Großteil der wachsenden Ungleichheit kommt von Veränderungen im Arbeitsmarkt“, erklärt Gurría den wichtigsten Faktor. Unterqualifizierte und schlecht ausgebildete Arbeitssuchende hätten immer größere Probleme, einen Job zu finden.
Angel Gurría, OECD-Generalsekretär
Die Lösung der Krise sieht der Generalsekretär in der Politik. „Regierungen können einen Unterschied machen“, bekräftigt Gurría. Die Arbeits- und Bildungspolitik müsse überarbeitet werden. „Eine höhere Beschäftigung ist der beste Weg, Ungleichheit und Armut zu bekämpfen.“ Man müsse den Menschen aber auch eine ausreichende Bezahlung für ihre Arbeit bieten, um Armut effektiv zu bekämpfen. Denn Arbeit allein ist kein Garant für den Ausweg aus der Armut: Die Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Armen in Haushalten leben, in denen mindestens eine Person arbeitet.
Antonia Schäfer






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

