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ARTE KULTUR - 08/01/08

Paolo Bacilieri

An der Piazza Cadorna, zwischen der Nadel-und-Faden Skulptur und dem Kiosk gibt es italienischen Porno.Das ist Paolo Bacilieri, ein Comic-Zeichner.

Das ist viel mehr als nur Punkt, Punkt, Komma, Strich.... Paolo beherrscht seinen Stift. Zeichnen - ein einsames Geschäft. Lange sitzt Paolo über seinen Zeichnungen... Bastelt über Monate an seinen Ideen, denkt gründlich über diesen
und jenen Federstrich nach.

Paolo Bacilieri : "Comics zeichnen, das ist wie Miniatur-Theater. Ich bin ein kleiner Theaterregisseur, der in einem winzigen Theater hockt - um sich herum eine winzige Kompanie. Wie in einer Schachtel. Man muss aufpassen, dass man nicht klaustrophobisch wird. Warum ich Comics zeichne? Weil ich hier in dieser Schachtel sitzen will, weil ich dieses Theater für Arme machen will, weil ich eine Geschichte mit bescheidenen Mitteln erzählen will."

Wie die meisten Comic-Zeichner Europas kann Paolo nicht von seiner Kunst leben. Sein Ding sind Underground-Comics wie Zeno-Porno, er macht aber auch Massenware für die Miete.

Paolo Bacilieri : "Die Krimis, die ich für meinen Lebensunterhalt zeichne, sind gar nicht so schlecht. Durch sie kann ich von meiner Berufung leben, sie schaffen mir die Freiräume, die ich für meine experimentellen Sachen brauche."

Und genau für diese knallharten Experimente lieben ihn die italienischen Fans: Zynische Geschmacklosigkeiten, verpackt in Witz. Mit Verve gezeichnet in einem Stil, der Underground-Meister Robert Crumb verpflichtet ist. Nicht ohne Tiefgang. Die Handlung spielt gleich nebenan.

Paolo Bacilieri : "Ich glaube, Mailand ist die richtige Stadt für einen Comiczeichner, weil hier alles einen subtilen Umriss aus schwarzer Tinte trägt. Alles, die einfachsten Dinge, Häuser, Menschen, selbst die Straßenbahn... Alles hat einen feine, fast elegante Kontur."

An Paolos Seite begreift man die Comicwelt. Sie ist wie ein Solitär, steht frei und einsam zwischen den Künsten. Ist weder Film noch Literatur: etwas Eigenes, Comic eben. Ob ich ihn auch einmal sehen können werde, diesen subtilen Mailänder Umriss aus schwarzer Tinte?


In Deutschland erschienen

Der Schwätzer
Kunst der Comics (1990)
Barokko
Verlag Schreiber & Leser (1991)
Goldene Berge
Verlag Schreiber & Leser (1989)
Leseproben auf der Website des Verlags

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ARTE Kultur
Dezember 2007

Erstellt: 08-01-08
Letzte Änderung: 08-01-08