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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 08. November 2007 - 14/08/08

Pas douce

Ein Film von Justus von Jeanne Waltz


Einfühlsames Drama um zwei eigensinnige Einzelgänger

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Frankreich/Schweiz 2007, 85 Min.
Mit Isild Le Besco, Steven Pinheiro de Almeida, Lio, Yves Verhoeven

Synopsis: Die junge Krankenschwester Fred will sich umbringen mit einem Gewehr, im Wald. Zwei Jungs streiten sich dort, einer zielt mit einer Steinschleuder dem anderen aufs Auge. Sie drückt ab und schießt Marco ins Knie. Später wird sie den Täter - ein widerspenstiges Scheidungskind - verbinden und betreuen, und wagt lange nicht, ihm ihre Schuld einzugestehen. Nach und nach nähern sich die beiden komplizierten Charaktere einander an...

Kritik: Die Unsanfte ist Isild Le Bosco, die so unsanft gar nicht ist. Das 1982 geborene Mädchen hat die Schauspielerei im Blut, ihren ersten Auftritt hatte sie bereits im Alter von acht Jahren. In den letzten zehn Jahren spielte sie in ungefähr dreißig Kino- und Fernsehfilmen mit, schrieb und inszenierte selbst zwei Filme. Isild Le Bosco spielt, nein vielmehr sie ist Fred, denn sie ist physisch so präsent, dass es bisweilen an die Schmerzgrenze geht. Fred ist ein kompliziertes Mädchen. Mit ihrem Vater redet sie nicht mehr, sie sehen sich giftig an, als sie sich zufällig begegnen. Von ihm hat sie das Schiessen gelernt. Sie besitzt Talent, hat Turniere gewonnen, aber nun das Gewehr an den Nagel gehängt. Warum ist nicht klar. Genauso wenig wird erzählt, warum sie mit ihrem Vater verfeindet ist. Gleich zu Beginn äußert eine ihrer Kolleginnen, dass es Fred nichts ausmacht, einen Menschen sterben zu sehen. Das könnte man als Zeichen von Härte interpretieren, doch so einfach ist es nicht.

Pas douce konzentriert sich ganz auf die Gegenwart, den Augenblick. Warum etwas passiert ist, ist nicht so wichtig wie das, was geschieht. Jeder trägt seine Vergangenheit mit sich herum. So auch der 15-jährige Marco, ein kompliziertes Scheidungskind, das erneut zum Opfer wird. Obwohl er doch eigentlich Täter war und auf seinen Freund geschossen hat. Pas douce zeigt die heftige Reaktion auf das, was vorher passiert ist. Wenn Marco etwa keine Nähe zu seiner Mutter zulässt, die extra aus Spanien angereist ist. Seine Mutter erwartet Trost, so auch von Fred, die völlig teilnahmslos auf sie reagiert. Sie weiß, dass solch eine heftige Reaktion wie die von Marco immer eine Vorgeschichte hat. Das Ergebnis ihrer Geschichte ist es etwa auch, dass sie mit ihrem Rad in einen Teich steuert, Gin trinkend. Es passiert nicht viel. Sie fällt ins Wasser und zieht ihr Rad wieder hinaus. Man erschießt sich nicht so leicht, aber in den Teich fahren, das ist ganz einfach. Pas douce lebt von Isild Le Bosco. Gern zeigt die Kamera Gross-aufnahmen von ihr, einer jungen Frau, die auf dem ersten Blick nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Es gibt auch Männer, die sie hässlich finden, sagt Isild Le Bosco. Der Rest aber betet sie an. Dieser gefallene Engel mit der Geschmeidigkeit einer Raubkatze, die Wildheit mit Sanftheit verbindet. Sie trägt etwas so Lebendiges in sich, dass man sich gern von ihr anstecken lässt. Ihre Schönheit entdeckt man erst auf den zweiten Blick, aber dieser ist ohnehin viel intensiver.

Pas douce ist ein Film über Verletzungen. Fred sowohl als auch Marco tragen schlimme innere Verletzungen in sich, Marco wird äußerlich außerdem von Fred verletzt. Paradoxerweise heilt sich Fred über den Kontakt zu Marco. Zu Beginn des Films will sie sich umbringen, am Ende erwartet sie lächelnd die Beamten, denen sie ihre Schuld endlich gestehen kann. Wunden heilen. Oft tun dies äußere schneller als innere, aber das Ende des Films steht im Zeichen des Neuanfangs - für Fred als auch für Marco. Pas douce ist ein kleines Filmjuwel - die eindringliche Charakterstudie eines Menschen, der nach außen hin hart auftritt, um seinen verletzliche Seele zu schützen. Es gibt eine einzige Liebesszene in diesem Film, und Isild Le Bosco gelingt es, diese mit nachhaltiger Intensität zu spielen. Hier berühren sich wirklich zwei Menschen und nicht nur zwei Körper – innerlich wie äußerlich. In diesem Moment wirkt Fred ganz sanft und erfüllt. Man ahnt was für eine positive Stärke und Kraft diese Frau entfalten könnte, wenn man sie ließe. Doch die Realität holt sie schnell wieder ein – der Mann, mit dem sie eben noch intim war ist ihr Ex-Freund. Ihr sanfter Gesichtsausdruck entweicht und Sekunden später ist sie wieder da, diese raue, unüberbrückbare Distanz, mit der Fred durch ihr Leben läuft.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 06-11-07
Letzte Änderung: 14-08-08