Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > Geschichte auf ARTE

Geschichte auf ARTE

Monatliches Onlinemagazin mit Informationen zu den wichtigsten historischen Sendungen auf ARTE und mehr: Geschichte hinter den Geschichten

> Ausstellung des Monats

Geschichte auf ARTE

Monatliches Onlinemagazin mit Informationen zu den wichtigsten historischen Sendungen auf ARTE und mehr: Geschichte hinter den Geschichten

Geschichte auf ARTE

14/11/11

Pergamon. Panorama der antiken Metropole

Vom Kampf zwischen Göttern und Giganten


Wer kennt ihn nicht, den Pergamon-Altar auf der Berliner Museumsinsel?
Aber wie kam es zu diesem Wunderwerk? Wie konnte man die großen Marmorblöcke von der Insel im Marmarameer den Berg von Pergamon hinaufschaffen? Wie lebte es sich in dieser Stadt, die zu einer der glänzendsten hellenistischen Residenzen ausgebaut wurde? Die Überreste der Stadt zeugen von vergangener Pracht, aber auch von hohem technischen Können ihrer Schöpfer.

Previous imageNext image

Eine Sonderausstellung im Pergamonmuseum geht diesen Fragen nach, ein monumentales 360-Grad- Panorama im Innenhof der Berliner Museumsinsel entführt in das Jahr 129 n.Chr. Der 1878 entdeckte Pergamonaltar stellt nun ein Jahr lang den Höhepunkt einer Ausstellung dar, die mit dem Berliner Künstler Yadegar Asisi konzipiert wurde: „Pergamon. Panorama der antiken Metropole“.

Ausgangspunkt des Ausstellungsrundgangs ist das von Asisi geschaffene 360-Grad-Panorama Pergamons. Von einer Aussichtsplattform aus kann man in luftiger Höhe die fotorealistisch dargestellten Details bestaunen, aus denen der Künstler die Gesamtansicht der Stadt für das Jahr 129 n. Chr. komponiert hat. Dank einer raffinierten Beleuchtungstechnik erlebt man den Ablauf eines ganzen Tages vom ersten Morgengrauen bis zum Aufleuchten der Herd- und Tempelfeuer nach Sonnenuntergang. Abgerundet wird die Illusion durch eine dem damaligen Alltag nachempfundene Geräuschkulisse, kombiniert mit Hintergrundmusik des Filmkomponisten Eric Babak.

Von Pergamon nach Berlin
Diesem fulminanten Auftakt schließt sich die eigentliche Ausstellung an. Hier wird der Besucher zunächst über die Ursprünge der Grabungen in Pergamon im 19. Jahrhundert und die Umstände informiert, unter denen zahlreiche der Stücke nach Berlin gelangten. So wurden den Berliner Museen durch Erlass des osmanischen Sultans Abdülhamid II. die Funde der ersten Kampagnen der Jahre 1878/79 und 1880/81 komplett überlassen. Für eine weitere Grabung in den Jahren 1883 bis 1885 wurde hingegen eine Fundteilung verfügt, so dass die dabei geborgenen Objekte nur zum Teil ihren Weg an die Spree fanden.

Alltag in der antiken Stadt
Ein weiterer spannender Aspekt ist Pergamon als „Stadt“, das heißt als Lebens- und Arbeitsort. Antike Wasserrohre aus Ton stehen dabei beispielweise stellvertretend für den hohen technischen Stand der städtischen Infrastruktur jener Zeit. Fragmente aus dem großen Gymnasion, die vermutlich einer Heraklesstatue und damit dem Schutzherrn antiker Athleten zuzuordnen sind, verdeutlichen die Bedeutung von Sport und Wettkampf für die damalige Gesellschaft.

Vom Provinznest zur Mittelmeermacht
Eines der Glanzstücke der Ausstellung ist ein Porträtkopf, der vermutlich den Herrscher Attalos I. von Pergamon darstellt. Er dient als Ankerpunkt für die Vorstellung des nach seinem Großvater Attalos von Tieion benannten und für die Geschichte Pergamons bestimmenden Geschlechts der Attaliden. Wie auf einer Zeitleiste wird um ihn herum die Entwicklung der Stadt vom kleinasiatischen „Provinznest“ hin zur bedeutenden Mittelmacht der Region anhand ausgewählter Exponate veranschaulicht. Die Terrakottafigur eines Galaters oder der Gipsabguss des berühmten „sterbenden Galliers“ stehen dabei stellvertretend für die mit diesem Prozess einhergegangenen Konflikte.

Der hellenistische Götterhimmel als Organigramm
Die Kulte der antiken Metropole bilden einen weiteren Schwerpunkt der Berliner Schau. Hier soll eine interessante Installation zunächst Hilfestellung beim Verständnis des hellenistischen Götterhimmels bieten: Die weißen Wände eines Durchgangsraums sind vollständig von einem „Organigramm“ bedeckt, das dem interessierten Laien die verwirrenden Beziehungsgeflechte des griechischen Pantheon näherbringen möchte. So gerüstet, kann man dann Objekte wie einen Rundaltar aus eumenischer Zeit oder eine thronende Kybele bewundern, oder sich über einen antiken Orakel-Apparat amüsieren.

Kampf zwischen Göttern und Giganten
Schließlich betritt man jenen großen hellen Raum, der den Pergamonaltar mit seinem berühmten Fries beherbergt. Eindrucksvoll tobt darauf der Kampf zwischen griechischen Göttern und Giganten. Vor dem Hintergrund des zuvor gesehenen bleibt hier kaum mehr übrig, als die Kunstfertigkeit dieses Meisterwerks antiker Bildhauerkunst noch mehr zu bewundern. Und man verlässt die Ausstellung mit dem Gefühl, ein wirkliches Panorama der Antike erlebt zu haben.


Carsten Felker - in Kooperation mit der Zeitschrift DAMALS

_______________________________________

„Pergamon. Panorama der antiken Metropole“
Vom 30. September 2011 bis zum 30. September 2012 werden im Rahmen einer Sonderausstellung im Nordflügel des Pergamonmuseums auf 4000 Quadratmetern neben zahlreichen Leihgaben aus deutschen und internationalen Museen auch über 400 zum größten Teil noch nie gezeigte Exponate aus den Beständen der Berliner Antikensammlung präsentiert.

Erstellt: Tue Nov 08 12:00:00 CET 2011
Letzte Änderung: Mon Nov 14 19:55:11 CET 2011