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23/04/09

Quincy Jones

Quincys Oma serviert ihm Rattenragout, und überhaupt scheinen die Weichen für eine große Gangsterlaufbahn gestellt. Bis die Musik dazwischenfunkt. In seiner 60-jährigen Laufbahn landet der Trompeter seinen persönlichen Grand Slam und wird zum größten Produzenten aller Zeiten.

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1960 dirigiert der 27-jährige Quincy seine erste eigene Big Band. Aber wie wird man vom Jazzmusiker zum größten Produzenten aller Zeiten? In seiner 60-jährigen Karriere hat der ehemalige Striplokal-Trompeter seine Finger einfach überall drin. Als Musik- und Filmproduzent, Arrangeur, Komponist und Agent landet er einen Treffer nach dem anderen.

Die Treffer

Der Trailer zur Serie “Der Chef“ wird von Quentin Tarantino für „Kill Bill“ neu aufgelegt. Wer schrieb den Song? Q natürlich.
Auch Will Smiths Rolle in der Serie „Der Prinz von Bel Air“ ist auf seinem Mist gewachsen.
1985 koproduziert er mit Spielberg “Die Farbe Lila“, Ergebnis: 11 Oskar-Nominierungen.
Der Magier macht aus Nana Mouskouri eine Jazz-Diva.
Sein Hit "Soul Bossa Nova", geschrieben 1962, wird zum Soundtrack von “Austin Powers in Goldständer", und 1985 dirigiert er für den Hungerhilfe-Song “We Are The World“ 46 amerikanische Superstars.
Auch England gehört zu Quincys Hoheitsgebiet. Spätestens seit 1988, als er für New Order “Blue Monday“ remixt. Nelson Mandela ist mit ihm befreundet, und Präsident Clinton bittet ihn, die Feierlichkeiten zu seinem Amtsantritt zu organisieren. Und das i-Tüpfelchen: Quincy ist der meistnominierte Künstler bei den Grammy-Awards. Mit 77 Nominierungen und 26 Titeln geht er kaum ein Jahr leer aus.

Geburt im Chicago der 30ger

In den Dreißigern mutiert Chicago zum Zentrum des organisierten Verbrechens, regiert von Al Capone. Seit er ein Missverständnis per Messer aus dem Weg geräumt hat, ist sein Spitzname Scarface. Illegaler Alkoholausschank und Prostitution machen ihn während der Prohibition zu einem reichen Mann. 1920 verbietet die amerikanische Regierung den Verkauf von Alkohol und rückt Schmugglern und ihrer heißen Ware zu Leibe. 1933 wird das Ende der Prohibition verkündet. Doch Chicago bleibt ein heißes Pflaster, ein Eldorado für Glücksritter und schwer bewaffnete Banden.
Einen Monat später wird Quincy Jones in der South Side, dem gefährlichsten Viertel Chicagos, geboren. Er wächst mit seinem kleinen Bruder Lloyd in einem Pulverfass auf, das seinem Spitznamen „Bucket of blood“, Bluteimer, alle Ehre macht.

Anfang der "Jass Music" - Bordellmusik

Zwei Jahrzehnte vor Q‘s Geburt erschüttert ein Urknall die Musikwelt. Im Herzen von New Orleans hebt das Rotlichtviertel Storyville ein Genre aus der Taufe, das bis heute Wellen schlägt. Zwischen 1898 und 1917 arbeiten hier Tausende von Prostituierten in Freudenhäusern. Um Kunden zu ködern, bezahlen die Puffmütter kleine Orchester, die einen hybriden Musikstil spielen, wie die Stadt selbst mit kreolischem Einschlag. 1913 erklärt eine Zeitung diesen Sound zur "Jass Music" – Bordellmusik, noch mit zwei „s“ geschrieben. Ihre ersten Stars heißen
Louis Armstrong, Sidney Bechet und Jelly Roll Morton, Pianist und Meister der Improvisation. Sie machen den Jazz salonfähig. Nach der Schließung von Storyville erobert der Jazz in den Zwanzigern den Norden des Landes. In Chicago schlägt er ein wie eine Bombe. 1943 steppt der unglaubliche Cab Calloway mit den Nicholas-Brothers im Film "Stormy Weather" dem Jazz den Weg nach Hollywood frei.

Quincy und "die Musik des Teufels"

Quincys Mutter Sarah hört den neuen Sound zum ersten Mal in dem Bordell, das ihr Vater führt. Für sie wird Jazz immer die Musik des Teufels bleiben. Schizophrenie verdammt Quincys Mutter dazu, den Großteil ihres Lebens in der Psychiatrie zu verbringen. Der Vater zieht seine beiden Jungs alleine groß. 1943 bringt Quincy Jones Senior seine beiden Jungs nach Bremerton. In der Hafenstadt bei Seattle hat er einen Job als Werftarbeiter gefunden.
Mit Elf hat Quincy die Erleuchtung: Als der Gangsterlehrling beim Ausrauben eines Jugendzentrums auf ein Klavier stößt, ist nichts mehr wie vorher. Er stürmt die Clubs von Seattle, wo er einem sehr talentierten 17-jährigen Pianisten begegnet: Ray Charles. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der junge Quincy lernt Trompete spielen und absolviert seine ersten Jamsessions an der Seite von Ray Charles. Schon mit vierzehn spielt er in einer Jazzband und bekommt seine erste Gage: sieben Dollar. In der Nachkriegszeit geben die Big Bands von Duke Ellington, Count Basie, oder Lionel Hampton den Ton an.

Erster Vertrag, ertes Tournee

1951 wird für den 18-jährigen Quincy ein Traum wahr. Er darf seine Trompetensoli mit Lionel Hamptons Orchester auf einer dreijährigen Amerika-Tournee präsentieren. Die Big Band bereist über dreißig US-Staaten und macht einen Abstecher nach Europa. Vor allem aber spielt sie im rassistischen Süden, wo - wie hier in Miami - Schilder wie „Für Schwarze verboten“, oder „Nur für Weiße“ hängen. In Virginia verbringt Quincy sogar einen Nacht im Bestattungsinstitut, weil Schwarze dort kein Hotelzimmer kriegen.
1953 steigt Q bei Hampton aus und pilgert zum New Yorker Club Birdland, wo der Bebop tobt. Eine schnelle Jazzart, die ohne Big Band auskommt und jede Menge Raum für Improvisation schafft, erfunden zehn Jahre zuvor von Charlie Parker und Dizzy Gillespie. Ein revolutionärer Sound, ganz nach Quincys Geschmack.

Vom Bebop bis zu Nadia Boulangers Kurse

Den Eklektizismus verdankt er unter anderem seinem Mentor Dizzy Gillespie, dem aufgeblasensten Trompeter der Welt. 1956 wird der 23-jährige Quincy in Dizzys Big Band aufgenommen. Der Pionier des afro-kubanischen Jazz geht mit Q auf Welttournee. Auf der Odyssee durch Südamerika kreuzen sich ihre Wege mit denen von Lalo Schifrin und dem Vater der Bossa Nova, Antonio Carlos Jobim.
Lalo Schifrin, der argentinische Komponist von Soundtracks wie “Mission: Impossible“ oder “Bullit“, rät Quincy, in Frankreich bei Nadia Boulanger zu studieren, die auch seine eigene Lehrerin war. Ein Jahr später besucht Quincy in Paris die Kurse der Dirigentin. Nadia Boulangers Schule ist das Actors Studio der Komponisten. Hier lernen George Gershwin, Michel Legrand, Philip Glass und Leonard Bernstein, der Komponist von "West Side Story", ihr Handwerk.

Der Hitschreiber

1961 wird Quincy Vizepräsident des Major-Labels Mercury und damit zum ersten Afro-Amerikaner in diesem Amt. Die Erfahrungen, die er 1957 als musikalischer Leiter beim französischen Label Barclay sammeln durfte, kommen Mercury sehr zugute. Jazz-Trompeter Quincy schlüpft in eine neue Rolle, die des Hitschreibers. Der erste, den er beglückt, ist Jugendfreund Ray Charles.
Ein Glücksgriff, wie sich zeigen sollte. Damit der Song „It's my party“ der 17-jährigen Leslie Gore richtig nach vorne geht, doppelt Quincy bei der Aufnahme ihre Stimme. 1963 bekommt er die erste von vielen goldenen Schallplatten. Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald, Count Basie, Nina Simone, Sammy Davis Junior… Arrangeur Quincy Jones hat den Erfolg gepachtet.

Quincy zaubert Hits

Quincy sammelt Hits wie andere Leute Briefmarken. Das liegt an seinem unglaublichen Riecher. Egal ob Jazz, Soul, Pop, oder Funk wie hier mit Georges Benson, Quincy zaubert Hits in allen jeder Tonart. Davon kann seit 1964 auch Frank Sinatra ein Lied singen. Unser Superproduzent knöpft sich für den Meister aller Crooner das zehn Jahre alte "Fly me to the moon" von Bart Howard vor. Quincy zaubert aus dem Walzer einen himmlischen Swing. Daraufhin dirigiert er die Band seines Idols Count Basie bei den Sinatra-Konzerten in Las Vegas. Langsam rückt der Traum von Hollywood für den Ghetto-Jungen aus Chicago in greifbare Nähe.

Hollywood-Pantheon

Noch im selben Jahr räumt Quincy den Jackpot ab, allerdings nicht in den Casinos von Vegas, sondern mit dem Vertrag über seinen ersten Soundtrack. Regisseur Sidney Lumet setzt bei den Studios durch, dass Quincy Jones die Musik zu seinem Streifen "The Pawnbroker" schreibt. Neben Benny Carter gehört Q zu den ersten schwarzen Musikern, die den Hollywood-Pantheon bevölkern. 1967 komponiert er den Soundtrack von “Kaltblütig“ und wird dafür mit seiner ersten Oscar-Nominierung belohnt. Inzwischen haben wir Mr. Jones über 60 Soundtracks zu verdanken. Von Komödie über Krimi bis Western ist alles dabei. Auch Meisterwerke wie „In The Heat Of The Night“, gesungen von Ray Charles.

Quincy der Allrounder

Quincy bleibt Allrounder. Der Produzent, Arrangeur und Komponist ist auch als Solokünstler erfolgreich und komponiert in einem halben Jahrhundert über 20 Alben, die von Bebop bis HipHop in allen Genres mitmischen. 1989 mobilisiert er sein Dream Team für das Album "Back on The Block". Mit dabei: Ella Fitzgerald, Miles Davis, Chaka Khan, Ice-T und Ray Charles.
Quincy lässt sich nicht in Schubladen pressen. Er will nicht nur klassisch komponieren, sondern auch die Möglichkeiten des computergenerierten Sounds ausschöpfen. Sein Freund, der ehemalige Miles-Davis-Pianist Herbie Hancock, zeigt ihm 1983 in sein Studio. Ein digitales Schlaraffenland, in dem Hancock mit "Rock It" gerade den ersten Scratch-basierten Hit aufgenommen hat.
Sechs Jahre später ist Quincy ganz in seinem Element, als er mit seinem Sohn – Produzent von Ice Cube, LL Cool J und Tupac Shakur - einen Rap hinlegt.

"Thriller" - Der Abräumer

Im Jahr 1983 weiß Megaproduzent Quincy Jones, dass er hoch pokert. Sein Schützling Michael Jackson dreht den Clip "Thriller", der ihn mit 110 Millionen verkauften Alben nach ganz vorne bringen wird. Der größte Plattenerfolg aller Zeiten! Zum ersten Mal treffen sich die beiden 1978 beim Dreh von “The Wiz“, einem Musicalfilm, für den Quincy die Musik schreibt. Michaels Kinodebüt an der Seite von Diana Ross ist eine Verfilmung des Zauberers von Oz mit ausschließlich afro-amerikanischen Darstellern. Auf Jacksons Drängen hin produziert Q im Jahr darauf dessen Album "Off The Wall".
Drei Jahre später glucken sie wieder zusammen und brüten das Album „Thriller“ aus. Es heißt zwar, “Beat It“ habe bei der Aufnahme die Boxen in Brand gesetzt, aber der eigentliche Chart-Burner war “Thriller“. Er macht Funk-Tornado Michael zum ersten schwarzen Superstar. Drei Jahre zuvor wollte das amerikanische Musikmagazin Rolling Stone ihn nicht aufs Cover bringen, weil sich das Heft mit schwarzen Künstlern sich angeblich nicht verkaufen lässt. Bei den Grammy Awards heißt der Abräumer "Thriller".

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In der Sendung zu sehen

Die in der Sendung gezeigten
"Jazz Icons: Dizzie Gillespie – Live in 58 & 70" bei TDK / Integral Distribution
"Jazz Icons: Quincy Jones - Live in '60" bei TDK / Integral Distribution
"Nadia Boulanger, Mademoiselle" bei Ideale Audience International
"History, Past, Present & Future" Michael Jackson bei Sony Music Video

Biographien

"The Complete Quincy Jones : My Journey & Passions: Photos, Letters, Memories & More from Q’s Personal Collection"
von Quincy Jones, Maya Angelou und Clint Eastwood
bei Insight Editions

"Q: The Autobiography of Quincy Jones" von Quincy Jones
bei Harlem Moon



DVD

"Jazz Icons: Quincy Jones - Live in '60"
bei TDK / Integral Distribution


"Listen Up!: The Lives of Quincy Jones"
Ein Film von Ellen Weissbrod
bei Warner Home Video

"Quincy Jones: 50 Years in Music - Live at Montreux 1996"
bei Eagle Rock Ent


Links


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Samstag 25. April 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 22-04-09
Letzte Änderung: 23-04-09


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