Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > Philosophie > Diese Woche

Philosophie

Raphaël Enthoven diskutiert heute mit der französischen Philosophin Fabienne Brugère über die Philosphie der Fürsorge.

Philosophie

Raphaël Enthoven empfängt Clara da Silva - 11/01/11

Philosophie – Berührung

Jeden Sonntag lädt ARTE zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit aktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: Berührung

Wiederholung vom 17. Oktober 2010


Philosophie
Dokumentationsreihe, Frankreich 2010, ARTE F, Synchronfassung, Stereo
Regie: Philippe Truffault
Dass wir täglich Dinge mit unseren Händen berühren, ist für uns so selbstverständlich, dass wir uns darüber gar nicht bewusst sind. Neben dem Sehen ist der Tastsinn einer der wichtigsten Sinne des Menschen. Ausgehend von einer Geste des Händereibens, konkreter gesagt einem berühmten Foto, das François Mitterrand bei eben gerade dieser Geste zeigt, erkunden Raphaël Enthoven und sein Gast Clara da Silva das Phänomen der Berührung in seiner ganzen philosophischen Dimension.
Dabei stoßen sie unweigerlich auf die Schriften von Merleau-Ponty, wie "Das Sichtbare und das Unsichtbare". Darin beschreibt der französische Phänomenologe die Berührung als sinnlichen Ausdruck unseres In-der-Welt-Seins, als besondere existenzielle Erfahrung, bei der man Zugang zum Anderen bekommt.
Merleau-Ponty vergleicht das Sehen mit dem Tasten. Im Unterschied zum Sehsinn, der einem den Eindruck vermittelt, man sei Zuschauer des Weltspektakels, zieht einen der Tastsinn unmittelbar in die Wirklichkeit hinein. Durch ihn nehmen wir direkten Kontakt mit der Welt auf, der wir angehören.
Weitere Beispiele aus Kunst, Literatur und Philosophie, die Raphaël Enthoven und sein Gast in der Sendung heranziehen, sind Diderots "Brief über die Blinden", ein von dem blinden Fotografen Evgen Bavcar realisiertes Porträt Hanna Schygullas, Veroneses berühmtes Gemälde "Noli me tangere" sowie einen Ausschnitt aus Alain Resnais Film "Hiroshima, mon amour", der eine Geste der Liebkosung zeigt. Am Ende steht die Erkenntnis, dass das Sehen als eine Art "Tasten mit dem Blick" verstanden werden kann und der Tastsinn somit einer der elementarsten der menschlichen Sinne ist.

Über den Gast:
Clara da Silva-Charrak unterrichtet Philosophie am Gymnasium Essouriau in der Nähe von Paris. Sie nahm am Merleau-Ponty-Seminar der École Nationale Supérieure und an der Merleau-Ponty-Tagung 2002 in Lyon teil. Buchveröffentlichung: "Merleau-Ponty, le corps et les sens" (Paris, 2005).


Literaturhinweise aus der Sendung


  • Marguerite Duras
    Hiroshima mon amour: Filmnovelle
    Übersetzung Walter Maria Guggenheimer
    Suhrkamp Verlag

  • Emmanuel Lévinas
    Totalität und Unendlichkeit
    Übersetzung Wolfgang Nikolaus Krewani
    Karl Alber Verlag

  • Maurice Merleau-Ponty
    Das Sichtbare und das Unsichtbare
    Übersetzung Regula Giuliani und Bernhard Waldenfels
    Fink Verlag

  • Maurice Merleau-Ponty
    Humanismus und Terror
    Übersetzung Eva Moldenhauer
    Hain Verlag

  • Hans-Peter Spittler-Massolle
    Blindheit und blindenpädagogischer Blick: Der Brief über die Blinden zum Gebrauch für die Sehenden von Denis Diderot und seine Bedeutung für den Begriff von Blindheit
    Peter Lang Verlagsgruppe

Philosophie
Samstag 25. Dezember 2010 um 02.20 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2010, 26mn)
ARTE F

Erstellt: 29-06-09
Letzte Änderung: 11-01-11