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Cannes 2007 - Offizieller Wettbewerb - 11/09/08

Promise Me This

Ein Film von Emir Kusturica


Wie ein verrücktes, bukolisches Volksmärchen kommt Kusturicas lockere, fröhliche und natürlich völlig chaotische Komödie daher.

(Frankreich / Serbien, 2007, 126 Min.)
mit Mirjana Karanovic, Uros Milovanovic, Ljiljana Blagojevic, Miki Manojlovic...

Im Gespräch mit Emir Kusturica und Miki Manojlovic


Synopsis: Auf einem einsamen Hügel im tiefsten serbischen Hinterland leben Tsane, sein Großvater und ihre Kuh Cvetka. Zusammen mit ihrer Nachbarin, einer Lehrerin, sind sie die einzigen Bewohner des Dorfes. Eines Tages verkündet Tsanes Großvater, dass er bald sterben werde, und nimmt seinem Enkel drei Versprechen ab: Er soll über die drei Hügel in die nächste Stadt gehen und Cvetka dort auf dem Markt verkaufen, dann mit dem verdienten Geld eine Ikone und ein Andenken kaufen und schließlich eine Braut finden. In der Stadt angekommen, kann Tsane ohne weiteres den ersten beiden Wünschen seines Großvaters nachkommen, doch wie soll er es anstellen, eine Frau zu finden und sie zu überreden, mit in sein Dorf zu kommen, bevor der Großvater stirbt?

Kritik: Emir Kusturicas Filme haben immer etwas von frechem Stinkefinger und abgedrehter Party, und genau dafür werden sie geliebt. Sein neuestes Werk „Promise me this“ ist zwar ziemlich respektlos, geht aber dennoch mehr in Richtung Märchen als in Richtung Satire. Die Abenteuer des jungen Bauern, der mit seiner Kuh in die Stadt zieht, um dort ein Mädchen zum Heiraten zu finden, erinnern eher an die Comics von Tex Avery oder an Volkserzählungen, als an eine „Mischung aus Bruce Lee und Bergman“, die Intention des Regisseurs hin oder her. Gelegentlich ertappt man sich sogar dabei zu glauben, man habe es mit einer Disney-Produktion unter der Leitung eines frechen und political sehr incorrecten Görs zu tun. Die vordergründigen Witze stehen in der Tradition des cartoonartigen Slapsticks, es geht alles fröhlich und derbe zu. Begleitet wird das Ganze von Akkordeonklängen, die keine Langeweile aufkommen lassen, manche im Publikum aber nerven.

Einen Beitrag zur Heiterkeit leisten unter anderem eine lebende Kanonenkugel in knallblauem Anzug, die einige Tage lang über das Tal fliegt, sowie ein genialer, immer zu Späßen aufgelegter Großvater, der an komplizierten Maschinen à la Pee Wee Herman tüftelt, mit denen unerwünschte Personen gefangen oder Stiere betäubt werden, während seine Verlobte ihre riesigen Brüste trällernd im klaren Wasser badet. Dass dieses schöne Mädchen, die Lehrerin, bis aufs Haar der sinnlichen Magali Noël aus Maestro Fellinis erhabenen „Amarcord“ gleicht, ist sicher kein Zufall. Der Film ist eine Ode an das Landleben und einen gewissen Lebensstil und wurde in der Gegend von Uzice, etwa drei Autostunden südwestlich von Belgrad gelegen, gedreht, wo Emir Kusturica seit Jahren lebt.

Als der gewitzte und pfiffige Tsane aus dem Bauerndorf in die Stadt kommt, verliebt er sich in ein schönes junges Mädchen und gerät ins Visier eines fiesen, schleimigen Mafioso und Gelegenheits-Zuhälters (gespielt vom unglaublichen Miki Manojlovic, einem Freund von Kusturica), der das erste serbische World Trade Center errichten will. Zwei kahle Muskelprotze, die nicht besonders hellen Söhne eines alten Schuhmachers, nehmen Tsane daraufhin unter ihre Fittiche und verwickeln ihn in eine wahnwitzige Keilerei um Leben und Tod mit der örtlichen Mafia. Diese Szenen können es locker mit den Piratenschlachten aus den Animationsfilmen von Hayao Miazaki aufnehmen. Auch wenn der Regisseur Scorseses „Taxi Driver“ direkt zitiert, so stellt er sich dem Thema Gewalt doch mit offenem, trivialem Humor und zeigt damit, was er am besten kann: auf Gedeih und Verderb hemmunglos(e) Filme machen.

Delphine Valloire

Erstellt: 27-05-07
Letzte Änderung: 11-09-08