Rezension zu "Faule Kredite"
Hendrik Werner/Weser-Kurier 7.8.2011
KrimiZEIT-Bestenliste September 2011
In seiner Krimi-Reihe um den Athener Kommissar Kostas Charitos kommentiert Petros Markaris bereits seit Mitte der 90er-Jahre kundig die Verheerungen der griechischen Ökonomie. Seine zwischen Unterwelt und Hochfinanz angesiedelten Romane handeln von Korruption und Krisenprofiteuren, von Managern und Misswirtschaft. Dabei ist die Fahnderfigur ein formidabler Fährmann zwischen Zeiten und Milieus: Als Kenner hellenischer Geschichte und bekennender Lexikon-Junkie weiß Charitos, dass sein Land schon ganz andere Katastrophen hat bewältigen müssen. In „Faule Kredite“, einem intelligenten und amüsanten Lehrstück in Prosagestalt, muss er mehrere Morde an Bankern aufklären. Es verwundert nicht, dass sich das Mitleid mit den Opfern in engen Grenzen hält.
Tobias Gohlis im Gespräch mit Anja Höfer im SWR 2 am 11. Juli.
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Andreas Ammer/Deutschlandfunk Büchermarkt August
KrimiZEIT-Bestenliste September 2011
Petros Markaris’ neuer Krimi „Faule Kredite“ will genau das sein, was der Titel verspricht: ein aktueller Krimi zur Krise der Zeit. Geschrieben im letzten Jahr, ist er in diesem Jahr so aktuell geworden, dass der Diogenes-Verlag sein Erscheinungsdatum vorverlegen musste. Nein, der ehemalige Faust-Übersetzer Markaris ist kein Mann für den Elfenbeinturm. Er will sich einmischen. Literatur schreiben, die mit der Welt zu tun hat, mit jetzt und heute und den Leuten - deshalb auch schreibt er Krimis.
Jetzt und heute heißt vor allem: Griechenland hat sich mehr verschuldet, als es je zurückzahlen kann, und auch Kommissar Kostas Charitos hat einen Kredit aufgenommen, um die Hochzeit seiner Tochter und das neue Auto, mit dem er sie standesgemäß dorthin fahren muss, zu finanzieren.
Dann werden Banker enthauptet. Mit einem Schwert. Bei ihnen findet man Zettel auf denen ein großes „D“ prangt. Etwa D wie Deutschland? Und dann tauchen Plakate in der Stadt auf, in denen die Griechen aufgefordert werden, ihre Kredite nicht mehr zu bezahlen.
„Sofortige Zahlungsverweigerung! Boykottiert die Banken! Verhindert die Abbuchung Eurer Kreditkarten! Storniert die Daueraufträge! (...) Ihr schuldet den Banken, die Euch in die Verschuldung getrieben haben, keinen Cent!“
So tönt es plakativ von den griechischen Hauswänden. Und Markaris’ Kommissar Charitos hat es wegen all der Demonstrationen gegen den Abbau von Löhnen und Sozialleistungen noch schwerer als sonst, sich durch Athen zu bewegen.
Und das Schönste an alledem: Nichts wirkt an Markaris Roman ausgedacht oder aufgesetzt. Mit großer Leichtigkeit verwebt er in seinem letztes Jahr geschriebenen Roman tagesaktuelle Diskussionen mit dem persönlichen Schicksal seines Kommissars und einer originellen Krimihandlung.
Und obendrein zeigt Markaris seinen Landsleuten auch, wie die Krise ganz einfach zu bewältigen wäre: Durch die Herstellung qualitativ hochwertiger Exportgüter.
Kurzrezension zu "Der Großaktionär"
- Hendrik Werner/Die Welt
Krimi-Bestenliste Mai 2007
Kollegen hatten Kostas Charitos, Leiter des Athener Morddezernats, gewarnt. Wozu denn das gut sein solle, dass seine Tochter Katerina im heiratsfähigen Alter ihren Doktor in Jura mache. "He, Kostas", hatten sie ihm geraten, "eine gute Hausfrau soll sie werden und einen netten jungen Mann kennen lernen. Ganz ungebildet muss sie ja nicht bleiben, damit sie auch ein Gehalt mitbringt und nicht von ihrem Mann abhängig ist."Katerina indes lässt sich von keinem griechischen Macho einschüchtern. Und am Tag der Doktorprüfung ist Charitos, allen Einflüsterungen zum Trotz, stolz auf ihre Fachkenntnisse. Ein Wissen, dessen praktische Virulenz sich rascher erweist als gedacht. Kaum hat Katerina in ihrer Disputatio über Europas unzureichende Vorkehrungen gegen den internationalen Terrorismus gewettert, wird die Fähre gekidnappt, mit der sie in ihren wohl verdienten Kreta-Urlaub aufgebrochen ist. Wer die Extremisten sind und was sie wollen, bleibt für Charitos quälend lange unklar. Zumal ihn die Antiterrorkräfte von der Causa abschirmen. Da schmeckt selbst das geliebte griechische Junk-Food nicht mehr.
Auch der Fall, der ihn in Athen umtreibt, zeitigt weder Entlastung noch Erfolg. Der existenziell besorgte Kommissar, ohnehin ein Grübler mit Selbstzerfleischungstendenzen, muss dem Mord an einer homosexuellen Werbeikone nachspüren. Weitere Tote folgen.
Auch der Erfinder dieses ausgereiften Hellas-Krimis ist ein überzeugter, auf seine Art sogar fanatischer Serientäter. Petros Markaris' "Der Großaktionär" ist bereits der vierte Fall für Kostas Charitos. Mit "Hellas Channel" (2000) gab der Kommissar seinen viel umjubelten Einstand. Seitdem darf sein Erzeuger als eine der wichtigsten Stimmen der griechischen Gegenwartsliteratur gelten. Dass es ein Euphemismus ist, seinen Protagonisten als bedächtig oder schwerblütig zu bezeichnen, mag an Markaris' kultureller Sozialisation liegen. Die sei zu 90 Prozent Deutsch, beziffert der Goethe-Übersetzer. Dass so jemand promovierende Frauen literaturfähig macht, muss weder verwundern noch stören.
Die wichtigsten Links
- Autorenporträt der Griechischen Kulturstiftung Berlin D
- Knappes Autorenporträt mit Zusammenfassung der Kriminalromane D
- Dossier bei ARTE "Tatort Mittelmeer" mit Biografie, Bibliografie, Spiel, Hörproben D







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