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Sonate Nr. 1: Molto lento (Real Media, 1'59")Man braucht schon geschickte Hände, um Jolivets Erste Sonate oder sein Klavierkonzert zu spielen. Es gibt zwar sicherlich virtuosere Klavierstücke, doch Jolivets Komponierstil ist komplex und verlangt eine sehr wandlungsfähige Spielweise, die sich an die wechselnde Stimmung der Musik anpasst.
Wenn von der Ersten Sonate die Rede ist, kommt man kaum ohne musikalischen Fachjargon aus. Mit ihren untergründigen Anklängen an Bartók, ihrer komplexen musikalischen Struktur und ihrer außergewöhnlichen Kraft lässt sie sich mit vielerlei Metaphern belegen. Dies hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Man kann ausgehend von der eigenen Subjektivität über diese Musik reden (d.h. über ihre Wirkung). Der Nachteil: Ein solcher Kommentar verfehlt leicht seinen Gegenstand (denn in der Musik darf man Wirkung und Ursache nicht verwechseln).
Doch Jolivet ist beileibe kein undurchschaubarer Komponist, und seine Werke sind vor allem klangvoll. Man kann nicht außer Acht lassen, welchen Genuss diese Musik bietet, gerade weil sie uns zugleich durch ihre Struktur wie eine Sprache anspricht und als fesselndes Klangkontinuum mit archaischer Energie auf uns wirkt. In der Ersten Sonate ist dies besonders offensichtlich, aber es gilt auch für das Klavierkonzert.
Dennoch ist man beim Hören dieser CD versucht, der Stimmung und Dynamik größere Beachtung zu schenken als der Form. Dies liegt, so denke ich, am ausgesprochen „physischen“ Charakter dieser Musik, die den Hörer ansteckt und ihn den zeitlichen Bezug verlieren lässt: Wenn im zweiten Satz der Sonate die Zeit fast stillsteht, so hat dies natürlich eine seltsame Wirkung auf denjenigen, der eben noch atemlos ihr unaufhaltsames Voranschreiten verfolgt hat. In enger Symbiose mit der Musik erlebt der Hörer einen tagtraumähnlichen Zustand, in dem Worte schweigen und schemenhafte Bilder sprechen.
Das Klavierkonzert entstand einige Jahre nach der Sonate. Bei seiner Uraufführung in Straßburg löste es einen kleinen Skandal aus, was aus heutiger Sicht recht unverständlich ist. Auch dieses Werk zeichnet sich durch seine dramatische Vorwärtsbewegung aus, in der das Klavier eine zugleich zentrale und marginale Rolle spielt. Das ungeheuer ausdrucksstarke und formal perfekt konstruierte Stück würde es verdienen, öfter gespielt zu werden ... Pascal Gallet gebührt daher unser Dank für diese ausgezeichnete Interpretation mit Seltenheitswert.
Mathias Heizmann







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