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ARTE Journal - 09/05/12

Papandreous griechische Tragödie - ein Portrait

„Die griechische Wirtschaft ist ein sinkendes Schiff“ prophezeite der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou im April 2010. Nun geht er vielleicht selber unter.

Von der Sympathie, die Giorgos Papandreou bei seinem Amtsantritt als Ministerpräsident im Herbst 2009 entgegenschlug, kann er heute nur noch träumen. Über 70 Prozent der Griechen hielten ihn für sympathisch, er war der Hoffnungsträger, der das Land aus der Krise führen sollte. Schon einen Monat später bereitet er die Griechen auf harte Zeiten vor, mit vorsichtigem Optimismus: "Wir können es schaffen. Mit harter Arbeit, mit Mut, mit der Unterstützung und Hilfe des griechischen Volkes werden wir unser Ziel erreichen." Mit den steigenden Schulden, sanken schließlich die Sympathiewerte.

Griechische Familienpolitik

In die Politik wurde er hineingeboren, er ist Spross einer der großen Politikerfamilien Griechenlands. „Giorgakis“ der kleine Giorgos wurde er lange genannt, denn schon sein gleichnamiger Großvater war Mitte der 60er Jahre Regierungschef. 1981 dann kam Giorgos Papandreous Vater an die Macht. Die Papandreous sind einer der drei großen Politik-Clans, die Griechenland seit Jahren beherrschen. Sie haben dem Land den Schlamassel eingebrockt – mit Korruption und einem einer undurchsichtigen Finanz- und Steuerpolitik.

Politische Laufbahn

1984 wurde Papandreou in das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Partei gewählt, 1999 bis 2004 war er Außenminister. Seit 2006 ist er Chef der Sozialistischen Internationalen, dem weltweiten Zusammenschluss von sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien. Ministerpräsident – das Amt trauten ihm viele lange nicht zu. Zwei Mal haben die Griechen nicht für ihn gestimmt. Dabei ist er zumindest auf internationalem Parkett zu Hause. Geboren im US-Bundesstaat Minnesota, aufgewachsen in Californien hat er in den USA, Kanada, Schweden und Großbritannien Soziologie und Politik studiert.

Der EU-Liebling

Die EU hielt ihn lange für einen verlässlichen Partner im Kampf gegen die Euro-Krise. Dieses Vertrauen hat er mit dem Vorstoß des Euro-Referendums verspielt. Denn vorher hatte er die xte Rettung seines Landes ausgehandelt: 50 Prozent der Schulden sollten erlassen oder zumindest umgeschichtet werden. Im Gegenzug verlangte die EU neue Sparmaßnahmen. Europas Staats- und Regierungschef atmeten erleichtert auf, die Katastrophe war damit kurzzeitig abgewendet.

Schon am Mittwoch erklärte der sozialistische Abgeordnete Dimitris Lintzeris: Papandreou ist Geschichte. Tatsächlich bewegt sich der Ministerpräsident auf dünnem Eis, er hat rein rechnerisch nur zwei Stimmen Vorsprung im Parlament. Und mindestens zwei Abgeordnete erklärten schon jetzt im griechischen Fernsehen dem Regierungschef nicht ihr Vertrauen auszusprechen. Griechenland retten – das war für Giorgos Papandreou die letzten Monate die reinste Sisyphusarbeit. Immer wieder kämpfte er mit Rückschlägen: Eine sture Opposition, streikende Landsleute und ein unberechenbarer Finanzmarkt. Der Poker zum Euro-Referendum und die Vertrauensabstimmung um Mitternacht im Parlament mag vielleicht politischer Selbstmord gewesen sein.

Rebecca Donauer für ARTE Journal

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Erstellt: 04-11-11
Letzte Änderung: 09-05-12