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Eric Rohmer umgibt sein Leben und seine Person gern mit einem Hauch von Geheimnis. Keiner weiß genau, wann und wo er geboren wurde ...

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Eric Rohmer umgibt sein Leben und seine Person gern mit einem Hauch von Geheimnis. Keiner weiß genau, wann und wo er geboren wurde ...

Porträt

Eric Rohmer - 11/01/10

Biographie

Eric Rohmer umgibt sein Leben und seine Person gern mit einem Hauch von Geheimnis. Keiner weiß genau, wann und wo er geboren wurde: War es am 21. März oder am 4. April 1920, in Tulle oder vielleicht doch in Nancy?

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Rohmer, mit bürgerlichem Namen Jean-Marie Maurice Schérer, war nach dem Philologiestudium zunächst als Lehrer und Schriftsteller tätig. 1946 erschien „Elisabeth“, sein einziger Roman, unter dem Pseudonym Gilbert Cordier. Weiterhin verfasste er Kritiken für die Zeitschriften „La Revue du cinéma“, „Les Temps Modernes“ und „Arts“. Die Liebe zum Schreiben blieb ihm zeitlebens erhalten; während seiner ganzen Karriere schrieb er Kritiken, Essays über den Film (insbesondere über Alfred Hitchcock und Friedrich W. Murnau) oder über musikalische Themen (z.B. einen Essay über den Begriff der Tiefe in der Musik, „Von Mozart zu Beethoven“) sowie Theaterstücke (eine Übersetzung von Heinrich von Kleists „Käthchen von Heilbronn“, ein eigenes Stück mit dem Titel „Das Trio in Es-Dur“). Weiterhin war Eric Rohmer Moderator im Filmclub des Quartier Latin; 1950 wurde er Mitbegründer und Leiter der neuen Clubzeitschrift „La Gazette du cinéma“. Damals begegnete er den Filmemachern, die später durch die Filmrevue „Cahiers du cinéma“ als „jeunes Turcs“ („Jungtürken“) bekannt wurden und die Nouvelle Vague begründeten: François Truffaut, Jean-Luc Godard, Jacques Rivette und Claude Chabrol. Rohmer, der Älteste der Gruppe, gab sein Regiedebüt 1950 mit dem Kurzfilm „Journal d’un scélérat“ mit Paul Gégauff. 1951 verfasste er seinen ersten Artikel für die neu gegründete Filmzeitschrift „Cahiers du cinéma“, deren offizieller Chefredakteur er 1959 wurde, nachdem er bereits seit 1957 den schwer kranken André Bazin vertreten hatte. 1955 brachte er gemeinsam mit Claude Chabrol ein Buch über Alfred Hitchcock heraus. Der „große Momo“, wie seine Gesinnungsgenossen von der Nouvelle Vague ihn nannten, vertrat eine radikale Auffassung vom Autorenfilm und von der Filmkunst als Kunst des Raums. Jahre später (1972) schrieb er einen seiner bekanntesten Texte, eine Doktorarbeit über den von ihm bewunderten deutschen Filmemacher F. W. Murnau, mit dem Titel „Die Organisation des Raums in Murnaus Faust“.



In den 50-er Jahren experimentierte Eric Rohmer mit oft literarisch inspirierten Kurzfilmen, an denen auch seine Freunde von den „Cahiers du cinéma“ mitwirkten: 1951 „Charlotte et son steak“ (mit Jean-Luc Godard in der Rolle des Walter), 1952 „Les Petites Filles modèles“, 1954 „Bérénice“ (Kamera und Schnitt: Jacques Rivette), 1956 „La Sonate à Kreutzer“ (wieder mit Beteiligung von Jacques Rivette), 1958 „Véronique et son Cancre“ (unter Mitwirkung von Chabrol). Nach diesen „Fingerübungen“ drehte Rohmer 1959 seinen ersten Spielfilm, „Im Zeichen des Löwen“. 1959 war auch das Geburtsjahr der Nouvelle Vague, mit der Vorstellung von Filmen wie „Sie küssten und sie schlugen ihn“ und „Hiroshima, mon amour“ bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. Eric Rohmers Film erschien erst drei Jahre später und stieß in der Filmwelt auf wenig Widerhall. Auch das Publikum bevorzugte die spektakuläreren Werke von Jean-Luc Godard, Claude Chabrol, Alain Resnais und François Truffaut. „Im Zeichen des Löwen“ ist ein sehr theorienaher Film, der in alle Punkten dem Programm der Nouvelle Vague entspricht. Ein zugleich kathartisches und innovatives Werk, mit dem sein Autor Position bezieht: Er lehnt die Dynamik des Hollywoodfilms ab und sucht ein Gleichgewicht zwischen klassischem und modernem Film; in Anlehnung an Vorbilder wie Murnau, Hawks, Rossellini und Hitchcock entwickelt er eine zugleich diskrete und subtile Erzählform.


1962 gründete Eric Rohmer gemeinsam mit Barbet Schroeder die Produktionsfirma „Les Films du Losange“, die einen Großteil seiner Filme produzierte und auch Werke von Regisseuren wie Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder finanzierte. Aufgrund von Differenzen mit François Truffaut trat Eric Rohmer 1963 von seinem Posten als Chefredakteur der „Cahiers du cinéma“ zurück. Er arbeitete in der Folgezeit weiterhin für die Zeitschrift, widmete sich aber hauptsächlich seiner Tätigkeit als Filmemacher. In den 60-er und 70-er Jahren drehte er eine Reihe von Filmen für das Schulfernsehen, größtenteils für die Literaturserie „En profil dans le texte“. Eric Rohmer wirkte auch an der berühmten, von Janine Bazin und André-Sylvain Labarthe ins Leben gerufenen Dokumentationsreihe „Cinéastes de notre temps“ mit, für die er ein Porträt von Carl Theodor Dreyer sowie die Sendung „Le celluloïd et le marbre“ lieferte. Dies war auch der Titel einer Reihe von Artikeln aus den 50-er Jahren, in denen er den Film mit anderen Kunstformen verglich, um die Sonderstellung der Filmkunst herauszustreichen. 1962 begann Eric Rohmer seinen ersten Filmzyklus, „Sechs moralische Erzählungen“ (1962-1972), der sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik ankam: „Meine Nacht bei Maud“ (1968), „Claires Knie“ (1969) und „Liebe am Nachmittag“ (1972) machten Rohmer bekannt. Die Filme bestechen durch ihren sensibel-ironischen Stil und den literarischen Ton der Dialoge. Während die „Sechs moralischen Erzählungen“ von Männern handeln, die Gelegenheiten nicht zu nutzen wissen und zwischen mehreren Frauen hin- und hergerissen sind, beschäftigt sich Rohmers zweiter Zyklus, „Komödien und Sprichwörter“ (1980-1987), mit kampf- und risikobereiten Frauen. Rohmer selbst sagt über den Unterschied zwischen den beiden Filmreihen:


„Der große Unterschied zum vorhergehenden Zyklus besteht darin, dass die Themen und Strukturen dieser neuen Sequenz sich nicht mehr an den Roman anlehnen, sondern an das Theater. Während die Figuren des ersten Zyklus ihre Geschichte nicht nur lebten, sondern auch erzählten, geht es den Gestalten der zweiten Filmreihe eher um eine Selbstinszenierung. Die einen hielten sich für Romanhelden, die anderen identifizieren sich mit den Personen eines Theaterstücks, die vorteilhaft in Szene gesetzt werden.“

Jedem Film dieses zweiten Zyklus ist ein bekanntes oder erfundenes Sprichwort vorangestellt. Ganz zwanglos zeichnet Eric Rohmer ein Gesellschaftsporträt, in dem die Liebe in all ihren Spielarten gegenwärtig ist. Die Reihe mit Filmen wie „Pauline am Strand“ und „Vollmondnächte“ wurde ein großer Publikumserfolg. „Das grüne Leuchten“, ebenfalls Teil von „Komödien und Sprichwörter“, gewann bei der Mostra von Venedig einen Goldenen Löwen. Eric Rohmers letzter Zyklus, „Erzählungen der vier Jahreszeiten“ (1990-1998), befasst sich mit Figuren, die mit Einsamkeit und schwierigen Entscheidungen konfrontiert werden.

Neben diesen Zyklen drehte Rohmer historische und literarische Filme, z.B. „Die Marquise von O...“ (1976), „Perceval le Gallois“ (1978) und „Die Lady und der Herzog“ (2000, digital gedreht). 2003 entstand auch ein Spionagefilm mit dem Titel „Triple Agent“; er spielt 1936 und handelt von einem ehemaligen General der Zarenarmee im Pariser Exil. Auch hier bleibt der Filmemacher sich selbst treu und schafft keinen Actionfilm im herkömmlichen Sinne, sondern einen Film, bei dem „die Action in der Sprache liegt“. Der Zeitung „Libération“ sagte Rohmer bei Erscheinen des Films:

„Ich möchte nicht einzelne Filme machen, sondern ein zusammenhängendes Werk. Einzeln genommen sind meine Filme leichter kritisierbar – sagen wir, unkohärenter – als zusammen gesehen. Sie stützen sich gegenseitig, und sie gewinnen, wenn man sie einander nahe bringt.“

Sein letztes Werk, „Les Amours d’Astrée et de Céladon“ (September 2007) ist die Verfilmung eines Schäferromans von Honoré d’Urfé aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde für den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig 2007 nominiert. Ein klarsichtiger Film, der einen klugen und amüsierten Blick auf die menschliche Natur wirft.

Eric Rohmer ist am 11.Januar 2010 im Alter von 89 Jahren in Paris gestorben.
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Auszeichnungen und Preise:
•“Meine Nacht bei Maud“: Prix Méliès 1969
•“Die Sammlerin“: Silberner Bär, Berlin 1967
•“Claires Knie“:
1970: Prix Louis-Delluc
1970: Prix Méliès
1971: Preis der National Society of Film Critics (USA)
•“Perceval le Gallois“:
2 César-Nominierungen 1980: beste Kamera (Nestor Almendros) und bester Ton (Jean-Pierre Ruh)
Prix Méliès 1979
•“Die Frau des Fliegers“: Internationaler FIPRESCI-Kritikerpreis beim Filmfestival von San Sebastián 1981
•“Die schöne Hochzeit“: 1983 César-Nominierung für das beste Originaldrehbuch
•“Pauline am Strand“:
Silberner Bär für die beste Regie bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin 1983
Prix Méliès 1983
•“Vollmondnächte“:
Preis für die beste Darstellerin (Pascale Ogier) bei den Filmfestspielen von Venedig 1984
1985 César-Nominierungen für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste Darstellerin (Pascale Ogier) und die beste männliche Nebenrolle (Fabrice Luchini)
•“Das grüne Leuchten“: Goldener Löwe bei den Filmfestspielen von Venedig 1986
•“Der Freund meiner Freundin“: 1988 César-Nominierung für das beste Drehbuch und die beste Nachwuchsschauspielerin (Sophie Renoir)
•“Wintermärchen“: FIPRESCI-Preis und Nominierung für den Goldenen Bären bei der Berlinale 1992
•“Die Lady und der Herzog“:
2002: César-Nominierung für die besten Kostüme (Pierre-Jean Larroque)
2002: César-Nominierung für das beste Szenenbild (Antoine Fontaine)
2001: Nominierung für den European Film Award für die beste Regie (Eric Rohmer)
•“Triple agent“: vorgestellt in der Offiziellen Auswahl (Wettbewerb) bei der Berlinale 2004

Tatjana Marwinski

Erstellt: 05-09-07
Letzte Änderung: 11-01-10