mit : Daniel Auteuil, Sabine Azema, Sergi Lopez, Amira Casar

Synopsis: Gibt es ein neues Leben nach 30 Jahren Ehe, nach der Pensionierung, nachdem die Tochter das Haus verlassen hat, mit denselben, alten Freunden und der Aussicht auf ein Pensionärsdasein als Golfspieler? Diese Fragen stellt sich der gerade in den Ruhestand gegangene Meteorologe William (Daniel Auteuil). Seine Frau Madeleine, passionierte Hobbymalerin, beantwortet diese Antwort positiv, als sie William zum Kauf eines idyllischen Landhauses im Vercors überredet – eine Empfehlung des in der Nachbarschaft wohnenden blinden Bürgermeisters Adam (Sergi Lopez), den Madeleine beim Malen kennen gelernt hat. Als eines Nachts das Haus von Adam und seiner Frau Eva (Amira Casar) abbrennt, tut das Ehepaar nichts lieber, als die neuen Freunde bei sich aufzunehmen.
Kritik: Sie sind ein Paar, mit dem es das Leben gut gemeint hat, der Fernsehmeteorologe William und seine Frau Madeleine, Besitzerin eines kleinen Unternehmens: nicht nur die Ehe hat gehalten, sondern auch die Liebe und der gegenseitige Respekt, die Altersvorsorge ist gesichert. Kommt jetzt, da das Berufsleben und die ausgefüllten Terminkalender Vergangenheit sind, das große Zittern vor der Leere, vor dem näher rückenden Tod? Die französischen Brüder Larrieu gehen mit ihren Protagonisten heiter in die Offensive. Flugs wird ein altes Bauernhaus, in dem die in der Region gedeihenden Walnüsse getrocknet und verarbeitet wurden, gekauft. Dazu bedarf es allerdings lebensbejahender Überzeugungshilfe von außen – ausgerechnet ein Blinder vermittelt der Hobby malenden Madeleine eine neue, sinnliche Vision von der Schönheit des Lebens. Die Zeit schreitet bei den Larrieus entlang der Jahreszeiten schnell voran – doch gehört sie zu den glücklichsten, die das Ehepaar seit langem erlebt hat. Ist es die neue Lebensaufgabe, ein Haus zu restaurieren, die von der majestätischen Natur ausgehende Ruhe oder die neue Freundschaft mit Adam und seiner Frau? Der blinde Adam jedenfalls vermittelt dem Paar bei gemeinsamen Abendessen zwischen Jazz und Brel, bei nächtlichen Spaziergängen ohne Taschenlampe, was zu tun ist, um das Glück festzuhalten, um jung zu bleiben: auf blindes Vertrauen kommt es an, nicht nur den Menschen in seiner Umgebung, sondern auch den sich im Leben bietenden Möglichkeiten gegenüber.
Madeleine und William erweisen sich als sehr gelehrige Schüler, zwar fest auf dem Boden ihrer eigenen Werte und Erinnerungen stehend, aber doch mit ungeheurer Neugierde und Leichtigkeit die sich bietenden Gelegenheiten und Abenteuer auslotend. Auch als es eines nachts überraschend zu einer grenzüberschreitenden ‚Menage à Quatre’ kommt und diese das Selbstverständnis des Paars gehörig durcheinander bringt, tut das der wiederbelebten Fähigkeit zur Improvisation letztlich keinen Abbruch. Mit ihren witzigen, doppelbödigen Dialogen, den beinahe schon pastoral eingesetzten Chansons, die als zusätzlicher Kommentar der emotionalen Wandlung des Paars funktionieren, erweisen sich die Larrieu-Brüder zugleich als Konservatoren und Erneuerer der französischen romantischen Komödie – einer Erzählform, die das Lebensglück à la française mittels stilistischer und erzählerischer Überhöhung feiert und somit zum mystisch verklärten Exportschlager macht.
Martin Rosefeldt
Synopsis: William (Daniel Auteuil) und Madeleine (Sabine Azéma) leben in Grenoble. Madeleine ist begeisterte Hobbymalerin. Eines Tages begegnet sie in den Hügeln der umliegenden Gegend Adam (Sergi Lopez), einem blinden, gebildeten Herren, der ihr ein zum Verkauf stehendes verlassenes Haus zeigt. William und Madeleine verlieben sich sofort in das alte Gemäuer und kaufen es. Später stellt Adam ihnen seine Frau Eva vor. Zwischen den beiden Paaren entwickelt sich eine tiefe Freundschaft von ganz besonderer Sinnlichkeit...Kritik: Bei den Brüdern Larrieu gleicht nie ein Film dem anderen. Doch immer stellen sie den in die Natur eingebundenen Menschen in den Mittelpunkt, immer loten sie mit einzigartiger Leichtigkeit die zwischenmenschlichen (Liebes-)Beziehungen aus, ihr Humor und ihr Sinn für die Musik als Gestaltungselement kommen stets zum Tragen. All diese Fähigkeiten machen ihre Filme zu äußerst bedeutsamen Werken.
In „Peindre ou faire l’amour“ sucht man keines der erwähnten Kriterien vergeblich, doch stärker als gewohnt gehen die Brüder hier in die Tiefe. Zum ersten Mal haben sie nicht in ihrer Heimatregion gedreht (im geliebten Südwesten Frankreichs), sondern im südfranzösischen Naturpark Vercors. Diese wohl nicht zuletzt auf produktionsbedingten Zwängen beruhende Entscheidung hat ihren Blick nicht im geringsten verstellt. Wie immer ist die Natur allgegenwärtig und so etwas wie das Rückgrat derer, die in ihr leben. Die Bäume, der Himmel, die Berge und Hügel sind nicht nur Symbolträger des Wunsches nach erlösender Freiheit des Individuums, sondern auch der bevorzugte Hintergrund für gänzlich zufällige Begegnungen. Adam lernt Madeleine zu einem Zeitpunkt kennen, in dem sich ihr Leben und ihre Partnerschaft mit William an einem Wendepunkt befinden. Eine weitere (gewichtige) Neuerung in „Peindre ou faire l’amour“ ist die Besetzung mit hochkarätigen französischen Starschauspielern. Zugegebenermaßen scheinen sich Sabine Azéma und Daniel Auteuil zu Beginn des (chronologisch gedrehten) Films schwer zu tun mit dem ihnen bis dato unbekannten Universum der Brüder Larrieu. Doch dann gehen sie mehr und mehr in der Geschichte auf und steuern mit wundervollem Einfühlungsvermögen auf den Dreh- und Angelpunkt des Drehbuchs zu: den Partnertausch. Dieser dient letztlich einzig zur Illustrierung eines noch einmal aufflammenden jugendlichen Glücksgefühls bei zwei Mittfünfzigern, die noch einmal von jenem Begehren gepackt werden, das gemeinhin als perverse Entgleisung bezeichnet wird.
Doch gehen die Regisseure äußerst entspannt mit dem Begriff um und beschreiben einfühlsam, humorvoll und mit Hilfe der Musik von Philippe Katerine, Jacques Brel, Léo Ferré und Camille Saint-Saëns die absolut glückliche und zärtliche Liebe zweier Paare. Die unwiderstehliche Szene der Annäherung zwischen Philippe Katerine (diesmal als Schauspieler) und Hélène de Saint Père auf der einen und Sabine Azéma und Daniel Auteuil auf der anderen Seite ist von jener sinnlichen Leichtigkeit und „feurigen Frische“, die einen so unglaublichen Eindruck hinterlässt. „Peindre ou faire l’amour“ ist ein Film, den das ausländische Publikum ganz sicher als „typisch französisch“ deklariert, „wo ganz offen mit Sex umgegangen wird“. Hoffen wir als aufgeklärte Zuschauer, dass es darin letztendlich auch diese wundervolle Ode an die Gefühle mit all ihren Facetten erkennt.
Olivier Bombarda---------------
Peindre ou faire l'amour
Ein Film von Arnaud und Jean-Marie Larrieu
(Frankreich, 2005, 98’)
mit : Daniel Auteuil, Sabine Azema, Sergi Lopez, Amira Casar
Filmfestival Cannes 2005 - Wettbewerb






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