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Cannes 2008

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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Un Certain Regard - 21/08/08

Ocean Flame

Ein Film von Liu Fendou


Die Geschichte einer bedingungslosen Liebe - bis in den schmerzvollen Tod

Synopsis: Die Kellnerin Ni Chen verliebt sich in den Bad Boy Wong Yiu. Der hat bald nichts Besseres zu tun, als das unschuldige Mädchen für sich arbeiten zu lassen. Er lässt keine Möglichkeit aus, ihre Liebe auf immer neue Proben zu stellen, die mit gemeinen Demütigungen Ni Chens einhergehen.

Im Gespräch mit Regisseur Liu Fendou und Hauptdarstellerin Monica Mok
(Windows Media Video)


Kritik: Auf meine Frage, ob es im wirklichen Leben einen so fiesen Charakter wie den von Wong Yiu geben könne, antwortet Regisseur Liu Fendou gelassen, dieser Charakter habe sehr viel mit ihm selbst zu tun. Und fragt: "Hast du nun Angst vor mir"? Natürlich nicht, denn als Fan des südostasiatischen Kinos ist man ja schließlich schon durch Kim Ki-duks und Park Chan-woks Schule gegangen und von diesen beiden auf allerlei Spielereien in Sachen Sadomasochismus vorbereitet worden. In BAD GUY (2001) etwa verschleppte ein Gangster und Zuhälter eine junge Kunststudentin in ein Bordell. Nach und nach wird sie gefügig, baut zu ihrem Entführer sogar eine Art seltsame Liebesbeziehung auf.

OCEAN FLAME ist die Verfilmung eines Romans des Schriftstellers Wang Shuo, eines der Bad Boys des Pekinger Kulturbetriebs. Interessanterweise hat der deutsche Regisseur Peter Sehr (KASPAR HAUSER) bereits 2001 dessen Roman verfilmt. Er verlegte die Handlung von China nach New York, besetzte die Hauptrollen mit Adrien Brody (DER PIANIST) und August Diehl (FREISCHWIMMER) und nannte das durchaus sehenswerte Ergebnis LOVE THE HARD WAY – ATEMLOS IN NEW YORK.

Die Liebe geht seltsame Wege. Natürlich liebt Wong Yiu auch Ni Chen, nur kann er es ihr einfach nicht zeigen, geschweige denn sagen. Davor hat er Angst. Eigentlich handelt der ganze Film von den Liebesbeweisen, denen Wong Yiu und Ni Chen in ihrer Beziehung hinterher jagen. Sie sind süchtig nach dem jeweils anderen. Die Unerreichbarkeit Wong Yius treibt Ni Chen immer mehr in die Abhängigkeit von ihm. Sie weiß, dass sie mit ihm eine destruktive Beziehung eingeht.

In der ersten Nacht soll sie einen alten chinesischen Geschäftsmann verführen und mit aufs Zimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel nehmen. Wong Yiu will kurze Zeit später mit seinem Kumpel auftauchen, um den alten Mann wegen Ehebruchs zu erpressen. Aber - die beiden kommen einfach nicht wie abgemacht - und Ni Chen wird von dem Alten brutal vergewaltigt. Sie kann nicht verstehen, dass ihr Geliebter nicht aufgetaucht ist, sie im Stich gelassen hat. Als er ihr gesteht, dass dies nur zu "ihrem Besten" geschehen sei, geht sie nicht etwa wütend auf ihn los, sondern sie ohrfeigt sich selbst immer wieder - weil sie erkennt, wie dumm sie ist, einem Mann wie Wong Yiu zu vertrauen. Diese üble Erfahrung hält sie aber nicht etwa davon ab, ihn zu lieben. Im Chinesischen gibt es das Sprichwort: "Wenn Männer nicht böse sind, werden sie nicht von den Frauen geliebt." OCEAN FLAME scheint diese Idee in sich aufgesogen zu haben.

Doch mit über zwei Stunden Laufzeit ist die bisweilen schon philosophisch anmutende Studie über eine Sado-Maso-Beziehung mit Actioneffekten deutlich zu lang geraten. Die schönen Bilder der Kameramänner Chen Ying und Chan Chor Keung helfen dennoch über einige Längen hinweg. Das Meer wird von ihnen etwa wundervoll in Szene gesetzt und ist zugleich einer der wichtigsten Vertrauten des ungleichen Paares. Hier bringt Ni Chen ihren Bad Boy Wong Yiu hin, wenn sie mit ihm alleine sein will. Einmal testet Wong Yiu ihre Liebe, indem er ihr befiehlt, auf einem Felsen mit geschlossenen Augen rückwärts zu gehen - hinter ihr lauert ein gefährlicher Abgrund. Dann darf sie für ihn strippen - immer noch mit geschlossenen Augen. Am Meer haben die beiden auch ihre vertrautesten und schönsten Momente. Nackt und unbeschwert laufen sie gemeinsam die Brandung entlang und lassen sich von Jungs im Sand begraben - so nah waren sie sich nie - und sie werden es erst im Tod wieder sein.

Nana A.T. Rebhan
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Ocean Flame
Hongkong 2008, 130 Min.
Regie: Liu Fendou
Mit Liao Fan, Monica Mok, Hai Yitian
Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Un Certain Regard



Erstellt: 20-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08