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01/04/04

Mit der Bahn durch das Land der Indios

1876 begann der Bau der Andeneisenbahn, die Perus Hauptstadt Lima an der Pazifikküste mit den Erzlagerstätten im Andenhochland verbinden sollte. Der Initiator des Projekts, der Amerikaner Henry Meiggs, starb kurz nach dem Beginn der jahrzehntelang dauernden Bauarbeiten. Schon an der Enstehungsgeschichte dieser Eisenbahnlinie, in der ein Amerikaner durch Schienenbau das Land erschloss, liest sich die alte Geschichte der Fremdbestimmung über das Gebiet der Inkavölker ab, das mit der Eroberung Perus 1531 durch Francisco Pizarro und Diego Almgro begann.

Auch heute ist die kleine Schmalspurbahn, eine andere Linie, die hoch oben im Gebirge der Anden zum Machu Picchu fährt, im Besitz amerikanischer Investoren, und ihre Verfügbarkeit wird nach den Bedürfnissen der Tourismusindustrie gestaltet.

Peru
Das drittgrößte Land Südamerikas ist ein armes Land. Von den 25 Millionen Einwohnern leben viele auf bescheidenem Niveau. Am wenigsten besitzt die bitterarme Schicht der ländlichen Indios. Viele Landflüchtlinge leben in den Slums der Sechsmillionenstadt Lima und müssen ohne fließendes Wasser und Strom auskommen.

Die Landessprache ist spanisch, die Indiosprache Ketschua ist jedoch auch noch weitverbreitet. Selbst in den ländlichen Gegenden befindet sich das Ketschua allerdings auf dem Rückzug.

Drei verschiedene geografische Zonen prägen das Land: ein schmaler Küstenstreifen, eine Regenwaldzone und das Andengebirge.
Die alten Inkastädte wurden hoch in den Anden gebaut, nahe der angebeteten Sonne. Das legendäre Machu Picchu wurde erst 1911 von dem Nordamerikaner Hiram Bingham entdeckt.

Die Andenbahn
Die legendäre, ab 1876 erbaute Eisenbahnlinie fährt von Callao/Lima aus zehn Stunden, bis sie den Bahnhof Huancayo auf 3281 im Andenhochland erreicht hat. Um 7.40 Uhr morgens beginnt offiziell die 347 km lange Fahrt, bei der 61 Brücken und 65 Tunnel passiert werden.

Der Höhenunterschied, den die Bahn überwinden muss, ist enorm. Am Bahnhof Galera hat der Zug 4781 Meter bewältigt, bisweilen im Zickzack, d.h. abwechselnd im Vorwärts- und Rückwärtsgang. Für die Passagiere ein Arzt bereit, der die Reisenden im Notfall mit Sauerstoff versorgt.


First Class durch das Inkaland
Dreimal in der Woche startet in Puno ein Luxuszug in Richtung Cuzco, der alten Inkahauptstadt. Puno ist die größte Stadt am Ufer des Titicacasees auf der Andenhochebene. Der US-amerikanische Konzern "Orient Express" kaufte 1999 die Zugstrecke der "Perurail" ab und baute die Waggons zu Luxuskarossen um. Zahlungskräftige Touristen werden mit viel Komfort und Gourmetmenüs zu den Kultstätten der Inkas befördert.

Der Zug fährt von Puno aus durch die baumlose Landschaft der Hochebene. Diese Gegend heisst "Punalandschaft", Landschaft des Schlafes, weil der Reisende unter der immer dünner werdenden Luft leiden muss.Verkehrsknotenpunkt ist dort die Stadt Juliaca. An diesem Ort kreuzen sich die Verbindungen nach Lima, Cuzco und Arequipa.

Danach passiert der Luxuszug die Provinzhauptstadt Ayaviri.
Am Pass Lakaya auf 4319 Metern Höhe fährt der Zug über eine Wasserscheide. Der Andenkamm lässt das Waser auf der einen Seite in den Titicacasee und den Pazifik fließen, auf der anderen Seite fließt es in den Amazonas und hinunter zum Atlantik. Auf dieser beeindruckenden Zugfahrt, die als eine der schönsten Eisenbahnstrecken Südamerikas gilt, ist der Weg das Ziel. Schneebedeckte Gipfel bilden den Hintergrund für die Dörfer der Indios. Lamas und Alpacas weiden auf den saftigen, grünen Wiesen der Andenhochebene. Indio-Kinder winken dem vorbeifahrenden Zug zu.

Über Tinta, dem Geburtsort des Freiheitshelden José Gabriel Condorcanaui, bekannter unter dem Namen Tupac Amaru, erreicht die Bahn abends Cuzco, die alte Stadt der Incas.

Nach Cuzco gelangt man nicht nur mit der edlen Luxusbahn, es gibt auch einen Lokalzug, der von den Einheimischen benutzt wird und in allen Dörfern anhält.

Mit der Schmalspurbahn zum Machu Picchu
In den Bergen von Cuzco liegt das Machu Picchu, und von Cuzco aus geht es auch zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Anden: zum Titicacasee und zu den Inka-Ruinen von Machu Picchu.

Die abenteuerliche Schmalspureisenbahn ist der einzige Zufahrtsweg und im Privateigentum der amerikanischen Firma "Orient Express" und der chilenischen Fluglinie LAN. Auch die Nutzungsrechte des heiligen Ortes der Indios sind fest in der Hand der Tourismusindustrie.

Tourismuskritiker kritisieren die Ausbeutung des Ortes durch die Reiseindustrie. Die bitterarme Bevölkerung proftitiert nur mäßig von den Touristenscharen. Sie verdient sich durch Kleingewerbe und Dienstleistungen als Gepäckträger einen bescheidenen Lebensunterhalt. Das große Geld wird jedoch von der ausländischen Tourismusbranche gemacht. Das Weltkulturerbe Machu Picchu selbst erleidet Schaden durch die Touristenmassen, z. B. durch die vom Busverkehr verursachte Erosion. Gunter Weller von der Lateinamerika-Agentur ALASEI befürchtet Schlimmeres, da die ausländischen Touristikkonzerne durch weitere Bebauung und Erschließung des Gebietes die Touristenzahlen verdoppeln wollen.
Es bleibt zu hoffen, dass das Weltkulturerbe Machu Picchu in Zukunft den Schutz bekommt, den es benötigt, um auch für die künftigen Generationen der Einheimischen und der Fremden erhalten zu bleiben.

Erstellt: 02-05-08
Letzte Änderung: 01-04-04