Für viele Tschechen kam der Besuch von Obama gerade richtig: Seit einer Woche ist Prag die Hauptstadt eines Landes ohne Regierung. Und bei all dieser Politikverdrossenheit hatten die Prager Lust auf ein bisschen Glamour. So sehr, dass ein kürzlich geborenes Leopardenbaby im Prager Zoo umgehend Barack getauft wurde „um diesen historischen Moment festzuhalten“. Während einige weniger begeisterte Einwohner ab Freitagabend in kilometerlangen Autokolonnen aus der Stadt flohen, campten andere bereits am Samstagmorgen auf dem Schlossplatz – genau dort, wo Barack Obama Sonntag seine Rede halten sollte.
Von Seiten der Stadtverwaltung sollte alles bereit sein für das größte Event seit dem Mega-Konzert von Michael Jackson 1994. Der Norden des historischen Zentrums, wo Obama nächtigte, wurde abgeriegelt; ebenso wie der Stadtteil Malá Strana, wo das Ehepaar Obama in einem Luxusrestaurant mit herrlichem Ausblick auf die „goldene Stadt“ zu Abend essen sollte. Im Inneren der Burg, vor der Obama reden sollte, blieb der Veitsdom das ganze Wochenende für die Gläubigen geschlossen. Und der Hausherr, Kardinal Miroslav Vlk, wurde kurzerhand von der Stadt aufgefordert „für ein paar Tage anderswo unterzukommen“.
Mit einer solchen Planung und der Redegewandtheit des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten konnte die Rede Obamas nur ein Erfolg werden: Der tschechische Präsident und Gründervater Massaryk in Chicago, die Samtene Revolution, das Ende des nuklearen Schreckens, die eventuelle Mitgliedschaft der Türkei in der EU... Während einer halben Stunde hörte die ganze Welt Obama zu – und sah dabei Prag. Der Noch-Premierminister Mirek Topolánek zeigte sich von der „brillanten Rede“ begeistert und sprach von einem „neuen Schwung“ für die transatlantischen Beziehungen. All dies in einem wesentlich diplomatischeren Ton als noch vor einer Woche, als der gleiche Topolánek das Wirtschaftspaket Obamas als „direkten Weg in die Hölle“ bezeichnet hatte...







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