Synopsis: Der erfolgreiche Modefotograf Finn aus Düsseldorf begibt sich auf Sinnsuche, nachdem er fast einen gefährlichen Autounfall gehabt hätte. Als Tourist mit seiner alten Kamera um den Hals streift er durch die Straßen von Palermo - auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens. Dabei lernt er eine Restauratorin kennen und lieben und wird von einem geheimnisvollen Mann mit Kapuze verfolgt, der es scheinbar auf sein Leben abgesehen hat.
Im Gespräch mit Regisseur WimWenders und den Hauptdarstellern Campino und Denis Hopper
Der Trailer zum Film(Windows Media Video)
Kritik: Für PARIS, TEXAS bekam Wim Wenders 1984 die Goldene Palme in Cannes verliehen, ein Preis, der ihn über Nacht weltbekannt machte. Wenders nutzte die internationale Aufmerksamkeit und ging Hollywood erkunden. Doch so wie er es sich gewünscht hätte, war es dort nicht. So drehte er denn erstmals seit fünfzehn Jahren wieder in Deutschland - und ausgerechnet u.a. in seiner Heimatstadt Düsseldorf.
Zufall ist dies keiner, ist PALERMO SHOOTING doch seit langem der persönlichste Film des mittlerweile 62-jährigen Regisseurs. Als Alter Ego schickt Wenders darin den erfolgreichen Modefotografen Finn auf die Reise nach sich selbst. Als Tourist mit teurer Kamera um den Hals darf Campino, der Sänger der Toten Hosen durch Palermo stapfen, das sich von seiner milden Seite zeigt. Hier geht es nicht um die Mafia (wie im Wettbewerbsbeitrag GOMORRA vor wenigen Tagen), sondern um existentialistische Sinnsuche. Als Finn einmal auf einem öffentlichen Platz einschläft, ist nicht nur seine Kamera noch da, sondern er wird auch noch von einer interessanten Frau gezeichnet. Wenders hat die Rolle direkt für Campino geschrieben, mit dem er vor acht Jahren dessen Video "Warum werde ich nicht satt?" gedreht hat. Campino ist kein Schauspieler, aber er verfügt über eine gewisse Präsenz, die in den meisten Momenten ausreicht. Finns Off-Stimme allerdings, die sich direkt an den Zuschauer wendet, ist von geradezu peinlicher Banalität und Naivität. Sie fragt etwa: "Kennen Sie das? Geht es Ihnen auch so, dass sie sich nie anwesend fühlen, auch wenn ihr Handy 23 Anrufe in Abwesenheit zeigt? Man merkt es erst hinterher. Wenn es zu spät ist." Was soll das?
PALERMO SHOOTING beginnt als bewegte Milieustudie des Fotografen Finn. Nachdem sein Team nach dem Shooting in Palermo nach Düsseldorf zurückfliegt (mit Privatmaschine), konzentriert sich der Hauptteil des Films auf die sehr langsame, bisweilen langatmige Sinnsuche. Ein mysteriöser Mann im Umhang mit Kapuze verfolgt ihn, zielt mit Pfeilen auf ihn. Später wird er sich als kein anderer als der Tod herausstellen, personifiziert von Dennis Hopper. Finn verfällt häufig in Träume, aus denen er stets irritiert aufwacht. In einem Traum trifft er in einer riesigen Bibliothek auf den Tod. Dieser beginnt eine todernste Konversation mit ihm, die während der Pressevorführung in unfreiwillige Komik umschlug und Lacher auslöste. Der Tod verwickelt Finn in einen Diskurs über moderne Fototechniken. Er mag die modernen Manipulationen nicht und lobt die alte Schule von Licht und Schatten. In dieser Szene merkt man deutlich, dass Dennis Hopper ein großartiger Schauspieler ist, neben dem Campino verblasst. Das Problem dieser Szene ist nicht der seltsam naive und gleichzeitig angestrengt poetisch wirkende Dialog zwischen Tod und Fotograf, sondern die Tatsache, dass Wim Wenders diese Szene so todernst inszeniert hat. Hätte Woody Allen diese Szene inszeniert (der in seinem Wettbewerbsbeitrag außer Konkurrenz VICKY CRISTINA BARCELONA seine Muse Scarlett Johansson durch Barcelona pilgern lässt), sie wäre todkomisch, traurig und gleichzeitig tragisch geworden. Bei Wenders wirkt der Tod müde und ernst. Er ist es leid, von allen als der "bad guy" gesehen zu werden. Auch er "liebe das Leben."
PALERMO SHOOTING ist auch insofern eine Rückbesinnung auf die alten Wurzeln, als dass Wenders in diesen Film so viel Musik wie schon lange nicht mehr packt. Immer wenn Finn seine Kopfhörer ins Ohr stöpselt, beginnt ein neuer Song, der ihn durch Palermo begleitet. Von Velvet Underground über die Berliner Band Jeansteam, über Portishead bis hin zu Nick Cave werden im Film insgesamt 27 Songs angespielt. Kameramann Franz Lustig findet zudem Bilder, in denen man schwelgen kann, passend zur Sinnsuche in Italien. Dort haben sich deutsche Intellektuelle ja immer schon gerne mal hinbegeben, wenn sie des Lebens überdrüssig wurden oder Sinnsuche betrieben. Der Film könnte in Analogie zu Thomas Manns Klassiker deshalb auch TOD IN PALERMO heißen. Wenders widmet sein 19. und nicht gerade bestes Werk zwei Menschen, die ihm scheinbar so nahe stehen, dass er sie beim Vornamen nennt: Für Ingmar und Michelangelo.Nana A.T. Rebhan







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Ein Modefotograf aus Düsseldorf begibt sich auf Sinnsuche nach Palermo - und trifft dort auf den Tod
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