Die wegen ihrer spitzen Feder gefürchtete Journalistin Rhoda Gradwyn verbringt einige Tage in der entlegenen Privatklinik von Dr. Chandler-Powell, ein hochherrschaftliches Landhaus in Südengland, um möglichst diskret eine unschöne Narbe aus ihrem Gesicht entfernen zu lassen. Doch am Tag nach der OP liegt sie tot im Bett, offensichtlich wurde sie erwürgt. - Commander Adam Dalgliesh steht vor einem Rätsel und vor der Aufgabe, den Fall diskret zu verhandeln. Er reist mit seinem bewährten Team nach Dorset, um in Cheverell Manor auf Mörderjagd zu gehen, einem herrlichem Schauplatz, der bei vielen seiner Bewohner heftige Gefühle weckt: Liebe, Neid, Habgier - wie immer spielt P.D. James geschickt auf der Klaviatur des Begehrens, das die Grenzen der Norm sprengen kann. Der Commander, der lange Jahre Witwer war, steht kurz vor seiner Hochzeit mit einer Literaturwissenschaftlerin aus Oxford und ist eigentlich nicht in der Stimmung für eine Ermittlung so weit weg von London. Das Leben der ermordeten Journalistin, die sich vom Makel ihrer Kindheit befreien wollte, gibt mehr Rätsel als Anhaltspunkte auf, aber der Kreis der Verdächtigen ist überschaubar. Als Täter kommt nur ein Bewohner oder Besucher eben jener Nobelklinik infrage, und selbstverständlich hat nahezu jeder ein Motiv. Rhoda Gradwyn, die den Lesern überraschend nahe kommt, hat vielen Menschen auf die Füße getreten. Bald geschieht ein zweiter Mord. Der Tote ist in einer ausgemusterten Kühltruhe jämmerlich erstickt, ein Selbstmord kann ausgeschlossen werden. Auch in ihrem neuen und vielleicht letzen Krimi bezieht die britische Queen of Crime die gesellschaftlichen Hintergründe der Protagonisten, Opfer wie Täter, ins Kalkül ein und präsentiert neben einer spannenden Handlung wieder einen Einblick in die Abgründe der englischen Gesellschaft. Alle Erwartungen an britische Krimikunst werden erfüllt: eine lebhafte Beschwörung der Schauplätze, reichhaltige Charakterzeichnungen aller Beteiligter und ein aufregendes Geheimnis, das durchaus Einblick in die britische Gegenwart verschafft, mit feinem Gespür für die richtige Dosierung dieser Ingredienzien, die einen guten und überzeugenden Krimi ausmachen.
Lore Kleinert/Radio Bremen (Juni 2009)
KrimiWelt-Bestenliste Juli 2009
P. D. James, die sich mit Ruth Rendell in Großbritannien den Titel "Queen of Crime" teilt, wird im August 89. Darf man ihn also einfach so kritisieren, ihren neuen Adam-Dalgliesh-Roman "Ein makelloser Tod"? Noch dazu, wenn die Leserin mit dem dichtenden, geheimnisvoll attraktiven Ermittler sozusagen aufgewachsen ist? Aber es ist leider vor allem Nostalgie, die noch durch dieses Buch trägt. Durch einen Krimi, in dem jeder und jede Verdächtige so umständlich eingeführt wird, dass man den Mord und den Auftritt des Helden herbeisehnt. In dem man bald jedes Einrichtungs- und jedes Detail aus diversen Familiengeschichten kennt, von der des Kochs bis zu der des Schönheitschirurgen mit den goldenen Händen. P. D. James, noch nie eine Meisterin der Knappheit, ist weitschweifiger geworden. Und ihre Verdächtigenparade inklusive Lösung des Knotens vorhersehbar. - Am Ende ist Dalgliesh endlich mit der schönen Emma verheiratet. Und sollte sich, immerhin ermittelt er seit 1962, nun zur Ruhe setzen dürfen.
Sylvia Staude/Frankfurter Rundschau, Juni 2009







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