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Romy Schneider

Eine Hommage

Romy Schneider

22/09/08

Romy, Delon und der deutsche Nebel

Romy Schneider – ein Karrieredebüt im deutschen Nebel und unter dem feurigen Blick von Alain Delon

1977, auf dem Gipfel ihres Ruhmes und ihrer Anerkennung als Star in Frankreich, kehrt Romy Schneider fast vierzigjährig nach Deutschland zurück, um mit dem jugoslawischen Regisseur Aleksandar Petrovic Heinrich Bölls Roman Gruppenbild mit Dame (1977) zu verfilmen. Herauskommen wird ein etwas holpriger, stellenweise schwer verständlicher Autorenfilm. Romy Schneider wollte unbedingt die Leni Gruyten spielen, eine junge Deutsche, die nach der Hölle und der Niederlage 1945 die Liebe ihres Lebens findet. Für Romy ist Leni eine besondere und sehr deutsche Persönlichkeit. Sie wollte ihre deutsche Seite aktiv in diese Rolle einbringen. Sie fand, das Interessante an diesem Film bestehe darin, dass er die Tragödie des zweiten Weltkriegs aus der Sicht der Besiegten zeigt, wohingegen alle bisherigen Filme die Perspektive der Sieger darstellten. Bei Kriegsende war Romy Schneider noch keine sieben Jahre alt. Dennoch hat sie wegen ihrer Mutter einiges von dieser Zeit mitbekommen. Etwa zur gleichen Zeit ist Romy Schneider auch mit Rainer Werner Fassbinder im Gespräch über die Hauptrolle in seinem neuen Film Die Ehe der Maria Braun, den er 1978 schließlich ohne sie dreht. Romys Rückkehr in ihre alte Heimat, wo der Star Romy Schneider geboren wurde, ist ein weiteres Kapitel einer komplexen und bewegten Beziehung.

Als Sissi wird Romy Schneider 1956 berühmt. Doch die Rolle zwängt ihr auch das Image des reinen Mädels auf, das Emanzipierung und kreative Entfaltung offenbar ausschließt. Elisabeth von Bayern, genannt „Sissi“, wurde 1854 Kaiserin von Österreich-Ungarn. Sie steht für den Mythos der ewigen Liebe. So gesehen sind die Sissi-Filme universal, was ihr internationaler Erfolg bestätigt, unter dem das Image der tapferen Person keinesfalls leidet. Jean de Baroncelli schrieb 1958 in der Tageszeitung Le Monde, da zur Zeit soziale (und somit zerbrechliche – A.d.R.) Mythen in Mode seien, könne man in Romy Schneider die Anti-Bardot sehen. Bei Romy Schneider denke jeder nur an Reinheit, Zärtlichkeit und keusche Liebe. Im gleichen Jahr fügt sich die auf diese Weise Idealisierte noch einmal diesem Image und gibt inmitten einer Welt der rauschenden Krinolinen und altmodischen Treuherzigkeit unter der Regie von Pierre Gaspard-Huit die Christine. Der Film ist eine Koproduktion und wird in Frankreich gedreht. Romy Schneiders Partner ist der drei Jahre ältere Alain Delon. Die deutsche Presse, der es wenig behagt, dass Romy im Ausland dreht, beobachtet voller Misstrauen, wie sich dieser französische Charmeur an ihre Romy heran macht, die sie nur zu gerne für ewige Zeiten die Rolle der naiven Unschuld zusprechen würde.

Um sie zu erobern, bedient sich Delon eines todsicheren Tricks. Er teilt ihr nach den Dreharbeiten mit, dass er sie völlig uninteressant findet. Für ihn sei sie nichts weiter als ein herausgeputztes deutsches Landei. Damit weckt er – der Spontane, Lebhafte und so völlig andere – den Ergeiz des jungen Stars. Delons Frechheit gefällt ihr ebenso wie sein unkonventioneller jugendlicher Lebensstil. Auch die Welt der Autorenfilme, in der der junge Schauspieler sich bald einen Namen macht, fasziniert sie. 1959 veranstalten Romy und Delon eine Verlobungsfeier – mit unechten Ringen. Romys Mutter Magda Schneider, selbst Schauspielerin und in den 1930er Jahren ein UFA-Star, warnt sie: „Du stürzt dich ins Verderben, Kind. Ich werde das nicht zulassen.“ Magda missbilligt Romys Verhalten öffentlich, und Delon ermuntert sie, nicht länger die Naive zu spielen, obwohl man ihr aus Deutschland nach wie vor viele solche Rollen anbietet.

Romy ist ständig auf der Suche nach dem Glück. Sie weiß, dass es ihr schwer fällt, Liebe zu erhalten und sie anzunehmen. Einmal sagt sie von sich, im realen Leben sei sie unfähig, nur vor der Kamera gelänge ihr alles. Die Schauspielerin Romy Schneider sieht in der ständigen Angst, nicht wirklich geliebt zu werden, den Preis des beruflichen Erfolges. Dies gilt vor allem in ihrer Beziehung zu Alain Delon, aber auch für die Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft und der Geschichte ihres Heimatlandes. 1977 schreibt sie in ihr Tagebuch: „Der wichtigste Mann in meinem Leben ist nach wie vor Delon. Wenn ich ihn brauche, ist er stets zur Stelle. Bis heute ist Alain der einzige Mann, auf den ich mich verlassen kann. Er würde mir jederzeit helfen. Alain hat mich nie im Stich gelassen, weder früher noch heute.“ Im Anschluss an die Dreharbeiten zu Christine bleibt Romy in Paris. Sie beginnt sich zu verändern und Delon hat daran einen wesentlichen Anteil. Später wird sie über den Mann, den sie liebt und mit dem sie seit Anfang der 1960er Jahre zusammenlebt, sagen, er habe sie sehr viel weitergebracht. Er habe sie nie wirklich gewollt, aber er habe ihr geholfen zu begreifen und zu erkennen, was sie will. Das Paar trennt sich 1963. Als Reporter von Romy wissen wollen, ob sie die Briefe ihres ehemaligen Geliebten aufbewahrt habe, antwortet sie mit unbewegtem Gesicht: „Nein, er hat nur Zettel geschrieben“. Den letzten fand sie bei ihrer Rückkehr in die verlassene Wohnung in Paris: „Bin mit Nathalie in Mexiko. Salut. Delon“.

Der Kampf auf der Insel (1961) von Alain Cavalier ist für Romy offenbar Anlass, ihr politisches Bewusstsein zu erweitern. Sie spielt die Ehefrau des Industriellensohnes Clément (gespielt von Jean-Louis Trintignant), der sich während des Algerienkrieges einer Extremistengruppe anschließt. Im darauffolgenden Jahr steht sie in der Columbia-Koproduktion Die Sieger vor der Kamera. Der Film spielt in den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs. Er erzählt von zwei amerikanischen Soldaten und ihrem Umgang mit europäischen Frauen, die sie an ihren verschiedenen Einsatzorten kennenlernen. Eine von ihnen machen sie zur Prostituierten. 1963 spielt sie in Der Kardinal unter der Regie von Otto Preminger. Der Film behandelt das Verhältnis der Kirche zu den Achsenmächten. Diese Rollen hat Romy nicht zufällig ausgewählt. Sie ist damals noch keine 25 Jahre alt, und viele Menschen sehen in ihr noch immer nur Sissi, die junge Kaiserin. In den 1970er Jahren lässt sie sich gelegentlich - wie viele andere auch - zu provokanteren Aktionen gegenüber der etwas rigiden Presse hinreißen. Zum Beispiel, als sie in Bezug auf ihren damaligen Ehemann Harry Meyen erklärt, dass sie es schätze, mit einem Juden verheiratet zu sein. 1971 dreht sie mit Richard Harris in Israel Bloomfield, die nicht sehr aufregende Lebensgeschichte eines bekannten israelischen Fußballspielers. Bemerkenswert ist dieser Vorgang vor allem deshalb, weil im Deutschland der 1970er Jahre, geprägt von der Adenauer-Zeit und dem Verdrängen seiner jüngeren Vergangenheit, noch wenig über die Nazizeit geredet wurde. Romy erzählt oft von ihrer idyllischen Kindheit im Berchtesgadener Land, knapp 15 Kilometer von Hitlers Obersalzberg entfernt. Ihren Lebensweg danach hinterfragt sie immer wieder.1973 bekennt sie sich in Deutschland gemeinsam mit 350 anderen Frauen öffentlich, abgetrieben zu haben, und muss sich deswegen vor Gericht verantworten. (In Frankreich outeten sich Frauen in der gleichen Weise. Ihre Aktion wurde als „Schlampenmanifest“ bekannt.) Enttäuschungen im Privatleben brachten sie dazu, sich stärker auf ihre Karriere zu konzentrieren und politisch zu engagieren. „Es ist besser, Leidenschaft zu erleben und unglücklich zu sein, als sich mit Mittelmäßigem zufrieden zu geben“ sagte sie oft.

Julien Welter

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Literatur:

Ich, Romy – Tagebuch eines Lebens von Romy Schneider (Langen Müller, 1990)
Romy, von Catherine Hermary-Vieille (O. Orban, 1986)
Romy Schneider, von Sylviane Pommier (PAC, 1985)

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Erstellt: 06-10-06
Letzte Änderung: 22-09-08