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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> 16. November > Jean-Claude Guiguet

Mittwoch 16. November 2005 um 01.15 - 07/11/05

Porträt: Jean-Claude Guiguet

Am 15. September verstarb der französische Filmemacher Jean-Claude Guiguet. "KurzSchluss - Das Magazin" blickt zurück auf seinen Werdegang und zeigt ein Porträt, gedreht vom Experimentalfilmer Joseph Morder.

Jean-Claude Guiguet, französischer Filmemacher, geboren am 22. November 1948, schrieb zunächst Filmkritiken für die Zeitschriften La Revue du Cinéma, La Nouvelle Revue Française und Études bevor er Regisseur Paul Vecchiali bei dessen Film Change pas de main assistierte. Später entwarf er die Dekoration und die Kostüme für Jean-Claude Biettes Filme Le théâtre des matières (1977) und Loin de Manhattan (1980). 1978 begab sich Jean-Claude Guiguet mit seinem Spielfilmdebüt Les belles manières erstmals selbst hinter die Kamera.

Guiguets Gesamtwerk (drei Kurzfilme und vier Spielfilme), in dem stets die Frauen die zentrale Rolle spielen, zeichnet sich durch eine subtile Mischung aus Realismus und Poesie aus.

Jean-Claude Guiguet über seinen Kurzfilm Métamorphose:

Renoir hat einmal etwas sehr schönes gesagt. Er meinte, dass die Rosen, die man malt (er sprach von seinem Vater), uns ähnlich sind. Das ist wahr. Was immer wir tun oder betrachten, und sei es noch so weit entfernt, hat etwas mit uns selbst zu tun. Im Grunde suchen und erschaffen wir stets etwas, worin wir uns wiedererkennen.

Kino ist eine unreine Kunst. Filme müssen offen sein. Das heißt, es kommt der Moment, wo man sich selbst irgendwie zurücknehmen muss. Dann gibt die Welt den Rhythmus der Story vor, die man erzählen will. Das habe ich in meinen Arbeiten immer zu berücksichtigen versucht.

Ich hatte die simple Idee, die Welt aus der Perspektive einer Person zu zeigen, die vielleicht schon jenseits des Lebens angekommen ist. Anstatt meiner Person wollte ich einen Ort porträtieren. Ein Bild, das sich dem Auge präsentiert. Meinen Blick auf einen Raum, den ich von Sonnenaufgang bis in die Nacht hinein betrachte. So konnte ich natürlich die Vielfalt des Lichts, der Atmosphäre und der Stimmungen vom ersten Morgengrauen bis zum Erlöschen des Tages darstellen.

Gleichzeitig steht dieser Ort auch ein wenig für den Weg, nun ja, einer Existenz. Ich betrachte die Realität der Welt – an sich eine objektive Realität – so, dass ich mich darin, fast unbewusst, widerspiegle. Man spürt das Wechselspiel zwischen der Objektivität der Welt und der Subjektivität des Betrachters fast körperlich. Manche Dinge kann man nur im Film erfassen, und das hat nichts mit dem Drehbuch oder den Figuren zu tun, nicht einmal mit der Erzählweise oder der Dramaturgie. Der Film liegt irgendwo dazwischen. Sein Wesen liegt in den Verbindungen zwischen zwei Einstellungen, zwischen einer Einstellung und einem Ton, zwischen einem Ton und einer anderen Einstellung und in diesem namenlosen Etwas, das man fast nicht beschreiben kann, das in der Überleitung von einer Einstellung zur nächsten, in diesem winzig kleinen Zwischenraum entsteht. Ich habe das Gefühl, dass es mir erstmals gelungen ist, mich diesem namenlosen Etwas anzunähern, worin für mich die Wahrheit des Films liegt.

Ich glaube, wir tragen alle einen verletzten Engel in uns, dessen Wunden manchmal bluten und der uns bittet innezuhalten und ihm zuzuhören. Der uns auffordert, die Waffen niederzulegen. Wenn wir seiner Bitte nachkommen, tröstet er uns. In diesem Augenblick wird Métamorphose zur reinen Kontemplation des Einzelnen in seinem wehrlosen schweigenden Alleinsein inmitten der Einsamkeit der Welt, die gleichwohl voller Leben steckt.

Jean-Claude Guiguet im Gespräch mit Joseph Morder in KurzSchluss (Das Magazin), 2004.

Erstellt: 07-11-05
Letzte Änderung: 07-11-05