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KrimiWelt auf www.arte.tv - Zurufe der Jury - 27/02/08

Peter Temple: Vergessene Schuld

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Peter Temple: Vergessene SchuldPeter Temple, in Südafrika geboren, in Australien zum mit Preisen überhäuften Autor geworden, wurde hierzulande erst in diesem Jahr, mit der Übersetzung seines jüngsten Romans "Kalter August" bekannt. Der Verlag hat sie im Hardcover veröffentlicht, eine Ehre, die nicht jedem "Debütanten" zuteil wird, in diesem Fall aber gerechtfertigt war. An Willen zum Stil mangelte es diesem Werk nämlich nicht, ganz im Gegenteil. Im Original las es sich eher wie Satz für Satz und Wendung für Wendung in schwarzen Stein oder gar Marmor ziseliert. Beeindruckend einerseits, aber wohl doch etwas zu viel des Guten zum anderen, weil sich bei der Lektüre auf Dauer das Gefühl einer hoch eleganten Starre einstellt.

"Vergessene Schuld" ist anders. Konventioneller, lebendiger, weniger schwarz und weniger marmorn und vielleicht nicht zuletzt deshalb ein großes Vergnügen. Es ist der Roman, mit dem Temple seinen Serienhelden in die Welt setzte: Jack Irish, durch die Folgen einer Rachebombe verwitwet, kein bisschen irisch, sondern jüdisch (von Reich zur Irish australisiert). Anwalt einst, aber nun nicht mehr. Dafür Geldeintreiber und gelegentlich auch Ermittler auf eigene Faust wie in diesem Fall. Es taucht einer aus dem Gefängnis und der Vergangenheit auf und behauptet, unschuldig verurteilt gewesen zu sein. Er saß, wie es scheint, nicht hinter dem Steuer des Autos, das einst eine manchem Mächtigen lästige Politaktivistin überfuhr. Dann aber sterben die an der mysteriösen Geschichte von einst mittel- oder unmittelbar Beteiligten wie die Fliegen und auch Irish und seiner neuen Liebe will recht bald jemand ans Leder.

Nebenbei ist Irish noch an ausgeklügelten Pferdewettmanövern beteiligt, auch diesem Teil seiner Existenz gilt des Autors liebevolle Aufmerksamkeit. Wie im richtigen Leben hat das eine nicht mit dem anderen zu tun und kommt nur in der alles andere als unsympathischen Figur des Jack Irish zusammen, der zum inneren Ausgleich gern tischlert, ansonsten eigensinnig ist, aber auch sein Leben liebt und irgendwann, als alles sehr brenzlig wird, nicht mehr weiter weiß. Irish ist ein Erbe der klassischen Hardboiled-Detektive und in seinen geistreich-frechen Dialogen kann sich Temple mit den besten des Genres messen. Das Genre selbst erneuert er damit nicht, aber er verpflanzt die Konventionen der Privatdetektivliteratur völlig überzeugend auf den australischen Kontinent. Fünf Romane um Irish hat Temple bisher geschrieben, der Verlag wird sie vermutlich in chronologischer Folge nach und nach veröffentlichen. Auch die Entwicklung des Autors vom flotten Genre-Profi zum ambitionierten Großepiker wird spannend zu verfolgen sein.
Ekkehard Knörer/Perlentaucher

Erstellt: 30-01-08
Letzte Änderung: 27-02-08


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