Schriftgröße: + -
Home > Film erleben > Kurzschluss

KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> 02. Mai > Marjoleine Boonstra

Mittwoch 02. Mai 2007, um 00.10 Uhr - 26/04/07

Portrtait: Marjoleine Boonstra

Im Programmpunkt „Profile“ widmen die Oberhausener Kurzfilmtage in diesem Jahr der niederländischen Filmemacherin Marjoleine Boonstra eine eigene Werkschau. Anläßlich dieser ersten Boonstra Retrospektive hat die Autorin Marita Loosen die Künstlerin für Kurzschluss in ihrem Atelier in Amsterdam besucht und mit ihre über ihre Filmarbeit gesprochen.

© WDR
Marjoleine Boonstra
Marjoleine Boonstra verfolgt in ihren dokumentarischen Arbeiten ein Interesse an Menschen in prekären, häufig extremen Lebenssituationen. Im Film Sa Nule (1996) kommen Bewohner eines Flüchtlingslagers im ehemaligen Jugoslawien zu Wort. Es ist der erste ihrer sogenannten „mirror movies“, in denen die Befragten während des Interviews in das eigene Spiegelbild blicken. Boonstra: „Es geht um einen bestimmten Blick, der viel Elend miterlebt hat. Dieses kleine Detail, dass sich der Blick in den Augen einfach geändert hat und man sieht, dass sie das auch sehen. Sie gehen sofort in ihr eigenes Spiegelbild. Sie vergessen mich auch. Manchmal sind sie eben drei Minuten still.“

Die Regisseurin schafft in ihren Filmen Raum und Zeit für Selbstreflexion. Menschen, die nur ihre Hoffnung haben, verleiht sie Gesicht und Würde. Die wenigen Worte, die Flüchtlinge, illegal Reisende oder Opfer von Naturkatastrophen benutzen, bringen ihre gegenwärtigen Lebensbedingungen eindringlich nahe. Ihre Botschaft geht dabei weit über das gesprochen Wort hinaus und offenbaren tief verborgene Aspekte menschlicher Existenz.

© WDR
Sa Nule
Die Orte, die die Regisseurin für ihre Filme aufsucht, sind Orte des Übergangs: Schutzbehausungen, Flüchtlingslager, Grenzverstecke in geheimem Terrain. In A Bad Dream (2006) zeigt die Regisseurin Opfer des Hurricane Katrina, die in provisorischen Notunterkünften monatelang ausharren müssen. Der Kurzfilm berührt Fragen, die die Künstlerin in vielen Filmen, aber auch in ihren Photoarbeiten und Videoinstallationen thematisiert: Wie verändert sich das Miteinander der Menschen, wenn sie gezwungen sind, gemeinsam in öffentlichen Räumen zu überleben? Und wie schaffen sie es, nach traumatischen Erfahrungen und unter schwersten Lebensbedingungen, weiterzuleben?


Kurzbiografie: Marjoleine Boonstra

Bad Dream
© WDR
Bad Dream
Marjoleine Boonstra (1959) studierte an der Akademie für Bildende Kunst in Groningen und beendete ihr Studium an der Film Akademie (Regie, Kamera, Schnitt) in Amsterdam. Sie arbeitet heute als Photographin und Regisseurin. Seit 1990 kooperiert sie mit dem niederländischen Fernsehsender “Humanist Broadcast Foundation”. Aktuelle Dokumentationen: “Keep on Stepping”, “Robert, Mary and Katrina”, “A Bad Dream”, “Haven”, “Britanya”, “Cold and Warm Bodies”, “Bela, Bela”, “Ulay”, “Sa Nule” und “Borderline Cases”. Ihre Filme werden im Fernsehen und zahlreichen Festivals gezeigt. Preise: u.a. Publikumspreis des Internationalen Kurzfilmfestivals Oberhausen für “Britanya”, L.J. Jordaanpreis und ICODO Preis für “Bela, Bela” und diverse Nominierungen für “Ulay”. Aktuelle Ausstellungen ihrer Photoarbeiten und Videoinstallationen: “Dutch Insight” (Daejon 2006 und Seoul 2005), “Frames revisited” (Paris 2005), “Hongkongoria” (Van Abbemuseum, Eindhoven 2004), “Outlook” (International Art Exhibition, Benaki Museum Athens 2003), “Go No Go” (Netherlands Foto-Institut, Amsterdam 2003), Monologue Interieur 1 and 2” (Gemeentemuseum The Hague 2003).

Erstellt: 19-04-07
Letzte Änderung: 26-04-07