
Dokumentationsreihe, Frankreich 2010, ARTE F, Synchronfassung, Stereo
Regie: Philippe Truffault

Dabei stoßen sie unweigerlich auf die Schriften von Merleau-Ponty, wie "Das Sichtbare und das Unsichtbare". Darin beschreibt der französische Phänomenologe die Berührung als sinnlichen Ausdruck unseres In-der-Welt-Seins, als besondere existenzielle Erfahrung, bei der man Zugang zum Anderen bekommt.
Merleau-Ponty vergleicht das Sehen mit dem Tasten. Im Unterschied zum Sehsinn, der einem den Eindruck vermittelt, man sei Zuschauer des Weltspektakels, zieht einen der Tastsinn unmittelbar in die Wirklichkeit hinein. Durch ihn nehmen wir direkten Kontakt mit der Welt auf, der wir angehören.
Weitere Beispiele aus Kunst, Literatur und Philosophie, die Raphaël Enthoven und sein Gast in der Sendung heranziehen, sind Diderots "Brief über die Blinden", ein von dem blinden Fotografen Evgen Bavcar realisiertes Porträt Hanna Schygullas, Veroneses berühmtes Gemälde "Noli me tangere" sowie einen Ausschnitt aus Alain Resnais Film "Hiroshima, mon amour", der eine Geste der Liebkosung zeigt. Am Ende steht die Erkenntnis, dass das Sehen als eine Art "Tasten mit dem Blick" verstanden werden kann und der Tastsinn somit einer der elementarsten der menschlichen Sinne ist.
Über den Gast:
Clara da Silva-Charrak unterrichtet Philosophie am Gymnasium Essouriau in der Nähe von Paris. Sie nahm am Merleau-Ponty-Seminar der École Nationale Supérieure und an der Merleau-Ponty-Tagung 2002 in Lyon teil. Buchveröffentlichung: "Merleau-Ponty, le corps et les sens" (Paris, 2005).
Literaturhinweise aus der Sendung
- Marguerite Duras
Hiroshima mon amour: Filmnovelle
Übersetzung Walter Maria Guggenheimer
Suhrkamp Verlag - Emmanuel Lévinas
Totalität und Unendlichkeit
Übersetzung Wolfgang Nikolaus Krewani
Karl Alber Verlag - Maurice Merleau-Ponty
Das Sichtbare und das Unsichtbare
Übersetzung Regula Giuliani und Bernhard Waldenfels
Fink Verlag - Maurice Merleau-Ponty
Humanismus und Terror
Übersetzung Eva Moldenhauer
Hain Verlag - Hans-Peter Spittler-Massolle
Blindheit und blindenpädagogischer Blick: Der Brief über die Blinden zum Gebrauch für die Sehenden von Denis Diderot und seine Bedeutung für den Begriff von Blindheit
Peter Lang Verlagsgruppe






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