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Akteure-Manga in Deutschland - 19/09/05

Philipp Schreiber, Verlag Schreiber&Leser

Der Münchner Comicverlag Schreiber&Leser gehört zu den wenigen kleinen und unabhängigen Verlagen in Deutschland, die mit Erfolg in der Comicwelt mitmischen. Mang’Arte sprach mit Philipp Schreiber, um mehr über die Mangas zu erfahren, die Schreiber&Leser verlegt.

Mang'Arte: Der Verlag Schreiber&Leser, der sich auf Comics für Erwachsene spezialisiert hat, besteht bereits seit 25 Jahren. Wie kam es damals zur Gründung und wie hat sich der Verlag seither entwickelt?
Den Anstoß Comics zu verlegen haben uns die US-Underground Comics der 70er Jahre gegeben (R. Crumb und so). Die fanden wir gut und wollten wir machen. Tatsächlich war dann 1980 unser allererstes Album „Das Grosse Abenteuer“ von Milo Manara auch ein wilder Ritt durch die Zeitgeist Strömungen aus den 70ern. Die Einstellung „Finden wir gut, wollen wir machen“ ist uns erhalten geblieben, aber die Themen sind natürlich etwas aktueller geworden…


Mang'Arte: Wann haben Sie beschlossen auch Mangas in Ihr Programm aufzunehmen und aus welchem Grund?
Es ist nun schon gut 10 Jahre her, dass wir die ersten Manga Titel verlegt haben, aus dem eben genannten Grund. Mangas hatten ihre eigene Erzählweise und die Geschichten waren echt skurril – und bleiben es bis heute. Das waren manchmal nur kulturelle Unterschiede, aber es zeigt sich auch eine ganz andere Denkweise, die es weiterhin interessant macht Mangas zu lesen und zu verlegen.

Mang'Arte: Was ist das Erfolgsrezept von Schreiber&Leser und wie behaupten Sie sich gegenüber den großen Comic-Verlagen?
Letztendlich ist es für Schreiber&Leser von Vorteil gewesen ein kleinerer Verlag zu sein. Wir haben von Anfang an ein erlesenes Programm gehabt, und mussten z.B. in Dürrezeiten auch nicht abspecken. Andererseits gingen an die Großen natürlich manchmal Rechte für Titel, die wir auch gern verlegt hätten, aber da auch Autoren mit kleineren Zielgruppen für uns machbar sind, gibt es gar nicht so viele Überschneidungen.

Mang'Arte: Einer Ihrer Autoren, Alex Varenne, ist bekannt für seine Erotikcomics wie „Die Phantasien des Varenne“, „Carlotta“ oder „Untreueschwüre“. Der Comic mit dem Namen „Kiro“ wiederum wird als Euromanga angepriesen. Was verstehen Sie unter diesem Begriff und soll diese Sparte ausgebaut werden?
Der große Japanische Verlag Kodansha hatte einige Französische Zeichner für ein gemeinsames Projekt eingeladen, darunter z.B. auch Baru’s „Autoroute du soleil”. Die entstandenen Alben sind also Euromanga. Diese Sparte auszubauen liegt mehr in der Hand der Zeichner, aber es gibt immer mal wieder Kollaborationen, die wir im Auge behalten.

Mang'Arte: Für viele Manga-Leser sind Farben bei Comics ein Muss. Schreiber&Leser verlegt allerdings auch eine große Anzahl an schwarz-weißen Mangas. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen, was den Stellenwert der Farbe angeht?

Die farbigen Mangas die uns bekannt sind, scheinen vorwiegend ein Phänomen aus China zu sein – ein Genre, das auch als „Kung-Fu Comics“ gehandelt wird. Uns geht es vorwiegend um die Qualität des Comics als Ganzem, Farbe spielt da eine untergeordnete Rolle. Man muss allerdings auch erwähnen, dass eine Farbproduktion wesentlich aufwendiger ist und das Album damit deutlich teurer wird. Mit diesem Nebeneffekt sind natürlich weder wir noch unsere Leser besonders happy…


Mang'Arte: Bisher verlegen Sie keine deutschen Manga-Zeichner, können Sie sich vorstellen, deutsche Mangaka in Ihr Repertoire mit aufzunehmen?
Wir sind immer an guten Comics interessiert, die in unser Programm passen. Wahrscheinlich ist ein deutscher Zeichner aber bei einem Verlag besser aufgehoben, der bereits deutsche Zeichner verlegt. Der Euromanga von „Kiro“ passt gut zu uns, da wir Varenne bereits im Programm haben.

Mang'Arte: Glauben Sie, dass Mangas, ganz gleich aus welchem Land, dem klassischen deutschen Comic den Rang ablaufen kann?
Momentan scheint eine Welle der Manga Begeisterung durch Europa zu rollen, und fegt damit das ein oder andere aus dem Rampenlicht. Davon sind nicht nur deutsche Comics betroffen, aber nicht alles was gerade angesagt ist, kann sich unbedingt über die Jahre behaupten. Ein guter Comic Autor oder Zeichner muss sich da sicher keine Sorgen machen.

Mang'Arte: Welche Neuheiten kann der Manga-Fan dieses Jahr noch von Schreiber&Leser erwarten?
In diesen Tagen beginnt die Produktion für das Album „blue“ von Nananan Kiriko, eine sehr schön gezeichnete und erzählte Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Mädchen im heutigen Japan. Damit ist Nananan Kiriko die erste weibliche Manga Autorin bei uns und wir sind schon gespannt darauf, wie ihr Album bei unseren Lesern ankommt.

Für Ende ’05/Anfang ’06 verhandeln wir noch über weitere Manga Titel, die wir allerdings erst Ankündigen möchten, wenn wir uns mit den Autoren einig werden. Neueste Entwicklungen teilen wir immer so bald wie möglich in der Rubrik „In Vorbereitung“ auf unserer Webseite www.schreiberundleser.de mit.


Mang'Arte: Abschließend noch eine Frage zu Ihren persönlichen Lesevorlieben: Welcher ist Ihr derzeitiger Manga-Favorit und aus welchem Grund?

"Ikkyu" von Hisashi Sakaguchi. Die wunderbare Geschichte des buddhistischen Mönches Ikkyu der im Japan des 15. Jahrhunderts lebt. Der Kampf des unehelichen Sohns des Kaisers mit der buddhistischen Lehre auf seiner persönlichen Suche nach der Weisheit, gibt tiefen Einblick in die Japanische Geschichte. Leider ist dieser Manga bisher nur auf Französisch zu bekommen...

Herr Schreiber, ich danke Ihnen für dieses Interview!


Interview wurde von Patricia Czarkowski geführt. September 2005.


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Das Online-Magazin für das „andere“ Manga

www.arte-tv.com/mangarte

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Erstellt: 19-09-05
Letzte Änderung: 19-09-05