Seit zwei Jahren lebt Alice Miceli in Berlin. Sie erfindet immer wieder Konzepte, um Probleme und Missstände in Bilder zu fassen, wie eben die radioaktive Strahlung in Tschernobyl. „The Invisible Stain“ – „Der unsichtbare Fleck“ heißt ihr aktuelles Projekt. Dafür legte sie im seit 24 Jahren verlassenen Niemandsland rund um den Unglücksreaktor des Kraftwerks Tschernobyl Röntgennegative aus, die von der radioaktiven Strahlung belichtet werden. Sie klebt die Negative auf Bäume, Häuser oder befestigt sie am Boden, verteilt sie auf kontaminiertem Untergrund.
Innerhalb von drei Monaten belichten die Oberflächen, die durch den radioaktiven Niederschlag selbst zu Strahlungsquellen geworden sind, die Negative, die in schwarzen Plastikfolien stecken.
Die Bilder wirken wie Aquarelle, von der Radioaktivität wie zufällig gezeichnet. Auf manchen sieht man dunkle Flecken, entstanden durch so genannte Hot Particles – winzige, hoch radioaktive Teilchen, die während des Unfalls aus dem Kraftwerk entwichen sind.
Die Strahlung wird ein Leben in der Sperrzone für mindestens weitere dreihundert Jahre unmöglich machen. Schon heute sind die Spure der Menschen, die hier vor 1986 zu Hause waren, verblasst. Die radioaktive Strahlung ist noch immer um ein 100faches höher als normal.
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