Das faszinierende Gesicht, die verführerische Frau, die große Schauspielerin - Romy Schneiders Blicke und Gesten haben sich längst ins kollektive Bewusstsein der europäischen Filmliebhaber gebrannt. Und Deutschland ist in eine neue Phase der Romy-Verehrung eingetreten.
Daniela Sannwald, Kuratorin der Ausstellung: „Im Gegensatz zu sehr vielen anderen Pop-Phänomenen hat Romy Schneider etwas klassisches, weil die Generationen nachwachsen, die sie bewundern. Es ist nicht das Phänomen einer Generation. Es sind junge Frauen, die sie verehren, Schauspielerinnen, die sie verehren, und das an ihre Fans weitergeben. Und natürlich wegen des Sissi-Kults auch junge Mädchen.“
Das Interesse an Romy Schneider ist wieder groß. Der Ausstellung ist das Kunststück gelungen, bisher unbekannte Fotos der Schauspielerin auszugraben, auch private Schriftstücke. Außerdem wirft die Ausstellung einen Blick auf einen weitgehend unbekannten Abschnitt: Schneiders Arbeit in den 60er Jahren - als sie international mit Größen wie Woody Allen und Orson Welles zusammenarbeitete.
Daniela Sannwald: „Das ist eine Phase, in der Romy Schneider sich selbst ausprobiert hat in verschiedenen Genres, in verschiedenen Rollenfächer und in so ganz coolen, sehr schicken Filmen gespielt hat, französischen und amerikanischen vor allem. Da hat sie sich sowohl als Komödiantin wie auch als Darstellerin im Thriller ausprobiert und da sind tolle Sachen herausgekommen.“
Ohne die 60er Jahre stehen in Deutschland immer noch zwei Romy Schneider-Bilder unverbunden nebeneinander: Das eine ist die junge Sissi-Schauspielerin der 50er Jahre, das Idol der Groschenromane und unzähliger Merchandising-Produkte; das andere die erwachsene französische Charakterdarstellerin der 70er Jahre. Das musste natürlich zu Missverständnissen führen. „Ich habe versucht, anderes zu spielen, mich nicht im Kreise zu drehen und weiter immer Sissi zu spielen“, sagte Romy Schneider selber 1974 dazu.
„Einem normalen Rezipienten musste es so scheinen, als ob sie von den 50er Jahren direkt in die 70er Jahre gesprungen ist,“, erklärt Kuratorin Daniela Sannwald,“vom naiv-frechen Mädchen direkt in die sexuell selbstbewusste, ja aggressive französische Frau. Dazwischen war eine ganze Menge passiert, was aber eben nicht wahrgenommen wurde.“
Die andere, dunkle Seite der späten Romy Schneider galt im Film der bewussten Übernahme von Opferrollen; im Privatleben häuften sich Tragödien und Selbstzerstörung. Auch ein - verstörender - Teil ihrer Faszinationskraft. Die buchstäblich unerschöpflich scheint, wie Daniela Sannwald betont: „Websites, Fanforen, Tauschbörsen, Versteigerungen. Das ist alles nur ein Beleg dafür: Es ist nie zuviel mit Romy Schneider. Es wird immer weitergehen.“
Die Ausstellung
Romy Schneider. Wien – Berlin – Parisbis 30. Mai 2010
in der Kinemathek - Berlin







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