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09/05/2006 - Experimental - 28/08/08

Pataphysics

Was haben Marcel Duchamp, die Marx Brothers und Boris Vian gemeinsam? Sie waren alle Mitglieder des Kollegs für Pataphysik, das in Gedenken an Alfred Jarry gegründet wurde.

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CD Tipps von A bis Z

>>CDs zu gewinnen
Boris Vian "Le déserteur"(Real Audio, 3'35'')
Harpo Marx "Harpo Boogie-Woogie" (Real Audio, 1'49'')
R. Wyatt/H. Hopper "Patasoft" (Real Audio, 3'33'')


Der französische Schriftsteller Alfred Jarry hatte 1896 einen Skandalerfolg mit seinem Theaterstück „König Ubu“. Aufgrund seiner außergewöhnlich derben Sprache, der satirisch beißenden Gesellschaftskritik und der Auflösung herkömmlicher dramaturgischer Strukturen gilt es als erstes Beispiel des absurden Theaters. Mit seinen anarchistischen und vieldeutigen Wortspielen und imaginären mathematischen und physikalischen Erklärungen inspirierte Jarry Avantgardisten und Surrealisten aller Künste. Weitere Anhänger des Kollegs waren unter anderem Max Ernst, Jean Dubuffet und Joan Miró.

Andrew Hugill, Musikprofessor an der britischen Montford Universität, hat nun die erste Pataphysik-Kompilation zusammengestellt. Dafür ausgewählt wurden sowohl Musikstücke von Künstlern aus dem direkten Umfeld des Kollegs, als auch von Aufnahmen, die Hugill der Pataphysik zuordnet. Das überdimensionale Format der CD-Hülle und das liebevoll gestaltete Booklet-Buch machen die Veröffentlichung selbst zu einem kleinen Kunstwerk, das eine inspirierende Übersicht über die vielfältigen Formen experimenteller Musik bietet.

Das erste Stück auf der CD hört man nicht. Marche Funèbres Komposition der Stille stammt aus dem Jahr 1884. Damit hat Alphonse Allais das Schweigen als künstlerischen Akt, Musik als Nichtmusik, fast 70 Jahre vor John Cage entwickelt. Neben raren Musikdokumenten, wie Marcel Duchamps „Erratum Musical“, finden sich aberwitzige Stücke, wie der „Harpo Boogie Woogie“ von einem der Marx Brothers, oder aktuelle Klangexperimente und Fieldrecordings. Aber auch Boris Vian ist mit seinem politischen Chanson „Le Déserteur“ vertreten.

Auch wenn die Auswahl und Zusammenstellung der Musik anfänglich etwas willkürlich erscheint, lohnt es, sich mit der Kompilation intensiv auseinander zu setzen. Denn auf Jarrys pataphysikalischen Gedankenmodelle lässt sich ein Großteil der experimentellen Musik zurückführen.


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Mapstation

„Distance told me things to be said“
Horns Version (Real Audio, 2')
Lion D'Afrique(Real Audio, 2')
Warm Distance (Real Audio, 2')


Stefan Schneider ist Minimalist. Der Kopf der hinter Mapstation steckt, liebt es mit klaren Sounds zu arbeiten. Schicht für Schicht lagert er sie an seinem Rechner übereinander, ob computergeneriert oder von Musikern live eingespielt. Elemente des Dub und der Elektromusik zeichnen sich in den sanften Bässen und in den repetierenden Melodien ab. Dazu improvisieren der Radian-Perkussionist Martin Brandlmayer und die britische Posaunistin Annie Whitehead. Durch die musikalische Konstellation von programmierten Klängen und freier Improvisation entsteht ein äußerst interessantes Spannungsverhältnis zwischen Computer und Musiker.


Matthias Schneider


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Pataphysics
Sonic Arts Network
www.sonicartsnetwork.org
www.atlaspress.co.uk

Mapstation
„Distance told me things to be said“
~scape / Indigo / La Baleine

Photo ©

Erstellt: 27-04-06
Letzte Änderung: 28-08-08


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