Er hat die Kunst des Sehens revolutioniert: der Maler und Fotograf Alexander Rodtschenko (1891—1956), einer der großen Künstler des russischen Konstruktivismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vor allem sein fotografisches Werk ist weltweit bekannt geworden und hat bis heute unzählige Fotografen inspiriert und beeinflusst.
Rodtschenkos revolutionärer Fotokunst ist eine Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau gewidmet, die vom 12. Juni an zu sehen ist. Es ist die bislang umfangreichste Retrospektive seines Werkes.
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Rotschenko begann in den zwanziger Jahren zu fotografieren – jene kurze Epoche der künstlerischen Freiheit, der ästhetischen und gesellschaftlichen Experimente, deren Kräfte die russische Revolution freigesetzt hatte. Rodtschenkos Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen verändern. „Es sieht so aus, als könne nur der Fotoapparat das moderne Leben abbilden“, meinte er. Neu und ungewohnt für das damalige Sehempfinden waren in der Tat die kühnen Perspektiven, die der Fotograf erfand - extreme Aufsichten und Untersichten zum Beispiel – sowie die Experimente mit Bildstrukturen, die Reportagen u.a. vom Moskauer Alltag mit der Montage von Text und Bild. Doch diese ästhetischen Innovationen sollten nicht Selbstzweck sein, sondern die Vision einer neuen Gesellschaft zum Ausdruck bringen und kreative Kräfte im Menschen freisetzen. In den Augen des neuen Staates galt Rodtschenko solange als Propagandist der Sowjetgesellschaft, bis Stalin an die Macht kam und allen Formexperimenten ein Ende machte. Rodtschenko wurde zunehmend kritisiert und verfolgt und konnte bald nicht mehr frei arbeiten. Er starb 1956 in Moskau, im Schoß seiner Familie, die seitdem mit großer Energie seine Werke pflegt und bewahrt.
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| © A. Rodtschenko Archiv / VG Bild-Kunst, Bonn 2008 |
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Heute ist es sein Urenkel Alexander Lavrentiev, der diese Tradition fortsetzt. Alexander Lavrentiev, Herausgeber der Werke Rodtschenkos, wird uns mit diesem Erbe vertraut machen. Wir sind zu Gast im Haus des Künstlers, sehen Rotschenkos Gemälde und Fotografien, sein Atelier und seine Werkstatt. Und wir werden uns zusammen mit Alexander Lavrentiev auf die Spuren des neuen Moskau begeben, das Rodtschenko in einer seiner berühmten Fotoserien dokumentiert hat: Die kühnen Bauten einer konstruktivistischen Architektur, mit der die Sowjetgesellschaft einst ihren Aufbruch in die Moderne signalisierte.
Ausstellung: Alexander Rodtschenko
Noch bis 18. August 2008:im Martin-Gropius-Bau, Berlin