Die Reportage sehen (windows media)
Exklusiv-Interview mit Pierre Paulin in unsrem Design-Dossier
„Ich hatte einen ganz besonderen Sinn für das Dreidimensionale. Ich konnte mir eine Form vorstellen und sie vor meinem geistigen Auge drehen, wie ein Bildhauer oder Architekt. Das hat mir viel geholfen.“Pierre Paulin hat für den einfachen Bürger gearbeitet, für die Industrie und sogar für zwei französische Präsidenten. Dabei ist sein Anspruch immer der gleiche geblieben: ob er einen Speisesaal für den Elysée-Palast entwarf oder den legendären "Ribbon chair", einem aus einem Band geformten Sessel.
„Die Technik, die man anwendet, bestimmt den Gegenstand, den man herstellt. Und nicht umgekehrt. Man beginnt nicht mit der Ästhetik, man beginnt mit der Technik.“
Wenn ich zum Beispiel Schaumstoff verwende, dann regt mich das zu fließenden Formen an, die sich an den menschlichen Körper angleichen, und zwar auf eine sanfte Art. Und dann schmeicheln fließende Formen auch dem Auge, sie haben etwas Elegantes. In den 60er Jahren revolutioniert Pierre Paulin das Sitzmöbel. Er versteckt seine Struktur, erfindet bequeme Formen, die sich schützend an den Körper schmiegen, und umhüllt sie mit elastischen Stoffhüllen, die wie Badeanzüge übergezogen werden.
„Auf die Idee mit dem elastischen Stoff bin ich gekommen, als ich Möbelpolsterer sah, die Nägel in Holzstrukturen schlugen, um Stühle zu machen. Ich fand das einfach abscheulich und total überholt. Also habe ich mich von den Röhrensesseln inspirieren lassen, die man schon seit langem im Handel sah. Ich umhüllte sie mit Stoff, weil ich keine Lust hatte, die Röhren zu sehen.“
Wenn er für die Zentren der Macht arbeitet, folgt Pierre Paulin den Wünschen des Auftraggebers. Präsident Pompidou wollte den Elyséee-Palast der Moderne öffnen. Paulin gestaltet den Raum vom Boden bis zur Decke neu und wagt einen Kronleuchter mit 9.000 Kugeln und Stielen aus Glas. Ein feierliches Ambiente, spielerisch aufgelockert.
„Der seriöse Rahmen hindert einen doch nicht daran, fröhlich zu sein. Das wollte ich umsetzen. Ich versuche allen meinen Kreationen etwas Entspanntes, Zwangloses zu geben.“
Nach wie vor interessiert Pierre Paulin sich für neue Technologien. Er ist nicht willens, den Stift aus der Hand zu legen und könnte einer eher uninspirierten jungen Generation eine Lehre erteilen. Denn an Fantasie hat es ihm nie gemangelt.
Aktuell>> Ausstellung „Pierre Paulin, le design au pouvoir“ („Pierre Paulin, Design an der Macht“)
2. Februar bis 27. Juli 2008
Museum Galerie des Gobelins in Paris
>> Ausstellung „Pierre Paulin – Designer supermoderne“ („Pierre Paulin, ein supermoderner Designer“)
9. März bis 22. Juni 2008
Grand Hornu Images, Hornu (Belgien)






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