Peter Watkins wird 1935 in Norbiton, England, geboren. Nach dem Schauspielstudium an der Royal Academy of Dramatic Art (RADA) in London, widmet er sich der Regie und macht zwei Kurzfilme; zunächst „The Diary of an Unknown Soldier“ (1959), in dem es um einen britischen Schützengraben im Jahr 1916 geht, und anschließend „The Forgotten Faces“ (1961), ein Film über den Aufstand gegen die sowjetische Besatzung in Budapest von 1956. 1963 wird er Mitarbeiter der BBC. Dort dreht er zwei Fernsehfilme, zunächst „Culloden“ (1964), einen Film über die gleichnamige Schlacht zwischen den rebellierenden schottischen Highland-Clans und Regierungstruppen im Jahr 1746. Danach dreht er
1965 „The War Game“, in dem ein atomarer Angriff auf Großbritannien simuliert wird. Das Verbot des Films durch die BBC löst einen Skandal aus, und trotz des Oskars, den der Film als bester Dokumentarfilm 1966 in den Vereinigten Staaten erhält, wird die Ausstrahlung des Films weltweit definitiv für 20 Jahre untersagt. Während dieser Zeit dreht Peter Watkins seinen ersten Spielfilm „Privilege“, einen allegorischen Film über die Bedeutung der Medien und der Musikindustrie für das politische Engagement der Jugendlichen. „Privilege“ wird heftig von der Presse kritisiert. Schließlich verlässt Peter Watkins Großbritannien und zieht nach Schweden, wo er „The Gladiators“ dreht, ein Gleichnis über die Weltordnung und die Staatsmächte nach den Unruhen im Mai 1968. Auch für diesen Film wird er angegriffen, und diesmal geht Peter Watkins in die
USA, wo er seinen dritten Spielfilm „Punishment Park“ dreht, in dem er die Innenpolitik von Präsident Richard Nixon anprangert. Der Film wird zensiert und vier Tage nach Kinostart wieder zurückgezogen. Peter Watkins emigriert nach Norwegen und macht sich an die Umsetzung eines dreistündigen Portraits über den expressionistischen Maler Edvard Munch. Mit diesem Film, der 1976 in die Kinos kommt, landet er sowohl bei seinen Kritikern als auch in der Öffentlichkeit einen Erfolg. „Edvard Munch“ ist wahrscheinlich der einzige Film von Peter Watkins, der ihm einen gewissen Erfolg eingebracht hat und vielerorts ausgestrahlt wurde. 1974 dreht er „The Seventies People“ und 1976 „Evening
Land“. Diese beiden Filme dreht er in Dänemark, und sie werden von der dänischen Öffentlichkeit genauer unter die Lupe genommen. Die Zensur und die Kritik an den beiden Filme werden Recht behalten; die Ausstrahlung der Filme wird untersagt. Bis zum Jahre 1999, dem Jahr, in dem er seinen letzten Film „La Commune“ dreht, wird Peter Watkins immer wieder mit der Zensur und dem Verbot seiner Filme konfrontiert. Er kritisiert die Medien mit ihren eigenen Mitteln. Er kopiert ihre Arbeitsmethoden, um die von ihnen auferlegte Uniformisierung, wie auch die manipulierende Wirkung oder auch die Abhängigkeit von der Regierung zu kritisieren, und so wird sein Werk zu einer langen allegorischen Klageschrift, deren Lehren sich allmählich verbreiten. Zwangsläufig.
FILMOGRAPHIE:
· 1956
The Web (20 min, s/w)
· 1958
The Field of Red
· 1959
Diary of an Unknown Soldier (20 min)
· 1961
The Forgotten Faces (17 min)
· 1962
Dust Fever
· 1964
Culloden (TV) (69 min, s/w)
· 1965
The War Game (48 min, s/w)
· 1967
Privilege (in Farbe, 103 min)
· 1969
The Gladiators (in Farbe, 90 min)
· 1971
Punishment Park (in Farbe, 88 min)
· 1975
70-Talets Människor (TV)
Fällen
· 1976
Edvard Munch (TV) (in Farbe, 167 min)
· 1977
Aftenlandet (in Farbe, 109 min)
· 1987
The Journey
· 1988
Resan (s/w und in Farbe, 873 min)
· 1991
The Media Project (120 min)
· 1994
Fritänkaren (TV) (in Farbe, 276 min)
Ein in Frankreich nicht veröffentlichter Film über das Leben des Schriftstellers August Strindberg.
· 2001
La Commune (Paris, 1871) (345 min, s/w)
„Punishment Park", "Forgotten Faces", "The Diary of an Unknown Soldier“,
„The War Game“ und „Culloden“ sind bei Doriane Films auf DVD erhältlich.
WEITERE INFORMATIONEN:
Eine vollständige Biographie von Peter Watkins
Eine Webseite, die die Arbeit Peter Watkins‘ ab den sechziger Jahren beschreibt und die Auszüge aus seinen Schriften über die Rolle der audiovisuellen Massenmedien in der gegenwärtigen Gesellschaft beinhaltet.
Eine Webseite über die Filme von Peter Watkins, die anlässlich einer Retrospektive über den Filmemacher beim Étrange Festival 1998 gemacht wurde.
„Un cinéaste réfractaire“ (Ein unbeugsamer Filmemacher) in L‘Humanité
Peter Watkins filme „La Commune“ (Peter Watkins dreht la Commune) in Le Monde diplomatique
Die Schlacht um „The War Game“
„Uncomfortable Truths: Die Filme von Peter Watkins“
„Peter Watkins lässt die Welt hochgehen“
Die Filme von Peter Watkins
Zu „La Commune“
Peter Watkins, der Widerstand gegen „die Einheitsform“. Im Gespräch mit Caroline Lensing-Hebben
SEHENSWERT:
„Universal Clock: The Resistance of Peter Watkins“ von Geoff Bowie, National Film Board of Canada; 2001, 77 min.
LESENSWERT:
Media Crisis von Peter Watkins, Reihe Homnisphères, 2004.
Im Programm des 32. Internationalen Filmfestivals von la Rochelle – das vom 25. Juni bis zum 5. Juli 2004 in La Rochelle stattfindet – wird Peter Watkins mit 14 Filmen eine Retrospektive gewidmet:
Diary of an Unknown Soldier - The Forgotten Faces - Culloden - The War Game - Privilege - The Gladiators - Punishment Park - Edvard Munch - The Trap - The Seventies People - Fällen - The Journey - Fritänkaren - La Commune.







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