Die britischen und amerikanischen Truppen landeten am 6. Juni 1944 an der Ärmelkanalküste. Mehrere Wochen saßen sie in der Normandie fest, erst im Juli gelang der Durchbruch. Die Briten stießen daraufhin rasch nach Norden vor, während sich die amerikanischen Verbände aufteilten und ein Kontingent Richtung Bretagne, das andere ostwärts vorrückte. Diese Vorgehensweise erklärt teilweise, warum die Franzosen ihre Befreiung vor allem mit den amerikanischen Truppen in Verbindung brachten. Abgesehen von der Schlacht um die Normandie ließen die Briten unter Montgomery nämlich Frankreich rasch hinter sich, um sich an die Rückeroberung Belgiens zu machen. Eisenhowers Mannen zeigten dagegen stärkere Präsenz: Zu den in Frankreich kämpfenden Verbänden kamen noch die Reservetruppen, die über die Häfen Cherbourg und später auch Marseille heran- und später auch wieder in die Heimat abtransportiert wurden.


Dieses idyllische Bild wird allerdings von einigen weniger harmonischen Tönen getrübt. Zum einen betrieben die Soldaten gelegentlich anrüchige Schwarzmarkt-geschäfte, zum Beispiel mit Benzin oder Zigaretten, die den Behörden beträchtliche Probleme bereiteten.
Hinzu kamen kriminelle Machenschaften, die von Militärangehörigen – wenngleich auch nur einer Minderheit – begangen wurden: Vergewaltigungen (208 Fälle im Département Manche), Tötungsdelikte (rund dreißig im genannten selben Département) oder auch Plünderungen.
Die Straftaten „reichten vom einfachen Matratzendiebstahl, um es sich gemütlicher zu machen, bis hin zu bewaffneten Überfällen mit Gewaltanwendung“. Solche Taten wurden von den Führungsstäben aber niemals gezielt instrumentalisiert, sondern vielmehr nach Kräften verhindert. Sie erklären allerdings, warum gewisse Bevölkerungsteile mit gemischten Gefühlen an ihre amerikanischen Befreier zurückdenken.
Die Normandie schließlich stellt einen Sonderfall dar. Sowohl durch Bombardierungen als auch durch schwere Kampfhandlungen wurde diese Region schrecklich in Mitleidenschaft gezogen. Viele ihrer Bewohner machten daher die Alliierten und insbesondere die Amerikaner für die erlittenen Schäden und Verluste verantwortlich, umso mehr, als ihnen manche Bombardierungen (wie etwa der Stadt Caen) aufgrund des zweifelhaften militärisch-strategischen Nutzens ungerechtfertigt erschienen.
Diese Umstände erklären insgesamt die zwiespältigen Gefühle, mit denen sich die Franzosen ihrer Befreier – vor allem der Amerikaner – entsinnen. In die Dankbarkeit, die man den Männern entgegenbrachte, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um ihnen die Freiheit zu bringen, mischten sich weniger angenehme Gefühle, sobald die Zivilbevölkerung der - sei es militärischen oder kriminellen - Gewalt dieses Krieges ausgesetzt wurde, von der sie sich bedroht fühlte.
Von Olivier Wieviorka







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

