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KrimiWelt auf www.arte.tv - Rezensionen aus der Jury - 26/06/09

Roger Smith

Kap der Finsternis


Brutal, niederträchtig, unappetitlich, stinkend, bigott und durch und durch verrottet ist Inspector Rudi Barnard, genannt Gatsby, von der Kapstadter Polizei. Er spielt Gott, tötet, raubt und vergewaltigt wie er will, weil die südafrikanische Gegenwart so etwas zuläßt - aus tausend unschönen Gründen. Sie läßt aber auch einen Gegenspieler wie Disaster Zondi (der Name ist eine schöne Reverenz an eine Figur von James McClure) zu - ein Antikorruptionsspezialist des Innenministeriums, der Barnard unbedingt zur Strecke bringen will.

Und mitten hinein schlittert ein amerikanischer Bankräuber, der sich in Kapstadt mit seiner Familie verstecken will: Durch eine Kette von Zufällen (für Freunde der Kontingenz...) kommt eine arg blutige, arg unangenehme Geschichte in Gang, die Roger Smith in seinem Roman „Kap der Finsternis“ mit präziser Wollust am ekligen Detail erzählt. Ein grober Keil auf eine ziemlich grob verfasste Gesellschaft, ein Buch über Scheußlichkeiten. Begangen von scheußlichen Menschen, in einer scheußlichen, ungerechten und menschenfeindlichen Umgebung, die doch nur Menschenwerk ist. Ekel und Abscheu sind da sehr probate Kategorien. Beeindruckend!

Thomas Wörtche/Plärrer (2-09)



„Kap der Finsternis“ - damit ist kein fiktives Cape of Fears, sondern die ganze üble Realität des Kaps der guten Hoffnung gemeint. Hoffnungen machen sich alle: Jack Burns glaubt, mitsamt Sohn und schwangerer Frau den US-amerikanischen Behörden entronnen zu sein; Nachtwächter und Ex-Knacki Benny Mongrel glaubt, ein Leben ohne Gewalt anfangen zun können. Und sogar die fette, stinkende Gewaltmasse des frömmelnden und mörderischen Inspektors Rudi Barnard ist von der Hoffnung auf einen letzten guten Deal beseelt, bevor sie zu ihrem Gott einfährt.

Ein kleiner Überfall im Drogenrausch bringt alles in Bewegung: Immer schneller dreht sich das von Drehbuchautor Roger Smith in seinem ersten Roman instrumentierte und geschnittene Video aus Verfolgung, Rache, Mord, Entführung und Gier. Smith schreibt nüchtern, mit Hang zur Grotekse und zu bizarren, realistischen Details. Sein nackter filmischer Stil bannt eine Welt, in der nichts feststeht, am wenigsten die Regeln des Zusammenlebens. Stark.

Tobias Gohlis/Arte (2-09)


Das rabenschwarze Drama „Kap der Finsternis“ ist nichts für zarte Gemüter. Roger Smith, bislang im Filmgeschäft tätig, zeigt in seinem ersten Krimi die dunklen Seiten seiner zweigeteilten Stadt. Im Reichenviertel am Signal Hill ist gerade die Familie Burns aus Amerika angekommen und hat eine großzügige Villa gemietet. Vater, Mutter und Sohn sitzen beim Abendessen. Burns’ Frau steht kurz vor ihrer zweiten Entbindung. Da kommen zwei mit Drogen vollgepumpte Schwarze ins Wohnzimmer und haben ganz offensichtlich nicht nur vor, die Familie zu berauben, sondern auch die hochschwangere Frau zu vergewaltigen. Pech für die Typen, denn Burns hat im Desert Storm schon ganz anderen Leuten das Licht ausgeknipst. Die Gangster enden unschön. Burns bringt ihre Leichen auf eine unbebaute Fläche in den Cape Flats wo sich kein Mensch aus dem Ghetto wundert, wenn da zwei Leichen herumliegen.

Das alles passiert auf den ersten Seiten des Romans und der Autor hält dieses Tempo bis zum Schluss durch. Der smarte schwarze Beamte, der gegen Korruption vorgeht, der fette widerliche Burenbulle Barnard, rassistisch, sadistisch und christlich-fundamentalistisch, bestechlich und so ohne jede Moral, dass er ohne Hemmung farbige Kinder erschießt, die drogenabhängige Slumbewohnerin, die von ihrem Mann verprügelt wird und anschaffen geht, der ehemalige Knastbruder, der sich demütigen lässt, um seinen miesen Job zu behalten, - das alles sind beinahe modellhafte Figuren und dennoch kreiert Smith daraus ein beängstigendes Opus, inklusive blutigem Show-Down und überraschender Wendung.

Ingeborg Sperl/Der Standard (3-09)

Erstellt: 26-06-09
Letzte Änderung: 26-06-09


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