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Philosophie

Raphaël Enthoven diskutiert heute mit der französischen Philosophin Fabienne Brugère über die Philosphie der Fürsorge.

Philosophie

Raphaël Enthoven empfängt Frédéric Rouvillois - 22/03/10

Philosophie – Utopie

Jeden Sonntag lädt ARTE zum Philosophieren ein. Der junge Philosoph und Moderator Raphaël Enthoven zieht eine Linie von der Vergangenheit zur Gegenwart und verbindet die vermeintlich trockene Literatur der großen Philosophen mit aktuellem Zeitgeschehen. Jede Woche zu einem neuen Thema. Heute: Utopie


"Die Utopie existiert nicht", so Frédéric Rouvillois, denn sie ist ein Nichtort - das zumindest bedeutet das Wort im Griechischen -, der sich im Spannungsfeld von Traum und Hoffnung bewegt. Die Umsetzung der Hoffnung ist allerdings zugleich ihre Überwindung - paradoxerweise bedeutet demnach die Realisierung einer Utopie ihr Ende. Dennoch muss eine Utopie keine vage Vision sein, es kann sich genauso gut um einen konkreten Gesellschaftsentwurf handeln.

Die Utopisten der Vergangenheit entwarfen überwiegend ideale Stadtstaaten, die sich durch eine geradezu geometrische Ordnung auszeichneten, die geplant war und nicht organisch gewachsen. Der Wunsch nach Perfektion drückte sich darin aus, dass das Leben der Menschen bis ins kleinste Detail geregelt war. Auf den Vorreiter aller Utopien, die "Utopia" von Thomas Morus beziehen sich alle weiteren Autoren, von Francis Bacon, der mit "Neu-Atlantis" eine technophile Gesellschaft konzipierte, bis hin zu Tommaso Campanella, dessen "Sonnenstaat" eine sexuell streng reglementierte Theokratie darstellt.

Philosophie
Dokumentationsreihe, Frankreich 2009, ARTE F, Synchronfassung, Stereo, Erstausstrahlung
Regie: Philippe Truffault
Enthoven und sein Gast Rouvillois diskutieren die Beweggründe der Utopisten genauso wie ihre Ängste. Ist die Idee, die menschliche Natur zu verbessern ein Zeichen für Angst vor der "wilden" Natur und Ausdruck des Strebens, diese zu kontrollieren? Und ist der Mensch nicht aufgrund seiner Mittelmäßigkeit zum Scheitern verurteilt? Manchmal, wenn das ersehnte Paradies Wirklichkeit wird, wird es zur Hölle. Der Kontroll-Hang der utopischen Gesellschaften kann umschlagen in das, was seit Orwell als Big-Brother-Phänomen bekannt ist.

In "1984" verwandelt sich das menschliche Vollkommenheitsstreben in einen Alptraum, in dem kein Platz für Individualität mehr ist. Genauso zeichnet Aldous Huxley in "Brave New World" ein erschreckend hellsichtiges Bild einer vollständig durchreglementierten, gleichförmigen Welt, einer Dystopie. Im letzten Jahrhundert liefen diese Anti-Utopien den positiv ausgerichteten Utopien à la Morus den Rang ab.

Auf der Suche nach wahr gewordenen Utopien streift die Debatte den gescheiterten Kommunismus, dann kommt das Gespräch auf die reelle Stadt Palmanova, deren Form die einer perfekten Festung ist, die jedoch in jeder anderen Hinsicht eine Stadt wie jede andere ist. Und in Dubai triumphiert der Mensch scheinbar über die Natur, aber die gigantischen Luxusbauten sind ein Paradies für Reiche, keine verwirklichte Utopie, in der alle gleich sind. Ist das Fortschrittsideal heute noch haltbar? Oder sind Utopien wirklich nur Träume?

Studiogast ist der Professor für öffentliches Recht an der Universität Paris V, Frédéric Rouvillois, der sich auf Staatsrecht sowie Ideen- und Repräsentationsgeschichte spezialisiert hat. Er promovierte über den Ursprung des Fortschrittsgedankens und die Rolle des utopischen Denkens. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze über rechtliche und politische Fragen.


ZUSATZINFORMATION
In jedem Menschen steckt ein kleiner Philosoph: Deshalb lädt ARTE jeden Sonntag ein, sich in "Philosophie" mit abstrakten und doch alltäglichen Begriffen wie Macht, Verantwortung oder dem Gesicht auseinanderzusetzen. In offenen Gesprächen reflektiert Raphaël Enthoven mit jeweils einem anderen jungen Philosophen Fragen, die die Menschen von heute beschäftigen: Wie lässt sich Macht legitimieren? Welches Verhältnis haben wir zu unserem Körper? Welchen Einfluss haben Gesichtszüge und visueller Ausdruck auf unseren Charakter?

Fachjargon und trockenen Theorien haben in der Sendung keinen Platz. Raphaël Enthoven und seine Gäste machen Philosophie für jedermann. Die Basis der Diskurse bilden bekannte Fotos, Gemälde und natürlich die Theorien der Philosophen. Raphaël Enthoven und seine Gäste analysieren, reflektieren, interpretieren und spekulieren und vermitteln so auf sympathische Art, dass die Philosophie lebt und unseren Alltag bereichern kann.

Das neue Magazin auf ARTE zeigt Philosophie mal ganz anders. Es regt zum Nachdenken und Diskutieren an und verliert das Wesentliche der Philosophie nicht aus den Augen: die Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit. Das Ergebnis sind spannende und lebendige Diskussionen, die Lust auf mehr Philosophie machen.



Hintergrundinformationen zu in der Sendung erwähnten Literatur oder Personen:


Francis Bacon
(*22.01.1561; † 9.04.1626) war englischer Staatsmann und Philosoph. Er gilt als Begründer der Erfahrensphilosophie und als Vertreter des zweckbetonten Utilitarismus (eine Form der teleologischen Ethik: „ Handle so, dass das größtmöglichste Maß an Glück entsteht“).

Francis Bacon,
"Neu-Atlantis"
Reclam
ISBN-10: 315006645X

Thomas Morus (More)
(*1478 † 1535) war englischer Rechtsanwalt und Diplomat. Sein Hauptwerk Utopia konzipierte Morus als Kontrast zu den damaligen Umständen Englands.

Thomas Morus,
"Utopia" (Original auf Latein) (De optimo statu rei publicea deque nova insula Utopia)
Übersetzung Alfred Hartmann
Diogenes Verlag

William Warham
(*1450 † 22.08.1532) war englischer Erzbischof und Ratgeber der Königin Katharina v. Aragon. Er studierte Theologie und Rechtswissenschaften.

Tommaso (Thomasso) Campanella
(*5.09.1568 † 21.05.1639) war ein italienischer Philosoph, Politiker und Dichter. In deutscher Umschrift auch Thomas Campanella.

Thommaso Campanella, (Tommaso Campanella / Thomas Campanella)
"Der Sonnenstaat"
Übersetzung I.E. Wessely
Reclam
ISBN: 9783150185100

Palmanova
ist eine Gemeinde in der Region Friaul-Julisch Venetien in der Provinz Udine. Sie wurde am Ende des 16. Jahrhunderts als Planstadt angelegt und ihr typischer sternförmiger Grundriss hat sich bis heute erhalten. Sie hat 5363 Einwohner (Stand am 31. Mai 2005), eine Gemeindefläche von etwa 1300 ha und liegt auf einer Höhe von 27 m ü.M.

Martin Heidegger
(*16.09.1889 †29.05.1979) war ein deutscher Philosoph. Er beschäftigte sich mit moderner, sowie mit antiker griechischer Philosophie.

Martin Heidegger
„Das Gestell“ in Die Technik und die Kehre
Klett-Cotta Verlag

George Orwell,
"1984"
Ullstein-Taschenbuch-Verlag
ISBN-10: 3548234100

Aldous Huxley,
"Schöne neue Welt"
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN 9783596200269

Jewgenij Samjatin (Evguéni Zamiatine)
"Wir"
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 3462016075

Google Earth
Google Earth ist eine in der Grundform unentgeltliche Software der Google Inc. und stellt einen virtuellen Globus dar. Sie ist für Windows (2000, XP, Vista), Mac OS X (ab 10.3.9) und Linux verfügbar; und mit Linux-Emulation auch unter BSD-Derivaten lauffähig. Sie kann Satelliten- und Luftbilder unterschiedlicher Auflösung mit Geodaten überlagern und auf einem digitalen Höhenmodell der Erde zeigen.

Auroville
ist eine geplante internationale Stadt mit gegenwärtig 1829 Einwohnern. Sie liegt 130 km südlich von Chennai (früher Madras) in der Nähe von Puducherry im Südosten Indiens an der Koromandelküste. Der Name Auroville bedeutet Stadt der Morgenröte[1]; aber der Name Sri Aurobindos ist wohl auch in die Idee der Namensgebung mit eingeflossen.

Auguste Comte
Isidore Marie Auguste François Xavier Comte (* 19. Januar 1798 in Montpellier; † 5. September 1857 in Paris) war Mathematiker, Philosoph und Religionskritiker. Vor allem ist er jedoch als einer der Begründer der Soziologie hervorgetreten.

Jean Jacques Rousseau
(*28.06.1712 ; † 2.07. 1778)

Jean Jacques Rousseau,
"Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter Menschen"
Übersetzung von Philipp Rippel
Reclam
ISBN-13: 9783150017708

Guiliano da Empoli,
"La peste et l’orgie"
Grasset & Fasquelle
ISBN-10: 2246700817
Keine deutsche Übersetzung
Italienischer Orginaltitel « Fuori controllo : tra edonismo e paura »

Inkas
Als Inka wird heute eine indigene urbane Kultur in Südamerika bezeichnet. Oft werden als Inka auch nur die jeweiligen herrschenden Personen dieser Kultur bezeichnet. Sie herrschten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert über ein weit umspannendes Reich von über 200 ethnischen Gruppen, das einen hohen Organisationsgrad aufwies. Zur Zeit der größten Ausdehnung (ca. 950.000 km) erstreckte sich sein Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien; ein Gebiet, dessen Ausdehnung größer ist als die Entfernung zwischen dem Nordkap und Sizilien. Entwicklungsgeschichtlich sind die Inka mit den bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens vergleichbar. Das rituelle, administrative und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Qusqu (Cusco) im Hochgebirge des heutigen Peru.
Inka war ursprünglich die Bezeichnung eines Stammes, der nach eigener Auffassung dem Sonnengott Inti entstammte und die Umgebung Cuscos besiedelte und zivilisierte. Seine herrschende Sippe fungierte später als Adel des gleichnamigen theokratischen Reiches. Aus ihr rekrutierten sich auch der Klerus und die Offiziere der Inka-Armee. Sapa Inka („einziger Inka“) war der Titel des Inka-Herrschers des Tawantinsuyu („Land der vier Teile, Reich der vier Weltgegenden“ - so die Selbstbezeichnung des Reiches).

Jesuiten
Die Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, SJ) ist eine katholische Ordensgemeinschaft, deren Mitglieder als Jesuiten bezeichnet werden. Die Gesellschaft Jesu wurde am 15. August 1534 von einem Freundeskreis um Ignatius von Loyola gegründet. Das vierte Gelübde beinhaltet als besonderes Merkmal des Jesuitenordens den besonderen Gehorsam gegenüber dem Papst. Nicht zuletzt deswegen erzwangen absolutistische Herrscher 1773 das Jesuitenverbot seitens des Papstes, 1814 erfolgte die Wiederzulassung. Die Bezeichnung „Jesuiten“ wurde zunächst als Spottname gebraucht, später aber auch vom Orden selbst übernommen.

Werner Herzog
Film: "Aguirre, Der Zorn Gottes"

Renato Bertelli
(*1990; † 1974) war ein italienischer Künstler (Bildhauer) der faschistischen Avantgarde.

Mussolini
Benito Amilcare Andrea Mussolini (* 29. Juli 1883 in Dovia di Predappio bei Forlì in der Region Emilia-Romagna; † 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra am Comer See) war von 1922 bis 1943 faschistischer Diktator Italiens. Mussolini war während der gesamten Zeit Ministerpräsident und Capo del Governo, außerdem zeitweise unter anderen auch Außen- und Innenminister. Als Führer der faschistischen Bewegung bzw. des faschistischen Regimes führte er den Titel Duce del Fascismo (dt. „Führer des Faschismus“; Kurzform auch Il Duce, „Der Führer“).

Duce (lateinisch) kommt von dem Verb ducere und bedeutet „führen“. Duce (Pl. Duci) bedeutet „Kapitän oder Führer“. Il Duce war der Spitzname Mussolinis (siehe oben).

Fedor Dostoievski (Fjodor Michailowitsch Dostojewski)
(*1821; † 1881) war russischer Schriftsteller und Psychologe. Wiederkehrendes Thema in Dostojewskis Werken sind Geisteszustände sich alleinfühlender, einfacher Menschen in Krisen.

Fjodor Dostojewski,
"Aufzeichnungen aus dem Kellerloch"
Übersetzung von S. Geier
Reclam
ISBN: 3150080215

Lenin
Wladimir Iljitsch Uljanow (russisch Владимир Ильич Ульянов, wiss. Transliteration Vladimir Il'ič Ul'janov), genannt Lenin (russisch Ленин), (* 10.jul./ 22. April 1870greg. in Simbirsk; † 21. Januar 1924 in Gorki bei Moskau) war ein kommunistischer Politiker, marxistischer Theoretiker und gilt als Begründer der Sowjetunion.

G.K. (Gilbert Keith) Chesterton
(*29.5.1874 † 14.6.1936) war englischer Schriftsteller und Journalist. Er beeinflusste zahlreiche Schriftsteller (u.a. J.R.R. Tolkien) und heutige Soziologen, Philosophen und Theologen. Er trat für eine breite Streuung des Eigentums (Distributismus) und Demokratie „von unten“ ein. Hinzukommend bekämpfte er unterschiedliche Ideen des frühen 20. Jh. (z.B. Eugentik und Kolonialismus)

Thomas Molnar,
"Utopia: the perennial heresy"
Rowman & Littlefield Pub Inc.
ISBN-10:0819176672
Keine deutsche Übersetzung

Sophisten
Als Sophisten (griechisch σοφισταί sophistaí, lat. sophistae) bezeichnet man eine Gruppe von griechischen vorsokratischen Philosophen, die in die Geschichte der antiken Philosophie unter der Bezeichnung Lehrer der Weisheit und der schönen Rede eingegangen sind.

Nietzsche
Friedrich Nietzsche,
"Also sprach Zarathustra"
Kapitel: Von der großen Sehnsucht
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-423-30154-1

Etienne Cabet,
"Reise nach Ikarien"
Übersetzung von Franz v. Wendel-Hippler
Verlag Harbaum

Ikarus
Ikarus (bekannt auch unter seinem latinisierten Namen Icarus, griechisch Íkaros) war in der griechischen Mythologie der Sohn des Dädalus (griechisch: Daidalos; lateinisch: Daedalus). Beide wurden als Strafe für den Ariadnefaden von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen gehalten. Da Minos die Seefahrt kontrollierte, erfand Daedalus Flügel für sich und seinen Sohn. Dazu befestigte er Federn mit Wachs an einem Gestänge. Vor dem Start schärfte er Ikarus ein, nicht zu hoch und nicht zu tief zu fliegen, da sonst die Feuchte des Meeres beziehungsweise die Hitze der Sonne zum Absturz führen würde. Zuerst ging alles gut, aber nachdem sie Samos und Delos zur Linken und Lebinthos zur Rechten passiert hatten, wurde Ikarus übermütig und stieg so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz, die Federn sich lösten und er ins Meer stürzte. Der verzweifelte Daedalus, der sicher in Sizilien ankam, benannte das Land Ikaria zur Erinnerung an sein Kind. Dort errichtete er einen Tempel für Apollon und hängte seine Flügel als Opfer für den Gott hinein. Der Ikarus-Mythos wird im Allgemeinen so gedeutet, dass der Absturz und Tod des Übermütigen die Strafe der Götter für seinen unverschämten Griff nach der Sonne ist. Nach Ovid (s. u.) ließen die Götter Ikarus aus Rache sterben, weil Dädalus seinen Neffen und Schüler Perdix aus Neid auf sein Können ermordet hatte.

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Donnerstag 4. Februar 2010 um 07.30 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 26mn)
ARTE F

Erstellt: 29-06-09
Letzte Änderung: 22-03-10