DVD-News - 26/01/09
Pedro Almodóvar Sammler Edition
( Arte Bewertung: 5 )
Weitere Artikel zum Thema
Edition no1: Pasión - Leidenschaft
Kloster zum heiligen Wahnsinn - Entre tinieblas (1983)
Womit habe ich das verdient? - Qué he hecho yo para merecer esto? (1984)
High Hheels - Tacones lejanos (1990)
Live Flesh - Mit Haut und Haar - Carne trémula (1997)
Volver - Zurückkehren - Volver (2006)
Edition no 2: Amor - Liebe
Labyrinth der Leidenschaften - Laberinto de pasiones (1982)
Fessle mich! - Átame! (1990)
Kika - Kika (1993)
Alles über meine Mutter - Todo sobre mi madre (1999)
La mala educación - Schlechte erziehung - La mala educación (2004)
Edition no 3: Deseo - Begierde
Das Gesetz der Begierde - La ley del deseo (1986)
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs - Mujeres al borde de un ataque de nervios (1988)
Mein blühendes geheimnis - La flor de mi secreto (1995)
Habla con ella - Sprich mit ihr (2002)
Kritik: Die Pedro Almodóvar Sammler Edition versammelt (fast) das Gesamtwerk des spanischen Regisseurs, der neben Luis Buñuel das spanische Kino am stärksten und nachhaltigsten revolutioniert hat. Almodóvar begann mit kurzen Super-8-Filmen als Underground-Künstler der Movida madrilena, einer Gruppe von Filmemachern, die nach dem Ende der Diktatur durch Franco in ihren Werken alles Abseitige, Schräge, Schrille und Hedonistische feierten. So sucht die Nachtclubsängerin Yolanda Bell etwa im dritten langen Film Almodóvars nach dem Herointod ihres Freundes innere Ruhe in einem Frauenkloster. Was sie dort, im KLOSTER ZUM HEILIGEN WAHNSINN (1983) findet, hätte sie sich in ihren wildesten Albträumen nicht auszumalen gewagt: Die wenigen dort lebenden Nonnen fröhnen alle seltsamen Lastern, die sich an ihren Spitznamen ablesen lassen. Da gibt es etwa die Schwester Chaos, die Schwester Kot, die Schwester Straßenratte, die Schwester Kobra und die Oberin selbst, die regelmäßig harte Drogen konsumiert und mehr als ein Geheimnis in sich trägt. Diese verliebt sich in Yolanda, und eine komplizierte Hassliebe beginnt.
Von Anfang an besetzt Almodóvar seine Filme mit großartigen Schauspielern, wobei er stets Wert auf starke Frauenrollen legt. Carmen Maura, Chus Lampreave und Marisa Paredes dürfen das Kloster aufmischen. Antonio Banderas, Penelope Cruz und Javier Bardem - die sich in die erste Riege Hollywoods vorgearbeitet haben - wurden alle von dem exzessiven Spanier entdeckt, dem die guten und intensiven Geschichten nie auszugehen scheinen. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass das alltägliche Leben nur da ist, um mir Ideen für meine Filme zu liefern," erklärt er. Diese Aussage mag vielleicht zuerst ein wenig überraschen, versammelt er doch in fast jedem seiner Filme eine Gruppe exzentrischer Charaktere, die nicht recht in einen normalen Alltag zu passen scheinen.
In ALLES ÜBER MEINE MUTTER (1999) begibt sich Manuela nach dem Unfalltod ihres 17-jährigen Sohnes auf die Suche nach dessen Vater. Dieser heißt nun - nach seiner Geschlechtsumwandlung - Lola. Auf ihrer Suche begegnet sie vielen faszinierenden Menschen zwischen den Geschlechtern, die zu einer Art Ersatzfamilie für sie werden. Für diesen Film wurde Pedro Almodóvar mit Preisen überhäuft und erhielt den Oscar für den Besten fremdsprachigen Film.
Die insgesamt vierzehn Filme sind in drei Boxen unterteilt, in Pasión (Leidenschaft), Amor (Liebe) und Deseo (Begierde). In drei wichtige Themen also, die sich wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk von Almodóvar ziehen, und die ihn zu immer neuen emotionalen Geschichten antreiben. Mittlerweile hat die kantige Wildheit und Exzentrik seiner ersten Werke etwas nachgelassen, was einem noch größeren Publikum den Zugang zu seiner Welt ermöglicht. Seine Geschichten sind nachvollziehbarer, aber nicht weniger tiefsinnig geworden. Seine Charaktere sind von Anfang an und immer noch auf der Suche nach Nähe. Sie suchen Geborgenheit, Liebe und Sicherheit - in einer Welt die oft genug nicht bereit ist, ihnen diese zu geben. Immer wieder handeln sie von Homosexualität, Transsexualität und diversen Formen des Transvestitismus. Für DAS GESETZ DER BEGIERDE (1986), in dem ein junger Schwuler eine unerklärliche Obsession für einen älteren schwulen Filmregisseur entwickelt und bereit ist, dessen Freund zu töten, erhielt er den ersten Teddy Award auf der Berlinale.
In feuerroten Boxen präsentieren sich die vierzehn Filme, die teilweise interessantes Bonus-Material bereithalten, dies ist vor allem bei den Filmen jüngeren Datums der Fall. Spannend ist es dabei zu sehen, wie Almodóvar mit seinen Schauspielern arbeitet, wie er diese genauso wie seine komplexen wilden und gedemütigten Charaktere über alles liebt. Er spielt ihnen, Antonio Banderas etwa oder Marisa Paredes vor, wie diese spielen sollen, und erzählt in Interviews von seiner ganz eigenen Welt, in der Liebe auch in den unmöglichsten Situationen zu finden ist. In Momenten der Erniedrigung, in Machtspielen. Vergewaltigung, Mord, Abtreibung - all das sind Ausbrüche der Leidenschaften, die in seinem Kosmos an der Tagesordnung sind. Die Pedro Almodóvar Sammler Edition ist die Essenz des fast 30-jährigen Schaffens eines Regisseurs, der soviel Leidenschaft, Energie und Emotion bereit hält, dass man sich des öfteren fragt, wie dies alles aus dem Kopf eines einzigen Menschen stammen kann, der vor Sehnsucht nach Liebe und Nähe zu bersten scheint.
Nana A.T. Rebhan
Erstellt: 12-01-09
Letzte Änderung: 26-01-09