Der Markt der Turiner Vorstadt Barriera Milano - einst der Stadtteil der Einwanderer aus Süditalien. Deren Kinder haben das Viertel mittlerweile verlassen, die Bevölkerungsstruktur hat sich verändert. Gleich neben dem Markt befindet sich die Grundschule des Stadtviertels. Nunzia del Vento, selbst Tochter von Einwanderern aus Apulien, leitet die Schule seit rund einem Jahrzehnt.
Schulleiterin Nunzia del Vento:„Barriera Milano hat sich zu einem Stadtteil mit einem sehr hohen Einwanderer-Anteil verändert und das spiegelt sich natürlich auch in den Klassen meiner Schule wieder. Mittlerweile sind 65 bis 70 Prozent meiner Schüler Kinder von Einwanderern.“ Für das Unterrichtsministerium eine Schule mit sogenannten "Ghettoklassen". Dem soll ab September ein Ende gemacht werden - schrittweise ab den ersten Klassen. Dann soll die Ausländerquote berechnet werden: 30 Prozent - nicht mehr Einwandererkinder soll es pro Klasse geben. Ausgenommen - so hat es die Erziehungsministerin Mariastella Gelmini im Fernsehen versprochen - jene Kinder, die bereits in Italien geboren wurden.
Schulleiterin Nunzia del Vento:„Wenn ich das Gelmini-Dekret ab den ersten Klassen umsetzen müßte, hieße das für mich eines: In vier bis fünf Jahren würde meine Schule dicht machen.“ Über eine halbe Million Migrantenkinder lernen an italienischen Schulen. Von der Ausländerquote betroffen sind vor allem die Schulen in Norditalien. Schulleiterin Nunzia del Vento:„Dieser neuen Regelung nach müßte ich auswählen, welche Kinder die Schule wechseln müssen und welche bleiben dürfen. Nach welchen Kriterien wir diese Auswahl aber treffen sollen, das wurde uns noch nicht mitgeteilt. Diese Klasse ist nur ein Beispiel, die meisten meiner Klassen überschreiten die 30%-Obergrenze.“
Die Bildungsministerin glaubt, mit der 30%-Quote soziale Integration zu erreichen. Auf die multikulturelle Situation haben die meisten Schulen aber bereits autonom reagiert. Hier etwa wird Kindern von Einwanderern, die erst seit kurzem in Italien sind, in Sonderkursen Italienisch beigebracht. Lehrerin Vanda Losco:„Meiner Erfahrung nach verlangsamt die Anwesenheit von nichtitalienischen Schülern in einer Klasse den Unterricht auf keinen Fall. Die meisten ausländischen Kinder sprechen ihre Sprache genauso gut wie ihre italienischen Altersgenossen. Nach ein oder zwei Jahren Unterricht haben sie dasselbe Sprachniveau. Jede Schule jedoch sollte mindestens ein oder zwei Lehrkräfte haben, die Einwanderkindern helfen, die Sprache zu lernen.“
Doch ab September wird dieser Sprachunterricht wohl vom Stundenplan verschwinden. Denn neben der 30%-Migrantenquote hat die Regierung Berlusconi bereits weitere Kürzungen am Bildungssystem beschlossen.
(Arte Journal, 02.02.10, Reportage: G.Hofer, M. Merlino)







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