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Freedom

ARTE erinnert an das dunkle Kapitel der Sklaverei und stellt Persönlichkeiten ins Licht, die mit Mut und Engagement für Freiheit und Gleichheit eintraten. Was ist geblieben von Kings Traum eines Amerikas ohne Rassenbarrieren? Wie leben Schwarze und Weiße heute in den USA zusammen?

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ARTE erinnert an das dunkle Kapitel der Sklaverei und stellt Persönlichkeiten ins Licht, die mit Mut und Engagement für Freiheit und Gleichheit eintraten. Was (...)

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02/09/08

Roots

Die zwölfteilige Kultserie "Roots - Eine afrikanische Kindheit" entstand Ende der 70er-Jahre nach dem Bestseller von Alex Haley und verfolgt über sieben Generationen die 200-jährige Geschichte einer amerikanischen Familie, deren Vorfahren Opfer der Sklaverei waren. Die erschütternde Saga erregte großes Aufsehen, zunächst in Amerika, später auch in Europa, zeigte sie doch die Sklaven nicht lediglich als Opfer oder abstrakte Beispiele für Unterdrückung, sondern machte auf einfühlsame, so bisher noch nicht gezeigte Weise ihr Schicksal klar.

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© 2008 Warner Bros. Entertainment Inc.
Roots auf ARTE ab 1.6. - 13.6.2008

Roots und die Rassenfrage
Was bewegte die Fernsehserie in den USA politisch und gesellschaftlich? Wie wurde sie von der weißen und schwarzen Zuschauerschaft aufgenommen?
Ein Artikel von Franklin W. Knight

Die Reaktionen auf das ungeheuer erfolgreiche Buch Roots (dt. "Wurzeln") von Alex Haley und auf die ebenso populäre Fernsehserie, die in den 70er-Jahren auf der Grundlage des Romans entstand, sind nur dann zu verstehen, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, was zu dieser Zeit in den USA vor sich ging. Die 60er- und 70er-Jahre waren eine sehr bewegte Zeit.

Umbrüche in den 60er-Jahren
Die 60er-Jahre spielen aus drei zusammenhängenden Gründen eine enorm wichtige Rolle in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der erste dieser Gründe ist die folgenschwere Ermordung von Präsident John F. Kennedy, der die Nation mit seinem Charisma, seiner jugendlichen Tatkraft und seinem gewandten Umgang mit dem neuen Medium Fernsehen für sich begeisterte. 1968 folgten die Morde an Martin Luther King und an Robert Kennedy, dem Bruder des verstorbenen Präsidenten. Der zweite Grund ist die Bürgerrechtsbewegung, die zwar seit Ende der 50er-Jahre bestand, unter ihrer redegewandten Leitfigur Martin Luther King jedoch wesentlich an Bedeutung gewann. An dritter Stelle sind die traumatischen Auswirkungen des Vietnamkriegs zu nennen, der die soziale, wirtschaftliche und politische Stabilität der USA ins Wanken brachte und das Land zu spalten drohte.

Die 70er-Jahre brachten nicht weniger Erschütterungen mit sich.
Die politischen Morde und die Bürgerrechtsbewegung ließen die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen in den USA deutlicher zu Tage treten, statt sie zu entschärfen. Und tatsächlich gründete sich Richard Nixons Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 1968 vor allem darauf, dass er den Widerstand der Weißen gegen die Ausweitung der Bürgerrechte auf Nicht-Weiße ausnutzte. Die Vereinigten Staaten kämpften einen bewaffneten Krieg in Vietnam, während sich zu Hause die sozialen Konflikte zu einem weiteren Krieg zuspitzten. Der Vietnamkrieg nahm ein chaotisches Ende. Nixon zog es vor zurückzutreten, statt sich wegen Amtsvergehen und Verbrechen gegen den Staat des Amtes entheben zu lassen. Ein paar Jahre zuvor, 1971, hatte die US-Regierung den Dollar entwertet und damit deutlich gemacht, dass die US-Wirtschaft nicht stark genug war, den fortdauernden Krieg in Asien zu tragen und gleichzeitig den Modernisierungsbestrebungen im eigenen Land gerecht zu werden, beziehungsweise, mit den Worten von Präsident Lyndon B. Johnson: die Versorgung mit "Kanonen und Butter" sicherzustellen. Die Rezession in den USA spiegelte zugleich auch den Anfang einer Reihe immer dramatischerer Erschütterungen der Weltwirtschaft wider, zu denen noch erschwerend die Ölkrise von 1973 im Gefolge des Yom-Kippur-Kriegs kam.

Das Farbfernsehen hält Einzug
Vor dem Hintergrund dieses offenkundigen sozialen und wirtschaftlichen Durcheinanders trat das Farbfernsehen in Erscheinung und veränderte die Populärkultur von Grund auf. Tageszeitungen und formelle Bildung waren nicht mehr die wichtigsten Informationsmedien und Produzenten des Massengeschmacks. Das Fernsehen galt vor allem als "cooles" Medium, das es einer virtuellen Gemeinschaft ermöglichte, über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg miteinander in Verbindung zu stehen, selbst wenn die einzelnen Zuschauer isoliert an einem Ort verblieben. Zudem sehnten die Amerikaner sich danach, ihrer unerfreulichen Lebensrealität zu entfliehen – ein Wunsch, den das Fernsehen bestens bediente.

© 2008 Warner Bros. Entertainment Inc.
Ein mediales Großereignis für Schwarze und Weiße
Roots bot sowohl schwarzen als auch weißen US-Amerikanern eine hervorragende Gelegenheit, sich auf eine relativ unanstrengende Weise mit Rassismus auseinanderzusetzen. Das Buch war größtenteils fiktional, und der Autor gab zu, dass es sich bei Teilen des Romans um Plagiate handelte. Trotzdem wurde er als genealogische Erzählung gelesen und 1977 mit einem "Außerordentlichen Pulitzerpreis" ausgezeichnet, der in den USA als höchster Literaturpreis galt. Obwohl in akademischen Kreisen starke Zweifel an der Authentizität von Roots bestanden, war die Fernsehserie (die erheblich von der Romanvorlage abwich) ein mediales Großereignis, welches das schwarze und weiße Fernsehpublikum gleichermaßen ansprach. Roots hatte mehr Fernsehzuschauer als jede andere Fernsehsendung dieser Zeit. An den ersten sieben Abenden der Ausstrahlung schauten jeweils über 80 Millionen Menschen die Sendung, und die letzte Folge wurde von über der Hälfte der US-Bevölkerung gesehen. Roots wurde mit mehr als 30 Emmys ausgezeichnet und bekam viele gute Kritiken.

© 2008 Warner Bros. Entertainment Inc.
Was bewegte Roots?
In den späten 70er-Jahren wurde Roots kurzzeitig das Verdienst zugesprochen, die Auseinandersetzung mit Rassismus in den Vereinigten Staaten bedeutend vorangebracht zu haben. Dies zu behaupten, wäre übertrieben. Roots war erfolgreich, weil es sorgfältig produziert und vermarktet wurde. In der Serie spielten bekannte schwarze und weiße Schauspieler mit, Quincy Jones hat dazu bemerkenswerte Musik komponiert und die Charaktere waren so angelegt, dass sowohl Weiße (vor allem liberale Weiße) als auch Schwarze (vor allem unsichere Schwarze) sich bestärkt fühlen konnten. Die weißen Zuschauer konnten ihre weiße Scham über ihre Rolle in der Sklaverei abmildern und die schwarzen Zuschauer konnten sich damit trösten, dass ihre Geschichte heroisch und offen für eine Neuaneignung war. Mit Roots erreichte die politische Korrektheit den Mainstream. Doch dieser Effekt hielt nicht lange an.

Trotzdem haben das Buch und die Fernsehserie einiges erreicht. Mit der Serie wurden die Seifenoper und das Dokudrama zu legitimen Fernsehformaten. Zudem förderte sie die Institutionalisierung von African-American Studies an mehr als 250 Universitäten und Colleges: Sowohl der Roman als auch die Serie wurden zum Gegenstand vieler Seminare. Möglicherweise hat der Erfolg auch dazu beigetragen, dass Autoren und Autorinnen wie Toni Morrison sich wesentlich besser verkaufen ließen. Und schließlich ist es teilweise Roots zu verdanken, dass die afroamerikanische Geschichte an historischen Orten wie Colonial Williamsburg und Monticello wieder präsent wurde.

Rassismus und Intoleranz existieren weiter
Unter den republikanischen Regierungen der 80er-Jahre waren in der Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen dramatische Rückschritte zu verzeichnen. Das öffentliche Interesse an Roots und seinem durchschlagenden Erfolg Ende der 70er-Jahre war weitgehend abgeklungen. Aber die Erfolge, die die Bürgerrechtsbewegung während der 60er-Jahre in der Gesetzgebung erzielt hatte, verhinderten eine Rückkehr zu den Verhältnissen der 50er-Jahre. Nicht-Weiße hatten sich einen besseren Zugang zu Bildung erobert, sowohl mit als auch ohne Rückgriff auf die vielen Angriffen ausgesetzten Maßnahmen der Universitäten und Colleges zur gezielten Förderung benachteiligter Minderheiten. Wichtiger noch war das aufkommende Bewusstsein darüber, dass die Bevölkerung nicht nur aus Schwarzen und Weißen bestand, sondern wesentlich vielschichtiger war. Rassismus und Intoleranz bestanden weiterhin, hatten aber ihre rechtliche und institutionelle Grundlage verloren. Eheschließungen zwischen Schwarzen und Weißen wurden nicht mehr wie in der Vergangenheit als Bedrohung wahrgenommen, und sogar das Amt für Bevölkerungsstatistik berücksichtigte diese Tatsache in seinen Aufstellungen.
Die Präsidentschaftskandidatur von Barack Obama ist ein Symbol dafür, wie sehr sich diese Gesellschaft gewandelt hat, in der vor 50 Jahren eine solche Kandidatur nicht vorstellbar gewesen wäre. Aber Obamas Erfolg ist nicht dem Erbe von Roots zu verdanken, sondern der Bürgerrechtsbewegung der 60er-Jahre. Tatsächlich sind weder der Roman noch die Fernsehserie in Würde gealtert.

von Franklin W. Knight

Erstellt: 29-05-08
Letzte Änderung: 02-09-08