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Dienstag, 29. März 2005, um 22.45 Uhr - 17/03/05

Polterabend

Neue und (vorläufig) letzte Folge der vierteiligen Polt-Reihe - Erstausstrahlung



Ein Toter in einer Weinpresse gibt dem eigenbrötlerischen Landgendarmen Simon Polt zahlreiche Rätsel auf. Polt gerät in das Rotlichtmilieu des benachbarten tschechischen Dorfes. In einem eisigen Winter, zusätzlich von menschlicher Kälte umgeben, muss Polt sich eine moralische Entscheidung abringen.

Es herrscht klirrender Frost. Simon Polt hilft in der Nacht der Eisweinernte dem Weinbauern Karl Fürnkranz freundschaftlich aus. Als es im alten Kellergewölbe ans Pressen der Trauben geht, müssen Polt und seine Freunde mit ansehen, wie sich der weiße Rebsaft plötzlich rot färbt. Im Presskessel unter der Maische findet sich ein Toter - der ortsbekannte Taugenichts Ferdinand Lutzer. Für Simon Polt heißt es wieder einmal allen Spuren nachzugehen und sich in fremde Angelegenheiten einzumischen. Zudem kündigt ein neuer Postenkommandant sich selbst und eine radikale Rundumerneuerung des Kommissariats an - für Polts menschelnde Methoden hat er kein Verständnis. Alles scheint sich um Polt herum zu verdüstern und hinter der Fassade der dörflichen Idylle offenbart sich deren Verfall. Eine heiße Spur führt ins benachbarte tschechische Rotlichtmilieu. Polt wird mit skrupellosen Profigaunern konfrontiert. Erst der Tote in der Weinpresse, dann der erschlagene Alois, der Hund der alten Frau Stirbl, und zu guter Letzt wird das Dorffaktotum Bruno Bartl erfroren aufgefunden. Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit lässt sich Polt nicht von seinem Weg abbringen. Er hört auf die feinen Zwischentöne, vertraut auf sein Gefühl und steht zu seinen Zweifeln. Auf der Suche nach den wahren Schuldigen stößt er an die Grenzen des Gesetzes, das sich als stumpfe Waffe erweist. Polts Wertesystem gerät ins Wanken: Was ist Recht und was Gerechtigkeit?

Pölslers Inszenierungen der "Polt"-Romane von Alfred Komarek sind keine Krimis im klassischen Sinn, sondern sensible Milieustudien einer österreichischen Weinbauregion und ihrer Menschen. In "Polterabend" wird das alte Weinviertel von Machenschaften gewissenloser Mafiagauner zerrüttet, eine schleichende Zerstörung, der auch der Weinbauer Fürnkranz nicht standhalten kann.
Regisseur und Drehbuchautor Julian Roman Pölsler realisierte zahlreiche Fernsehfilme für das deutsche und österreichische Fernsehen. 1998 wurde er für die zweiteilige Produktion "Die Fernsehsaga - Eine steirische Fernsehgeschichte" mit dem Erich-Neuberg-Preis für den besten Fernsehfilm im deutschen Sprachraum ausgezeichnet. Für seine Inszenierung des Anzengruber-Romans "Der Schandfleck" (1999) erhielt er 2000 den Bayerischen Fernsehpreis "Blauer Panther" und für "Wir sind da! Juden in Deutschland nach 1945" (2000) den Bayerischen Filmpreis. Sein Fernsehfilm "Blumen für Polt" wurde 2001 für den renommierten Adolf Grimme Preis nominiert und das Drehbuch gewann 2001 den "Romy", einen Leserpreis der österreichischen Tageszeitung "Kurier".
Für seinen Roman "Polt muss weinen" wurde der Österreicher Alfred Komarek 1999 mit dem Glauser-Autorenpreis für deutsche Kriminalliteratur ausgezeichnet: "Einer der wenigen Kriminalromane, denen es gelingt, Anspruch und Unterhaltung miteinander zu verbinden!"
In der Rolle des Karl Fürnkranz gesellt sich zu der namhaften "Polt"-Stammbesetzung Josef Bierbichler, eine der Größen des deutschen Theaters und Films. 1976 stand er in Werner Herzogs "Herz aus Glas" vor der Kamera. Tom Tykwer verpflichtete ihn für "Die tödliche Maria" (1994) und "Winterschläfer" (1997).
2003 spielte Bierbichler in Michael Hanekes Drama "Code inconnu" und Jan Schüttes "Abschied - Brechts letzter Sommer". Im Kino war Bierbichler zuletzt in Hans Steinbichlers Drama "Hierankl" (2003) zu sehen. Trotz der zahlreichen Film- und Fernsehauftritte blieb Bierbichler dem Theater immer treu. Insgesamt dreimal wurde er von "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres ernannt und 1997 erhielt er den "Gertrud-Eysoldt-Ring" von der Deutschen Akademie für Darstellende Künste.
Mit "Polterabend", dem die Episoden "Blumen für Polt" am 8. März, "Himmel, Polt und Hölle" am 15. März und "Polt muss weinen" am 22. März vorausgehen, zeigt ARTE den letzten Film der liebevoll-schonungslosen "Polt"-Quatrologie. Der Vierjahreszeiten-Idee des Romanautors Komarek treu bleibend, ermittelt Polt diesmal im tiefen Winter.

Dienstag, 29. März 2005, um 22.45 Uhr
Polterabend
Österreich 2003, ORF/ARTE, Erstausstrahlung, Stereo, 16:9, 99 Min.
Regie: Julian Roman Pölsler; Buch: Julian Roman Pölsler; Kamera: Fabien Eder; Schnitt: Ulrike Pahl; Ton: Simon Buchner; Musik: Hans Jürgen Buchner; Produzent: Wulf Flemming; Produktion: Teamfilm; Redaktion: Evelyn Itkin, Andreas Schreitmüller
Mit: Erwin Steinhauer - (Simon Polt), Josef Bierbichler - (Karl Fürnkranz), Holger Schober - (Martin Fürnkranz), Birgit Minichmayr - (Monica Scheidt), Paulus Manker - (Claus Scheidt), Roland Koch - (Heinz Dvorak), Gebhardt Ordnung - (Frantisek Maxera), Gregor Seberg - (Ferdinand Lutzer), Monica Bleibtreu - (Aloisia Habesam), Hans-Michael Rehberg - (Friedrich Kurzbacher), Karin Kienzer - (Karin Walter)

Erstellt: 28-02-05
Letzte Änderung: 17-03-05