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2006.09.21 - 00.15 : tracks - 02/09/08

Post Sowjet Art

Was gibt’s Neues im Osten? „Post Sowjet Art“ nennt sich der neue Virus im Putin-System. Provokativ, radikal und respektlos, so zeigen sich diese Russen am liebsten. Denn die Künstler, die aus der Kälte kommen, wissen genau wo der Schuh drückt und verpassen der zeitgenössischen Kunst einen ordentlichen Tritt.

1917 wurden viele Künstler zu Akteuren der Oktober-Revolution. Mit Agitations-Propaganda und Kinoprojektoren im Gepäck zogen Theater-Schauspieler und Dichter an Bord von Zügen kreuz und quer durchs Land. Viele Avantgardisten wie Rodtchenko oder Malevich ließen die politische Mission in ihr Werk einfließen. Doch ihre surrealistischen und abstrakten Interpretationen galten schon bald als konter-revolutionär. Unter Stalin sind Experimente tabu – Die Kunst wird nur noch von einem Thema geprägt: Der Diktator und der real existierende Sozialismus.

Die Künstlergruppe AES
Heute, 70 Jahre danach, feiert die Propaganda-Kunst mit dieser Serie von Fotomontagen ein Comeback – Das Werk der Künstlergruppe AES handelt von der Diktatur der Bilder. Mit seinen Photomontagen tritt AES in die Fußstapfen der Konstruktivisten aus den 20er Jahren. Dieses Reisebüro war Teil einer Expo in Frankreich - Es inszeniert eine Zukunft, in der die Ideologien radikaler islamischer Fundamentalisten auch den Okzident beherrschen. Die Fotomontagen sollen provozieren. 2001 hatte das Kollektiv die Türme des World Trade Centers aus der Skyline von Manhattan wegretouchiert, auf seine Art.

Blue Nose
Die „Blue Noses“ – übersetzt, die "gefrorenen Nasen" . Seit sechs Jahren streuen Slava Mizin und Alexander Shaburov mit ihren Sketchen Sand ins Getriebe der Moskauer Arty-Szene. Keiner bleibt verschont. Von der russischen Mafia über Religionsfanatiker bis hin zu Kinostars, bekommen alle ihr Fett ab – ganz besonders aber hat es das Duo auf die Machtbesessenen abgesehen.

Oleg Kulik und Rauf Mamedov
Mit dem Fall der Mauer fielen auch die Grenzen für die russische Avantgarde. „Animal Artist“ Oleg Kulik, lieferte seine ersten Doggy-Style Performances kurz nach der Unabhängigkeit der Ukraine. Um die russische Barbarei zu symbolisieren, schlüpft er in die Rolle eines durchgedrehten Köters. 1998 machte sich Rauf Mamedov mit dem Computer am „Abendmal“ von Leonardo Da Vinci zu schaffen. In seiner Interpretation haben die Jünger das Down-Syndrom. Die zeitgenössische russische Kunstszene ist tabulos und inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus zum Verkaufsschlager geworden. „Orel Art“ ist die erste Galerie in Paris, die sich ganz den Künstlern aus der Ex-Sowjetunion widmet.

Ira Waldron
.Ira Waldron ist in Sankt Petersburg geboren und zog Mitte der Achtziger aus der UdSSR nach Paris. Ihr neustes Werk sind diese Frauen- und Hundskizzen eines gewissen Adolf Hitler, die bei Ira Waldron eine neue Dimension bekommen. Mit ihrem Patchwork aus Symbolen des ewigen Russlands neben denen der westlichen Konsumgesellschaft, zählt Ira Waldron zu den Pionieren der „Post Sowjet Art“. Bevor sie in die Galerie „Marat Guelman“ Einzug erhielt, musste sich Ira Waldron zuerst in Westeuropa einen Namen machen. Heute thront ihre Kunst im Tempel der Moskauer Avantgarde zusammen mit Werken des Kollektivs AES, Blue Noses oder Oleg Kulik.
Ira Waldrons Provokationen gefallen nicht allen. Eine Ausstellung, die sie 2003 in Moskau organisierte, trug den Titel „Vorsicht Religion“ nicht zu unrecht – Alle Werke fielen dem Vandalismus katholisch-orthodoxer Extremisten zum Opfer.

Avdei Ter Oganian
Trotz des neuen Gesellschaftssystems müssen Künstler in Russland immer noch einen hohen Preis bezahlen. Auf der Kunstschule hatte sich Avdei Ter Oganian 1998 für seine Schüler einen Performance-Unterricht mit dem Titel „Blasphemie“ ausgedacht. Auf dem Stundenplan, das Zerstören von Ikonen. Als er dafür zu zwei Jahren Knast verurteilt wird, flieht er nach Europa. Heute steht Avdeis Atelier in Berlin. Meilensteine der zeitgenössischen Kunst zu entfremden, das ist Advei Ter-Oganians Spezialität. Trotz seines Exils wird er auch weiterhin regelmäßig in Moskau ausgestellt, er selbst jedoch, setzt keinen Fuß mehr in die Heimat. Sein Markenzeichen bleibt nach wie vor die Provokation.

Andrei Molodkin
Andrei Molokin ist 40 Jahre alt und managed seine Künstlerkarriere wie ein Businessman. Im Zentrum seines Werkes steht das Rückrat unserer Zivilisation, nämlich das Erdöl. Und genau wie beim schwarzen Gold steigen die Preise für seine Fotos, Malereien und Skulpturen, die er in Paris ausstellt, unaufhörlich. Andrei stellt Gussformen von bereits existierenden Kunstwerken aus Plexiglas her, in die er das kostbare Erdöl kippt. Bei Andrei sprudeln die Ideen. Zur Zeit sucht der Sohn eines Chemieprofessors in Zusammenarbeit mit einem Forscher nach einer Methode um den menschlichen Körper in Erdöl zu verwandeln.
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Ausstellungen

Blue Nose Group und AES
bis zum 05. November 2006
in der Knoll Gallery - Wien
>> Offizielle Website

Mutations I - Europäischer Monat der Fotografie
U.a. mit AES+F
02. November bis zum 07. Januar 2007
Maison européenne de la photographie - Paris
>> Offizielle Website
>> Mehr Informationen zu Mutation 1

vom 14. Oktober bis zum 19. November 2006
Casino Luxembourg - Forum d'art contemporain
>> Offizielle Website

vom 03. November bis zum 07. Januar 2007
Martin-Gropius-Bau - Berlin
>> Offizielle Website

Andrei Molodkin - Sweet Crude Eternity
bis zum 30. September 2006
Kashya Hildebrand - Zürich
>> Offizielle Website

Andrei Molodkin und Petr Aksenoff
vom 14. Oktober bis zum 14. November 2006
Orel Art - Paris
>> Offizielle Website

Ausstellung in Annemasse
Voiler ­ dévoiler
vom 02. Juni bis zum 29. Juli 2006
Villa du Parc - Centre d'Art Contemporain - Annemasse
>> Offizielle Website

Rendez-vous
Kommende Biennale für Moderne Kunst in Moskau
22. Februar bis zum 22. März 2007
>> Offizielle Website

Die Galerien
>> Marat Guelman Gallery - Moskau
>> Orel Art - Paris
>> Aidan Gallery - Moskau

Links
>> Informationen zu AES
>> Offizielle Website von AES
>> Informationen zu Oleg Kulik
>> Informationen zu der Blue Noses Group
>> Informationen zu Viacheslav Mizin
>> Informationen zu Rauf Memedov
>> Informationen zu Avdei Ter-Oganian
>> Porträt von Ira Waldron
>> Informationen zu Andrei Molodkin
>> Bilder von Rauf Mamedov

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TRACKS
Donnerstag, den 21. September 2006 um 00.15 Uhr
Wiederholung am Dienstag, den 26.09 um 01.20 Uhr
Redaktion: Program33
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Erstellt: 20-09-06
Letzte Änderung: 02-09-08


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