Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken >

Summer of the 80s

Eine Zeitreise in die 80er Jahre – zu ihrer Musik, ihren emblematischen Filmen und kulturellen Entwicklungen. Im Juli und August – jeden Dienstag und Donnerstag.

> TV Programm > Paris Texas

Summer of the 80s

Eine Zeitreise in die 80er Jahre – zu ihrer Musik, ihren emblematischen Filmen und kulturellen Entwicklungen. Im Juli und August – jeden Dienstag und (...)

Summer of the 80s

05/08/09

Paris Texas

In einem kleinen Ort in der texanischen Wüste bricht ein Mann entkräftet zusammen. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass er Gedächtnis und Sprache verloren hat. Ein gewisser Walt Henderson identifiziert den Verstörten als seinen Bruder Travis, der vor vier Jahren spurlos verschwand, und nimmt ihn zu sich. Für Travis beginnt nun der langsame Prozess der Rekonvaleszenz. Wiedervereint mit seinem kleinen Sohn Hunter macht er sich auf die Suche nach seiner Frau und nach seiner Vergangenheit: Was ist vor vier Jahren geschehen?

Previous imageNext image
Unweit von Paris, Texas - einem fast menschenleeren Landstreifen in der texanischen Wüste, der mit der französischen Hauptstadt allenfalls den Namen gemein hat - bricht ein Mann vor Erschöpfung zusammen. Er wird sogleich in ein Krankenhaus eingeliefert - doch der ihn behandelnde Arzt, Doktor Ulmer, muss bald feststellen, dass dem Unbekannten jede Erinnerung an seine Identität fehlt und er zusätzlich am Sprachverlust leidet. Mit Hilfe einer Visitenkarte, die er bei dem stummen Patienten findet, nimmt Ulmer Kontakt mit einem gewissen Walt Henderson auf. Dieser erkennt in dem verstörten Mann seinen älteren Bruder Travis, der vor vier Jahren plötzlich verschwunden ist. Auch von seiner Frau Jane fehlt seitdem jede Spur. Janes und Travis' gemeinsamer Sohn Hunter lebt nun bei Walt und seiner französischen Frau Anne, die den Jungen wie ihr eigenes Kind lieben.
Walt reist nach Texas, um Travis zu sich zu holen. Auf der langen Autofahrt zurück nach L.A., wo Walt, Anne und Hunter leben, beginnt der menschenscheue Travis seine Sprachlosigkeit langsam zu durchbrechen. Doch Walts Fragen, wo er all die Jahre gesteckt hat und was vor vier Jahren vorgefallen ist, setzt Travis immer noch Schweigen entgegen.
In L.A. angekommen, sieht Travis seinen kleinen Sohn Hunter wieder. Nach und nach gewöhnt sich der Junge an den ihm fremden Mann - bis er schließlich beide - Travis und Walt - als seine "Daddys" bezeichnet. Doch der Junge beginnt nach seiner leiblichen Mutter Jane zu fragen, und auch Travis geht sie nicht aus dem Kopf. Eines Tages brechen Travis, der faltige, sonnengebräunte Mann, und Hunter, der kleine blonde Junge, zu einer neuen Reise auf, um jene Frau zu suchen, die beide nicht vergessen können ...

Wim Wenders hat mehrere Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. "Paris, Texas" entstand am Ende dieser Periode und wird hierzulande in seiner Inszenierung als "typisch amerikanisch" angesehen, während er in den Staaten als ein eindeutig europäisches Werk betrachtet wird. Wim Wenders' ambivalentes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten bildet zweifellos eines der wichtigsten Spannungsfelder, aus denen er seine Inspiration schöpft. "Paris, Texas" ist eine vielschichtige Synthese seiner persönlichen Erfahrungen mit dem amerikanischen Kino und dem amerikanischen Traum. Wenders vereint gekonnt die Tugenden des europäischen Autorenfilms mit denen des Hollywoodkinos - die kühle Distanz des Denkens mit der intensiven Nähe der Gefühle. Der Sprache kommt dabei als Kommunikationsmittel eine äußerst bedeutende Rolle zu, wie der Regisseur selbst bekennt: "Diese Vorstellung von jemandem, der anfangs nicht reden kann, und von zwei Leuten, die sich dadurch befreien, dass sie reden ... Diese Idee, einen Ort zu erfinden, der zum Reden da ist, aber innerhalb der Anonymität einer Peepshow ... Die Tatsache, dass dieser Film, in dem am Anfang ja nicht gerade viel gesprochen wird, mit einer sehr langen Rede aufhört, bedeutete praktisch den Durchbruch: Nicht nur auf diesen Film bezogen, sondern auch innerhalb meiner Arbeit und in der Tradition meiner anderen Filme gesehen, ist diese Lösung für mich ein wichtiger Schritt."
Der Dramatiker, Schauspieler und Drehbuchautor Sam Shepard ist an fast jedem Drehbuch der "amerikanischen" Filme von Wim Wenders beteiligt - so schrieb er zuletzt auch das Drehbuch zu "Don't Come Knocking" (2005), bei dem Wenders zu den USA und dem Genre des Roadmovies zurückfand.
"Paris, Texas" wurde 1984 auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Paris, Texas
Montag 24. August 2009 um 14.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, 1984, 139mn)
ARTE F

Erstellt: 07-05-09
Letzte Änderung: 05-08-09


+ aus Kultur entdecken