Shahid Khan: "Die Paschtunen- Filme spiegeln unsere Kultur wider. Dass sie so gut ankommen, liegt hauptsächlich daran, dass sie so realistisch sind. Es gibt zwei, drei Elemente, die in keinem Drehbuch fehlen dürfen. Den Reichen und den Großgrundbesitzern muss es an den Kragen gehen. "
Das Publikum besteht aus 50 Millionen Paschtunen die in einer unkontrollierbaren Zone leben, in der die Zentralmacht Pakistans und die lokalen Kriegsherren immer wieder aneinander geraten. Und wo die politische Situation unstabil ist, blühen illegale Geschäfte aller Art. Während des kalten Krieges, Anfang der Achtziger Jahre, wurden diese Männer von den pakistanischen Geheimdiensten und der CIA bis an die Zähne bewaffnet um die Sowjetischen Truppen aus Afghanistan zu vertreiben. Doch seit den Anschlägen vom 11. September hat sich der Wind gedreht. Inzwischen wagen sich sogar pakistanische Truppen in das Gebirgslabyrinth. Denn hier, so wird vermutet, versteckt sich der meist gesuchte Bartträger der Welt, Osama Bin Laden.
Produziert jedoch werden die sexy Action-Streifen in der pakistanischen Kino-Metropole Lahore, auch Lollywood genannt. Im Zeitalter von Satelliten-Fernsehen und Video-Piraterie und im Schatten seines mächtigen Nachbarn Bollywood, hat es die pakistanische Kinoindustrie nicht gerade leicht. Das Paschtunen-Kino jedoch, bleibt von der Krise verschont. Die Stammeskrieger sind ihren Helden treu. Eine Handvoll Familien, die das Film-Monopol beherrschen, produzieren ungefähr 25 Streifen pro Jahr. Erotik, weibliche Homosexualität, Hollywood-Plagiate.
Seit 2002 wird die Provinz der Paschtunen von einer islamischen Koalition verwaltet. Sie führte die Scharia der Taliban ein. Frauengesichter verschwanden, Musik wurde an öffentlichen Orten verboten, Hass auf den Westen war wieder erwünscht. Anfangs blieben auch die Kinos unter der Repression geschlossen und seit ihrer Wiedereröffnung ist ihr Ruf nicht gerade der Beste. Das Publikum besteht nur aus Männern, Meist Rickshaw-Fahrer, Arbeiter oder kleine Verkäufer, größtenteils Singles. Dass die Paschtunen-Streifen es überhaupt durch die strenge Zensur schaffen, grenzt an einem Wunder.
Zia Ud Din, Verantwortlicher der Hauptstelle für Filmzensur: "Würden wir die Regeln der Zensur pingelig genau anwenden, dann könnten wir keine einzige Filmvorführung erlauben. Kein einziger Film würde von der Zensur eine Freigabe bekommen. Wir müssen bei unserem Urteil aber auch die Investitionen der pakistanischen Kinoindustrie berücksichtigen."
Meilenweit von den Taliban entfernt, schmunzelt man über die Filme. Omar Khan hat ein paar Jahre in London verbracht. Sein Kaffee „Hot Spot“ in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, steht ganz im Zeichen des Paschtunen-Kinos.
Omar Khan: "In der Region im Nordwesten, an der Grenze, findet man die größten Religionsfanatiker im ganzen Land. Aber die Filme, die von dort kommen, hatten schon immer den Ruf, der westlichen Pornografie in nichts nachzustehen. In den Kinos nur für Männer beginnt die Vorführung mit einem lokalen Film. Aber nach zirka 15 oder 20 Minuten legen sie einen richtig derben deutschen, dänischen oder holländischen Hardcore Porno ein. Und am Ende wechseln sie wieder zum lokalen Streifen."
In der Reportage zu sehenDer Regisseur Jalil Khan
Die Schauspielerin und Regisseurin Shanaz
Ausschnitte der Filme "Adam Khor" (The Man Eater), "Halaku Khan", "Lourd Balaa" (The Witch), "Da Khwar Lasme Spogmay" (The Cat-Beast)
Links>> Eine sehr umfangreiche Seite über Horrorfilme in Indien und Pakistan
>> Lollywood auf Wikipedia







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