Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Tracks

Tracks

Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.

> > Pieter Hugo

Tracks

Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.

Tracks

Fotografie - 22/02/11

Pieter Hugo - Bilder des abgründigen Afrika

Eine Reportage von Frederik Kunth

Die düsteren und abseitigen Facetten Afrikas sind sein Beruf – dafür hat der Kapstädter Fotograf schon etliche Preise abgesahnt. Pieter Hugo porträtiert Albinos, die auf dem "schwarzen Kontinent" wie Aussätzige behandelt werden. Er sucht nach verbliebenen Spuren des Völkermordes in Ruanda. Er heftet sich an die Fersen der "Hyena Men" in Nigeria und zeigt Abstrusitäten aus "Nollywood", der Splatterfilmwelt Nigerias.

Previous imageNext image
Pieter Hugo bewegt sich am liebsten am Rand der Gesellschaft. Dort, wo andere sich nicht hintrauen, stellt er seine Kamera auf und fotografiert die Seiten Afrikas, die sonst niemand zu sehen bekommt. Dafür reist er auch mal tagelang mit einer Truppe von sogenannten "Hyänenmännern" von Dorf zu Dorf, wo sie als Gaukler mit den gezähmten Hyänen, mit Affen und Pythonschlangen die Leute unterhalten. Näher kommen will ihnen aber keiner – außer Pieter Hugo. Er schreckt weder vor literweise Kunstblut zurück, das in der nigerianischen Trash-Movie-Fabrik Nollywood überall spritzt, noch graust es ihn vor Rinderlungen-Haufen im Schlachthof.
Wichtig ist ihm, die Realität abseits aller Werbeprospekte einzufangen. Pieters neuestes Projekt: eine Müllhalde in der Nähe der ghanaischen Hauptstadt Accra. Dort verbrennen Jugendliche den Computerschrott aus den Industriestaaten, um auch noch die letzten Metalldrähte rauszuholen und sie zu Geld zu machen – 24 Stunden in hochgiftigen Bleidämpfen.

Seine Arbeit ist für den Fotografen immer wieder eine Herausforderung - allein schon weil er als blonder Hüne bei seinen Shootings so viel Aufmerksamkeit erregt, dass er die Rolle des unbeteiligten Beobachters nur schwer aufrechterhalten kann. Einmischen will er sich aber nicht – nur ein Bewusstsein schaffen und dafür sorgen, dass seine Fotos „zurückstarren“. Bei den Albinos z.B. soll sich der Betrachter mit seinen eigenen Schuldgefühlen auseinandersetzen, die er gegenüber den ausgegrenzten und manchmal auch regelrecht gejagten Menschen hat.

Bei aller Sozialkritik in seinen Bildern: Gefühlsduseleien sind nicht Pieter Hugos Ding. Eine Charity-Organisation wird er wohl so bald nicht gründen. Denn bei Sektempfängen würde er sie nicht treffen, die Menschen vom Rand der Gesellschaft.

Bonus-Video: Pieter Hugo über die "Nollywood"-Filmindustrie



LINK
Offizielle Seite von Pieter Hugo

  • Pieter Hugos Fotos sind in folgenden Ausstellungen zu sehen:

Stigmata at the International Red Cross and Red Crescent Museum,Genf (4 März - 26 Juli 2010)
 
A Life Less Ordinary: Performance and display in South African art in der Djanogly Gallery,Nottingham, UK (5 September - 15 November2010 )

Ausstellung 'For this place we have no name', in der Michael Stevenson Gallerie in Kapstadt vom 29.Juli - 4.September 2010

Tracks
Dienstag 15. Juni 2010 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2010, 52mn)
BR

Erstellt: 06-05-10
Letzte Änderung: 22-02-11


+ aus Kultur entdecken