KurzSchluss
"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.
KurzSchluss
"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.
Sieben Kurzfilme von Roman Polanski: Das Verbrechen, Das Lächeln, Wir sprengen das Fest, Zwei Männer und ein Schrank, Die Lampe, Wenn Engel fallen und Säugetiere als DVD bei Wild Side Vidéo.
„In den ersten, zwischen 1954 und 1958 entstandenen Kurzfilmen spielt Roman Polanski mit jenen stilistischen Elementen, die er später mit besessener Konsequenz einsetzen wird. Die Handschrift seiner Kurzfilme basiert auf Stilisierungen, wenig Sprache, Mimik. ,Diese Filme deuten in komprimierter Form auf den späteren Stil Polanskis hin, der immer irgendwie das Siegel des Befremdlichen trägt’. (R.Bassan)“
M. Perez
Festival Premiers Plans d’Angers
1948 wird in Lodz die staatliche polnische Filmhochschule (Panstwowa Wyzsza Szkola Filmowa) gegründet. Es sind die ersten Nachkriegsjahre, und Lodz ist die einzige Großstadt in der Nähe von Krakau und Warschau, den beiden großen kulturellen Zentren des Landes, die unzerstört geblieben ist. Damit ist die Stadt der ideale Standort für die geplanten neuen Filmstudios, die der Staat dort errichtet.
Bereits kurze Zeit nach Eröffnung gilt die Hochschule in Lodz als wichtigstes Zentrum filmischer Produktionen. Hier entstehen studentische Erstlingswerke im 35 mm-Format nach professionellen Standardvorgaben.
„Wir genossen einmalige Arbeitsbedingungen, unter denen selbst das kleinste Fünkchen Talent eine Chance zur Weiterentwicklung bekam. Die Schule unterhielt Verbindungen zu den staatlichen Archiven. Von dort erhielten wir Filmkopien der internationalen großen Klassiker. Wir hatten die Möglichkeit, Unmengen von Filmen sehen. (…) Es gab zwei Vorführsäle: Einen für die Rushes, und einen zweiten, in dem Filme aus den Staatsarchiven gezeigt wurden. Die erste Vorstellung begann um acht Uhr morgens, die letzte endete spät nachts.(…). Ich denke, dieses non-stop-System permanenter Vorführungen zählte zu den wirklich wichtigen Bestandteilen unserer Ausbildung. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie viele Filme man in fünf Jahren Studium auf diese Weise sehen konnte. (…).
Jeder Moment in dieser Schule war wertvoll. Anhand von Kurzfilmen sollte der Student beweisen, dass er in der Lage war, zu drehen, zu produzieren. Damals kannten die Leiter der verschiedenen Produktionen mehr oder weniger alle Studenten, und die Tore öffneten sich nach und nach, insbesondere dank der Kurzfilme .“ (Roman Polanski, März 2003, Auszug aus der Pressemappe Universal/Wild Side Vidéo.)
Zu den Studenten der Hochschule zählen Namen, die einmal zu den Großen des polnischen Films gehören sollen: Andrzej Munk, Andrzej Wajda, Janusz Morgenstern.
Roman Polanski besucht die Schule ab 1954 für vier Jahre und produziert dort in dieser Zeit acht Kurzfilme (darunter ein unvollendeter). 1958 wird er im Rahmen der Weltausstellung in Brüssel für seinen Film „Zwei Männer und ein Schrank“ ausgezeichnet.
Die Schule in Lodz genießt jetzt internationale Anerkennung. Ende der fünfziger Jahre ist das Renommee der dort ausgebildeten Regisseure so groß, dass man sogar von einem neuen Filmstil spricht, dem der „Schule des polnischen Films“.
Die fünfziger Jahre sind goldene Zeiten für die Schule von Lodz. Die sechziger Jahre festigen die Spitzenposition des Institut endgültig: Die Namen vieler junger Regisseure, die in diesen Jahren Absolventen der Schule sind (Krysztof Zanussi, Jerzy Kawalerowicz und Krysztof Kieslowski ) finden sich heute im Who is Who des europäischen und internationalen Films.
KURZFILME VON ROMAN POLANSKI:
· 1955
Rower (Das Fahrrad). Unvollendet
· 1956
Morderstwo (Das Verbrechen) (45 m, 1 Min. 30, Stummfilm, s/w)
Usmiech Zebiczny (Das Lächeln)(40 m, 1 Min. 27, Stummfilm, s/w)
· 1957
Rozbijemy Zabawe (Wir sprengen das Fest)(228 m, 8 Min. 45, s/w)
Kirk Douglas (14 Min. 45, s/w, Koproduktion mit Studienkollegen)
· 1958
Dwaj Ludzie Z Szasa (Zwei Männer und ein Schrank)(15 Min., s/w)
· 1959
Lampa (Die Lampe) (212 m, 7 Min. 50, Farbe)
Gdy Spadaja Z Nieba (Wenn Engel fallen) (22 Min., Farbe)
· 1960
Le gros et le maigre (Der Dicke und der Dünne) (16 Min., s/w). Ko-Regie: Jean-Pierre Rousseau.
· 1962
Ssaki (Säugetiere) (280 m, 10 Min. 15, s7w)
· 1963
La rivière de diamants oder Amsterdam (Episode aus „Les plus belles escroqueries du monde“, einem Gemeinschaftsprojekt von Jean-Luc Godard, Ugo Gregoretti, Claude Chabrol, Hiromichi Hirokawa und Roman Polanski)
Roman Polanski, mit wirklichem Namen Raymond Lieblinz, wird am 18. August 1933 in Paris geboren. Seine Kindheit verbringt er in Polen. Er überlebt das Warschauer Ghetto, wo seine Mutter umkommt; den Vater sieht er erst nach Kriegsende wieder.
Bereits mit 14 Jahren spielt Polanski in Krakau Theater und wirkt in kleineren Rollen in verschiedenen Filmen mit. Dort besucht er zudem Kurse an der Kunsthochschule, bevor er 1954 an die Schule in Lodz wechselt. Während der vier Jahre, die er dort verbringt, dreht er sieben Kurzfilme, mit denen er sich bereits einen gewissen Ruf erwirbt. Besondere Beachtung finden darunter „Zwei Männer und ein Schrank“ und „Das Lächeln“.
1962 dreht Roman Polanski seinen ersten Spielfilm, „Messer im Wasser“. Er erhält einen Oskar für den besten ausländischen Film. Polanski bekommt damit Gelegenheit, Polen zu verlassen und nach Frankreich zu gehen; 1965 dreht er hier einen zweiten Spielfilm „Ekel“, für den er in Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wird und im Jahr darauf „Wenn Katelbach kommt“, für den er den Goldenen Bären erhält.
Der Erfolg seiner Filme bei Kritikern und an den Kinokassen lässt ihn den Schritt nach Hollywood wagen. Hier dreht er „Tanz der Vampire“ (1967). Bei den Dreharbeiten zu diesem zum Kultfilm gewordenen Streifen lernt Polanski seine spätere Frau, die Schauspielerin Sharon Tate, kennen.
Die nächste Produktion „Rosmaries Baby“ mit Mia Farrow und John Cassavetes wird ebenfalls ein enormer Publikumserfolg.
Im August 1969 wird Sharon Tate von fanatischen Anhängern der Charles Manson-Sekte brutal umgebracht. Zwei Jahre lang nimmt Roman Polanski keine Kamera in die Hand. Dann dreht er einen seiner gewaltträchtigsten Filme, „Macbeth“, nach dem Bühnenstück Shakespeares. Der Film findet eine positive Resonanz, aber drei Jahre später erzielt er mit „Chinatown“ einen seiner wirklich größten Erfolge. Der Film wird für 11 Oskars nominiert.
Im gleichen Jahr wird Roman Polanski beschuldigt, ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Er verlässt endgültig die Vereinigten Staaten, lässt sich in Frankreich nieder und nimmt die französische Staatsbürgerschaft an.

1979 landet er mit seinem Film „Tess“, durch den Natassia Kinski entdeckt wurde, einen großen Erfolg. Bei der César-Verleihung wird er gleich dreifach ausgezeichnet: Bester Film, bester Regisseur und beste Kamera.
In den nächsten acht Jahren kehrt Polanski dem Filmgeschäft den Rücken. Er schreibt seine Autobiographie „Roman. Das Buch wird ein Bestseller.
1986 hat der Film ihn zurück. Er dreht „Piraten“, dann 1988 „Frantic“ mit seiner späteren Ehefrau Emmanuel Seigner.
Die neunziger Jahre sind für Polanski eine Zeit ohne große Umbrüche. Er produziert kommerzielle Filme wie „Die neun Pforten“ mit Johnny Depp, und andere, eigenwilligere Werke, wie „Der Tod und das Mädchen“, die relativ gut beim Publikum ankommen.
Mit „Der Pianist“ (2002), der Geschichte von Wladyslaw Szpilman, einem Pianisten aus der Zeit des Krakauer Ghettos, stellt Roman Polanski ohne Zweifel seinen persönlichsten Film vor und knüpft an vergangene große Erfolge an.
Spielfilme von Roman Polanski:
Quellen: Roman Polanski, Dominique Avron, Ed. Rivages, 1996.
Universal/Wild Side Video (DVD-Booklet)
· 1962
Noz W Wodzie (Messer im Wasser) (94 Min.)
· 1965
Ekel (104 Min.)
· 1966
Wenn Katelbach kommt (111Min.)
· 1967
The Fearless Vampire Killers oder Pardon me, but your Teeth are in my Neck (Tanz der Vampire) (107 Min.)
· 1968
Rosemaries Baby (137 Min.)
· 1971
Macbeth (140 Min.)
· 1972
Was? (112 Min.)
· 1974
Chinatown (130 Min.)
· 1976
Der Mieter (126 Min.)
· 1979
Tess (165 Min.)
· 1986
Piraten (124 Min.)
· 1988
Frantic (120 Min.)
· 1992
Bitter Moon (138 Min.)
· 1994
Der Tod und das Mädchen (105 Min.)
· 1999
Neun Pforten (132 Min.)
· 2002
Der Pianist (148 Min.)
LINKS :
Über den polnischen Film und die Filmhochschule Lodz
Zur Geschichte des polnischen Films
Website Sharon Tate, tödlicher Überfall auf Roman Polanskis Ehefrau
Weitere Infos

LITTERATUR :
Roman, Roman Polanski, Verlag Robert Laffont, 1984.
Roman Polanski, in „Odd Man Out“, Positif, Nr. 400, Juni 1994.
Roman Polanski, Dominique Avron, Verlag Rivages, 1996.
Polanski par Polanski, von Pierre-André Boutang, Verlag Du Chêne, Paris, 1986.
Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 30-06-03