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Am 17. März 2011 feiert Siegfried Lenz seinen 85. Geburtstag: ARTE gratuliert mit einem Schwerpunkt. Kommen Sie mit auf Entdeckungstour!

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KrimiWelt auf www.arte.tv - Zurufe der Jury - 01/09/08

Richard Stark - Fragen Sie den Pagagei

(im August auf Rang 8)

Pooley, Massachusetts: Parker ist auf der Flucht. Ein Einheimischer nimmt ihn unter die Fittiche. Er braucht den Fachmann, um seine Ex-Arbeitgeber zu berauben. Groteske Profi-und-Amateur-Geschichte. Comeback von Altmeister Stark mit einem der coolsten Verbrecher der Krimigeschichte. Jubel.

Seine Spezialität sind bewaffnete Überfälle. Auf Banken, Geldtransporter, Juweliere, Lohnbüros oder Casinos. Meist geht dabei etwas schief. Und er muss sehen, wie er am Leben bleibt. Wenn nötig, kann er dann auch Menschen töten. Mit Waffen. Oder seinen bloßen Händen. Er ist Parker. Einen Vornamen hat er nicht.

Seit 1962 ist Parker als konsequent dunkler Held in 24 Romanen aufgetreten. Der New Yorker Donald E. Westlake, heute 75, hat sie unter dem Pseudonym Richard Stark geschrieben. Weil Parker im Erstling „The Hunter“ bereits 18 Jahre als Dieb arbeitet, müsste er heute mindestens 80 sein. Aber Parker altert nicht. Parker ist inzwischen eine mythische Figur.

Als Profi-Gangster bewegt er sich in einer amoralischen Welt, in der jeder nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Ständig drohen Verrat und Betrug. Als klassischer Outsider hat er keine Freunde, aber jede Menge Feinde. Die Polizei jagt ihn ebenso wie die Mafia. Diese Randexistenz beschreibt Westlake in einer sparsamen, direkten Sprache. Seine Dialoge können süchtig machen.

Einmal droht ihm ein Geschäftsmann: „Wir finden Sie.“ Und Parker antwortet: „Finden und Umbringen ist nicht das Gleiche.“ Ein andermal soll ihn ein Abgesandter der Mafia einschüchtern. Er ist nicht erfreut und zückt seine Waffe. „Ich bin doch nur der Bote!“, schreit der Mafioso. „Jetzt bist du auch die Nachricht“, entgegnet Parker und drückt ab.

Es ist nicht besonders verwunderlich, dass Parker prominente Verehrer hat. So unterschiedliche Schriftsteller wie Michael Ondaatje, Stephen King und Elmore Leonard gehören zu seinen grössten Fans. Selbst wer Parker nicht gelesen hat, kennt ihn. Aus dem Kino: Dort haben ihn Lee Marvin („Point Blank“), Robert Duvall („The Outfit“) und Mel Gibson („Payback“) gespielt.

Jetzt ist seit langem wieder ein Parker-Roman auf Deutsch erschienen. „Fragen Sie den Papagei“ (2006) ist der 23. Parker. Der Verlag will damit Parkers Wiederentdeckung einleiten.
Der neue Krimi knüpft unmittelbar an den Vorgänger „Nobody Runs Forever“ an. Dort hatten Parker und seine Komplizen eine Bank um 2,2 Millionen Dollar erleichtert. Sie mussten aber flüchten und zuvor die Beute in einer verlassenen Kirche verstecken.

„Fragen Sie den Papagei“ beginnt nun mit Parker auf der Flucht vor den Polizeihunden. Da sieht ihn Tom Lindahl. Der erkennt sofort die Situation – und die Chance, den Profi Parker für seine Rachepläne einzuspannen. Lindahl wurde bei der Rennbahn entlassen und will nun die dortigen Wetteinsätze klauen.

Lindahl nimmt Parker mit in das heruntergekommene Kaff Pooley, wo er in einer umgebauten Garage lebt. Seine Frau hat ihn verlassen, jetzt hat er nur noch einen Papagei, der nicht spricht.
Parker willigt in den Überfall ein, weil er untertauchen muss und dringend Geld braucht. Doch in Pooley verkomplizieren sich die Dinge schlagartig durch Parkers Anwesenheit.

Immer mehr Leute wollen sich an ihn dranhängen, Parker entweder verhaften, umbringen oder ihm seine Beute abnehmen. Doch die Amateure überschätzen sich gewaltig. Und dann durchlöchern zwei Polizisten einen Mitbürger mit elf Kugeln.

Auch wenn „Fragen Sie den Papagei“ nicht an die grossen frühen Parker-Romane der Sechzigerjahre herankommt, spürt man doch auch hier ständig die Verführungskraft. Parker ist cool wie immer. Die reduzierte Prosa sitzt wie angegossen. Und es gibt keine faulen Kompromisse.

Denn Westlake neigt nicht zu Sentimentalitäten. Deshalb stiehlt sein Parker nicht etwa, weil er eine schwere Kindheit hatte oder weil er seiner gelähmten Oma eine Operation bezahlen will. Parker ist ein Verbrecher, das ist sein Beruf. Ende der Durchsage.

Richard Stark
Fragen Sie den Papagei
Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
Zsolnay-Verlag, PB, 256 S., 16,90 €

Das hält den Autor aber nicht von literarischen Kunststückchen ab, die man in keinen anderen Krimis findet. So erzählt Westlake hier ein Kapitel aus der Sicht des Papageis. Allerdings eines, das der nicht überlebt. Das Überleben bleibt eben Parkers Spezialität.

Sven Boedecker/Sonntagszeitung, August 2008

Erstellt: 01-09-08
Letzte Änderung: 01-09-08


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