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Mittwoch, 15. März 2006 um 21.35 Uhr - 16/03/06

Pakistan : Hoffnung für Erdbebenopfer?

Zum Nachlesen


Von Frédéric Jacovlev und Elsa Kleinschmager, Hélène Giummelly-Frinot
ARTE GEIE – Frankreich 2006
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Diesen Weg haben Umar und sein Sohn vor einigen Wochen mit der ganzen Familie zurückgelegt. Von seinem früheren Leben ist heute nicht mehr viel übrig.
Ein einfaches Drahtseil verbindet die zwei Ufer miteinander, auf der einen Seite sein Heimatdorf, auf der anderen das Lager, in dem er heute lebt.
Umar weiß, dass es für ihn kaum ein Zurück geben wird. Was er dort oben in einem der Dörfer in den Ausläufern des Himalaja zurück lassen musste, wird er wohl nie wieder sehen: „Wenn ich das Gebirge sehe, denke ich an die Moschee und alles, was ich dort gemacht habe. An mein Haus, meine ganze Familie… Ich bin traurig, wenn ich das Gebirge sehe. Man kann sein Leben vor dem Erdbeben nicht so einfach vergessen.“

Am 8. Oktober 2005 um 8 Uhr 50 spürte Umar, wie die Erde unter seinen Füßen bebte. Innerhalb weniger Sekunden verlor er 17 Verwandte. Eine Geschichte, wie sie hier viele erlebt haben.
Wie Umar mussten die meisten der Flüchtlinge hier im Lager ihre Dörfer und Häuser verlassen. Sie werden als "Vertriebene" bezeichnet.
In Pakistan leben 200.000 Menschen in solchen Lagern. Sie haben den Winter in Zelten verbracht, bei Kälte und Regen. Fünf Monate nach der Katastrophe ist die Notlage für sie längst Dauerzustand.
Mehrere hundert solcher Lager sind über das Erdbebengebiet verteilt.
Maira ist das größte. 20.000 Menschen sind hier untergebracht.
Es ist eine Stadt mit Straßen, mit in Blöcke unterteilten Vierteln, einem Stromnetz, und vor allem einer Wasserversorgung.
Die vorrangige Aufgabe der Hilfsorganisationen besteht darin, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen.
Jean-Benoît ist Leiter einer französischen Nichtregierungsorganisation. Seit Anfang November 2005 ist er hier, er kam zusammen mit zwei anderen freiwilligen Helfern. Sie standen vor dem Nichts. Nach den ersten Wochen Nothilfe musste ein Trinkwasserversorgungsnetz aufgebaut werden. Jeder Bewohner des Lagers verbraucht täglich etwa 15 Liter:
„Wir standen vor dem Problem, wie wir die Leute mit Trinkwasser versorgen können. Es gibt hier recht große Quellen. Der Indus fließt auf 3 bis 400 Metern Höhe, doch sein Wasser ist ungenießbar. Wir mussten also Trinkwasser bereit stellen, um Krankheiten durch verseuchtes Wasser zu verhindern.“

Zusammen mit Unicef und dem Roten Kreuz arbeiten zehn Organisationen in Maira, doch die Leitung des Lagers hat die Armee übernommen.

7.00 Uhr früh - Zeit für das Morgengebet. In Pakistan ist die Armee allgegenwärtig. Seit dem Militärputsch von 1999 steht ein General an der Macht. Die Armee macht Politik, und vor allem ist sie die einzige Institution im Land, die wirklich organisiert ist.
Im Lager von Maira sind rund hundert Soldaten beschäftigt. Ihr Befehlshaber und Leiter des Lagers ist Major Shazad: „Wir sind erst am 31. Oktober 2005 in dieses Lager gekommen, um die Zelte aufzustellen. Anfangs war es enorm viel Arbeit. Aber jetzt ist es ruhiger. Wir regeln hier den Alltag. Wir haben jetzt weniger Arbeit, deshalb nehmen wir uns mehr Zeit für Ausbildung und Aufklärung. „
Im Lager hat sich eine Art Kasernenroutine etabliert. Jetzt am Ende des Winters werden auch keine neuen Flüchtlinge mehr aufgenommen. Nach dem Stress der ersten Monate hat sich der Alltag eingependelt. Die Bewohner leben in den Tag hinein - ohne die geringste Vorstellung, was morgen kommt.
Major Ibrahim Shazad:
„Das Leben hier ist schwierig für sie, dort oben hatten sie ihr eigenes Stück Land, ihre Tiere und vor allem genug Platz zum Leben. Hier ist alles sehr eingeschränkt. Sie haben nur ein kleines Zelt und Wasser. Trotzdem sind sie froh, weil dort oben hatten sie Angst. Sie konnten wegen des Erdbebens nicht mehr dort leben. Natürlich fühlen sie sich hier beengt. Ich kann zwar nicht sagen, dass ihr Leben hier einfach ist, vor allem im Vergleich mit dem, was sie zu Hause hatten. Aber wir versuchen, ihre Grundbedürfnisse zu erfüllen.
Die wichtigste Aufgabe der Soldaten ist die Zuteilung von Hilfsgütern einmal pro Woche. Abwechselnd gibt es Lebensmittel und Kleidung.
Bei einer dieser Zuteilungen begegnen wir Umar wieder.

Wie viele Lagerbewohner ist auch er zum Zeitvertreib hier. Kleider hat er längst genug, aber das lange Warten überbrückt zumindest einen Teil der täglichen Langeweile.
Diese freiwilligen Spenden stammen aus der pakistanischen Bevölkerung. Das Erdbeben war die bisher größte humanitäre Katastrophe in der Geschichte des Landes.
Inzwischen ist genug da, und die Armee verteilt, so lange der Vorrat reicht. Bezeichnend dafür, diese etwas absurde Szene: An diesem Morgen bekommt Umar eine Babydecke. Zuerst weiß er nichts damit anzufangen, aber dann muss er lachen. Es ist ein amüsantes Symbol für die Art der Hilfe, mit der sich die Flüchtlinge begnügen müssen.
Das Schwierigste für Umar ist der Platzmangel, die Enge. Ein Zelt pro Familie ist die Regel. Ein Zelt, in dem man Freunde empfängt und mit Frau und Kindern lebt.
Das Leben im Zelt fällt uns sehr schwer. Die Zelte sind oft zu klein für die ganze Familie. Wir alle hier haben große Familien. Der Winter war sehr lang, und man hockt immer auf Knien. Aber wir denken an unseren Gott und wissen, dass er uns zu Hilfe kommen wird.
Plötzlich unterbricht ein Grollen unser Interview.

Der Regen, aber vor allem das Erdbeben haben den Berg instabil gemacht. Erdrutsche sind praktisch an der Tagesordnung. Hinzu kommen regelmäßige Nachbeben. Die Region zählt zu den erdbebengefährdetsten der Welt. Das geringste Zittern der Erde schürt die Angst der Bewohner.
Angst und Enge... Umar macht sich Sorgen um seine Kinder. Er kann beobachten, wie sie sich verändern.
Sie sind sich selbst überlassen in einer Stadt, die für sie wie eine Metropole wirkt. Die Kinder des Lagers haben die Orientierung verloren.
Umar: „Die Eltern haben Angst, wenn ihre Kinder das Zelt verlassen. Sie sind überall im Lager unterwegs. Aber so ist das Leben im Zelt. Man kann nicht ständig alles unter Kontrolle haben! In unseren Dörfern ist das einfacher. Hier ist das Leben modern, ein bisschen so wie in der Großstadt.“
Zu diesen radikal veränderten Lebensumständen kommt das Trauma des Erdbebens. Jedes dieser Kinder ist nur knapp dem Tod entgangen.
Am Morgen nach der Tragödie entdeckten sie die Leichen ihrer Geschwister, ihrer Verwandten und Freunde, die von ihren Häusern erschlagen worden waren: „Bei Einbruch der Dunkelheit haben wir immer Angst. Manchmal wachen wir nachts auf und weinen, weil wir uns an das Erdbeben erinnern. Morgens nach dem Aufwachen erinnern wir uns an unser Dorf. In unseren Köpfen geht alles durcheinander. Ja, wir haben Angst, aber gleichzeitig lieben wir unser Dorf.“

Tausende von völlig desorientierten Kindern… Es ist der erste Eindruck, wenn man das Lager von Maira betritt.
Auf diesem riesigen Spielplatz haben die Kinder das Gefühl dafür verloren, wie es ist, ein normales Leben zu führen.

Dem Leben wieder einen Sinn geben, ist vor allem Aufgabe der Schule. Sie entstand mit der Eröffnung des Lagers, wird von der Unicef finanziert und von den Soldaten verwaltet. Ein täglicher Treffpunkt für die Kinder. Über die Unterrichtsmethoden lässt sich streiten, doch die Schüler bekommen hier die Struktur und den Rhythmus, die ihnen verloren gegangen sind.

Vier solcher Schulen gibt es im Lager für mehr als 3.000 Schüler. Aziz Urrehmen, der Direktor einer dieser Schulen, ist seit viereinhalb Monaten hier und hat beobachtet, wie sich die Kinder entwickeln:
„Anfangs, als die Kinder herkamen, konnten sie nicht miteinander spielen wie Stadtkinder. Vor allem in den Pausen bildeten sie kleine Gruppen.
Unsere Aufgabe mit den Kindern ist eher, sie zu erziehen als sie zu bilden. Wir versuchen vor allem, sie zum Leben in einer Gesellschaft zu erziehen, zum Zusammenleben mit anderen Kindern. In ihren Bergdörfern gingen die meisten Kinder nicht zur Schule und hatten keine Bücher. Sie kannten keine Disziplin. Als erstes bringen wir ihnen Ordnung und Stillsitzen in der Klasse bei. „
Bei den Mädchen ist die Begeisterung für die Schule offensichtlich. In ihren Dörfern dürfen sie den Unterricht oft aus religiösen Gründen nicht besuchen. In Pakistan können nur 26% der Mädchen lesen und schreiben. Für sie ist die Schule in Maira ein echter Fortschritt.

Ein Fortschritt, der eine Ausnahme bleibt. Die Realität – das heißt die Situation der Frauen in diesem zu 96 % muslimischen Land, sieht anders aus.
In den Bergdörfern dominiert die Stammeskultur.
Die Frauen haben nur ein Recht: die totale Unterwerfung. Von der Pubertät an leben sie verschleiert, eingeschlossen in den vier Wänden ihrer Häuser.
Diese Lebensbedingungen lassen sich nur schwer mit der Enge in den Lagern vereinbarten. Nur ab und zu huschen sie wie Schatten aus ihren Zelten nach draußen.
In den pakistanischen Lagern liegen die Latrinen und Wasserstellen weniger als 50 m von den Zelten entfernt. Für die Frauen aber ist selbst das zu weit, (ein zu langer Weg unter freiem Himmel). Die Hilfsorganisation müssen sich anpassen.
Jean-Benoit :
„Jedes Mal, wenn sie ihr Zelt verlassen wollen, brauchen die Frauen die ausdrückliche Erlaubnis ihres Ehemannes oder des Familienoberhauptes. Wir sind gezwungen, diese lokalen und kulturellen Besonderheiten unseres Einsatzorts zu berücksichtigen. Wir sorgen dafür, dass die Bevölkerung nicht in kulturelle Konflikte gerät, wenn sie hier im Lager lebt. In diesem Fall ist die Entfernung der Latrinen und Wasserstellen das Problem.“

Aber es zeigen sich erste Zeichen der Öffnung. Die Frauen lernen andere Frauen und andere Lebensweisen kennen. Sie emanzipieren sich. Schrittweise natürlich, aber sie tun es - zumindest einige von ihnen. Für die Nähkurse verlassen sie jeden Nachmittag die Obhut ihrer Männer. Aber vor der Kamera ducken und verstecken sie sich.
Dieses Tabu darf nicht gebrochen werden.
Dieser radikale Islamismus kommt von den muslimischen Fundamentalisten.

13 Uhr 15, Zeit für das Freitagsgebet, das wichtigste aller Gebete. Alle Männer des Lagers sind zur Stelle, jung und alt. Arm und ohne Schulbildung werden sie zum Spielball der ideologischen Spannungen, die hier herrschen: Die Armee auf der einen, der Islam auf der anderen Seite. Nur wenige Meter von der Moschee entfernt hängt unübersehbar das Schild der karitativen islamischen Einrichtung Al Rashid Trust.
Am Morgen nach der Katastrophe, als die internationale Hilfe noch nicht zur Stelle und die Armee überfordert war, traten islamistische Organisationen auf den Plan. Sie schlugen als erste ihre Zelte auf - natürlich nicht ohne Hintergedanken. Für sie geht es um viel: Mit ihrer Präsenz vor Ort hoffen die Islamisten, ihr Image aufzupolieren.
Das ist Shahid, 22 Jahre alt, in eleganter Haltung, britisch-lässig und mit akkurat sitzendem Käppi. Er ist der Logistikchef des Al Rashid Trust.
Der Journalistikstudent aus Karachi fungiert vor allem als Sprecher der Organisation.
Als eine Art "Staat im Staat" hat Al Rashid einen eigenen Gesundheitsdienst, eine eigene Schule und eigene Lebensmittelzuteilungen. In Maira sind sie die einzigen, die nicht auf die Armee angewiesen sind.
Shahid: „Was ist die Armee? Sie ist unsere Armee, die Armee Pakistans. Wir selbst sind die Armee. Sie sind Pakistanis, wir sind Pakistanis. Da gibt es keine Probleme. „
Die Organisation sei hier, um zu helfen, um Menschen medizinisch zu versorgen. Alle sagen, dass der Al Rashid Trust hier beachtliche Arbeit leistet. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn Al Rashid steht auf einer Liste mit 26 anderen Organisationen, die von den USA und den Vereinten Nationen auf terroristische Aktivitäten verdächtigt werden. Diese in Pakistan sehr präsenten Nichtregierungsorganisationen schlagen aus Elend und Not Kapital. Ihr Ziel ist es, Kämpfer für den Dschihad zu rekrutieren - obwohl Shahid das empört von der Hand weist.
Shahid : „Der Islam lehnt Terrorismus ab. Weshalb also sollten Muslime zu terroristischen Aktivitäten anstiften, sie begünstigen oder gar selbst verüben? Wenn mir ein Terrorist vor Augen kommt, töte ich ihn. Denn er ist ein Mörder. Er ist ein Mörder an der Menschheit, nicht nur an den Muslimen. Der Islam, sagt, wir müssen die gesamte Menschheit achten.“

Die Menschheit achten - aber zwischen Worten und Taten liegen oft Welten. Nur eins ist sicher: Mit Hilfe dieser humanitären Katastrophe versuchen die Islamisten, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Aber noch ist für sie nichts gewonnen. Im Lager von Maira entdecken die Dorf- und Bergbewohner, die traditionell mit einem radikalen islamischen Glauben verwurzelt sind, das moderne Leben mit seinen Freizeitvergnügungen.
Kricket ist der pakistanische Nationalsport. An diesem Tag sind zwei Regionalteams zu Besuch in Maira. Für die Bewohner, das Highlight des Tages.
Am 31. März wird das Lager schließen. Alle müssen Maira verlassen und in ihre Dörfer zurückkehren.
Aber die Stimmung hat sich geändert. Fünf Wochen Aufenthalt im Lager haben alte Lebensgewohnheiten auf den Kopf gestellt : „Ich gehe auf keinen Fall zurück. Was sollen wir noch da oben? Ich denke noch nicht an die Zukunft, aber ich sehe sie eher in Karachi. Ich will in einer großen Stadt arbeiten. Wir wollen nicht nach Hause zurück.“
Die Mentalitäten ändern sich - mehr, als man es vielleicht ahnt.
Fast ehrfürchtig wird dieser Karton getragen. In Maira hat jeder Block seinen eigenen Fernsehapparat mit DVD-Player. Die Geräte wurden ihnen von einer amerikanischen Organisation gespendet.
Fernsehen, fließend Wasser, Freizeitvergnügen nagen an den traditionellen Werten. Nach fünf Monaten Lager wird das alte feudalistische System in Frage gestellt.

Inzwischen kritisiert die Bevölkerung die "Landlords", die allmächtigen Großgrundbesitzer, die sie bis zum Ausbruch des Erdbebens ausgebeutet haben: „Wir wollen nicht nach Hause zurück, weil wir kein Land haben. Wir sind arme Leute ohne Besitz. Wenn die Regierung uns Häuser und Land gibt, dann gehen wir überallhin. Wir wollen, dass sich unser Leben ändert. Das Erdbeben ist für uns eine gute Chance zur Veränderung. Eine Chance, endlich unser eigenes Land zu haben und von den Großgrundbesitzern unabhängig zu sein. Wir wollen unser eigenes Leben führen.“)
Im Lager von Maira machen die Großgrundbesitzer gerade mal 5% der Bevölkerung aus. Ayaz ist einer von ihnen. Wenn es das Wetter erlaubt, steigt er zu seinem Dorf hinauf.

Wir befinden uns drei Stunden Fußmarsch vom Lager entfernt. Zehntausende Menschen leben in diesem Gebirge noch immer in Zelten und bebauen in Terrassenkultur jedes Fleckchen Erde.
Während der Wintermonate war diese Straße, der einzige Zugang zum Tal, unpassierbar. An einigen Stellen hatte sich der Berg gespalten und ganze Dörfer vom Rest der Welt abgeschnitten. Die einzige Rettung waren Hubschrauber der Vereinten Nationen. Sie gewährleisteten die tägliche Versorgung während der Krise.
Ayaz musste das Ende des Winters abwarten, um nach Hause zu seiner Familie zurückzukehren. Während er beschloss, im Lager zu bleiben, verbrachten seine Brüder den Winter in den Bergen: “Unsere ganzen Möbel sind hier. Jemand musste bleiben und auf sie aufpassen. Wenn alle gehen, könnten wir ausgeraubt werden.“
Obwohl Ayaz bei der Katastrophe viel verloren hat, ist ihm doch etwas geblieben, das hier unbezahlbar ist: sein Land.
Alle Felder auf dieser Seite des Tals gehören ihm. Zwei Bauern arbeiten für ihn und liefern ihm die Hälfte ihrer Jahresernte ab. In diesem feudalistischen System steht Ayaz an der Spitze der Hierarchie. Er ist der Herr.
Ein Herr, der weiß, was auf dem Spiel steht. Der Schnee ist geschmolzen, die Temperaturen sind milder geworden. Trotzdem bleibt er lieber im Lager, denn Ayaz spekuliert mit der Zeit:
„Natürlich werden wir in unsere Dörfer zurückkehren. Wenn die Regierung die humanitäre Hilfe einstellt, haben wir ja keine andere Wahl. Wir fordern nur eins: Dass die Regierung uns Geld gibt. Wenn sie das tut, dann komme ich wieder hierher zurück.“
Ayaz sagt es zwar nicht, aber seine Forderung gegenüber der Regierung ist knallhart. Sein Ziel ist es, das Maximum herauszuholen.
Der Staat wird den Erdbebenopfern eintausend Euro Schadensersatz zahlen. Das sind fast zwei Jahreslöhne. Die einzige Bedingung: Sie müssen in ihre Dörfer zurückkehren.
Grundbesitzer wie Ayaz werden natürlich zurückkehren und die Prämie trotzdem einstreichen. Aber was ist mit den anderen, der großen Mehrheit? Zwei Wochen vor der Schließung von Maira wissen sie noch nicht, was sie tun sollen. Die Rückkehr zu einem normalen Leben erscheint unvorstellbar. Für sie droht der Abschied aus dem Lager zu einer neuen Zerreißprobe zu werden.

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http://www.solidarites.org/



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Das internationale Nachrichtenmagazin
mittwochs gegen 21.35 Uhr
>> Ab 1. April 2006 wird ARTE Reportage samstags um 9h00 ausgestrahlt (Wiederholung).

Erstellt: 13-03-06
Letzte Änderung: 16-03-06