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Kino auf ARTE - 05/10/11

Rückzüge

(Desengagement)
Spielfilm, Frankreich/Deutschland/Italien 2007, ARTE F
Regie: Amos Gitai; Buch: Amos Gitai, Marie-José Sanselme; Kamera: Christian Berger; Schnitt: Isabelle Ingold; Musik: Simon Stockhausen, Gustav Mahler; Produzent: Amos Gitai, Laurent Truchaut, Michael Tapuach; Produktion: Agav Films, Agat films & Cie, Agav Hafagot, Canal+, Coca Color, Eurimages Council of Europe, Pandora Film, R&C Produzioni, ARTE France Cinéma
Mit: Juliette Binoche - (Ana), Liron Levo - (Uli), Jeanne Moreau - (Françoise), Dana Ivgy - (Dana)

Ana trifft nach Jahren ihren israelischen Stiefbruder Uli wieder, als dieser zur Beerdigung ihres gemeinsamen Vaters nach Frankreich kommt. Sie entschließt sich, mit ihm nach Israel zurückzukehren, um ihre Tochter zu suchen, die sie vor 20 Jahren zur Adoption freigegeben hat. Beim Überschreiten der Grenzen mit Auto, Zug, Schiff geraten Ana und Uli während der militärischen Räumung israelischer Siedlungen im Gazastreifen zwischen die Fronten und werden Zeugen menschlicher Tragödien.



Anas Vater, ein in Frankreich lebender Professor israelischer Herkunft, ist tot. Alle Welt trauert um den renommierten Wissenschaftler, doch Ana fühlt nur Leere und Unbehagen bei der Vorstellung, sich um die Trauerfeier ihres Vaters kümmern zu müssen. Zu sehr hatte sich ihr Verhältnis im Laufe der Jahre abgekühlt. Umso positiver stimmt sie der anstehende Besuch ihres Stiefbruders Uli, der für die Beerdigung des gemeinsamen Vaters aus Israel kommt.
Auf der Beerdigung erfährt Ana, dass ihre Tochter Dana, die sie vor zwanzig Jahren unter dem Druck des Vaters zur Adoption freigegeben hat, in Gaza als Lehrerin arbeitet. Und dass ihr Vater Dana gekannt, sie jährlich besucht hat. In seinem Testament hat er festgehalten, dass Dana ein Erbe zukommen soll. Die Bedingung ist allerdings, dass Ana nach Israel reist, um sich mit ihrer Tochter auszusprechen.
Durch den letzten Willen des Vaters gezwungen, macht sich Ana mit Stiefbruder Uli auf, ihre Tochter zu suchen. Auf ihrer Reise wird sie immer wieder aufgehalten, weil das Überqueren der vielen Grenzen sich als Hindernislauf erweist. Einmal angekommen, gerät Ana in die Tumulte der Räumung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen. Auf Seiten des Militärs steht Uli, der als Reservist zu der Räumung eingezogen wird. Auf der Seite der aus ihrer Heimat vertriebenen Siedler jedoch muss Ana ihre Tochter Dana und deren Familie entdecken ...

Dem väterlichen Beispiel folgend, studiert Regisseur Amos Gitai Architektur, als der Jom-Kippur-Krieg 1973 sein Studium unterbrach. Dabei hat er bei Helikoptereinsätzen zum ersten Mal eine Super 8-Kamera in die Hand bekommen.
Ende der 70er Jahre beginnt Gitai, als Autor, Regisseur und Produzent von Dokumentarfilmen, in denen er die historische Lage des Mittleren Ostens, und darüber hinaus, beleuchtet. Dabei lässt er sich oft von seiner persönlichen Geschichte inspirieren und von Themen wie Heimat, Religion, Exil, sozialer Kontrolle und politischer Utopie antreiben. Es entstehen Filme wie "House" (1980) und "Field Diary" (1982).
Zur selben Zeit schließt er sein Architekturstudium an der University of California in Berkeley ab. Nach der kontroversen Rezeption des Films "Field Diary", gedreht während der Besetzung israelischer Gebiete durch den Libanon, geht Gitai 1983 für zehn Jahre nach Paris. In den 90er Jahren, nach seinem Umzug zurück nach Haifa, beginnt die fruchtbarste Zeit seiner Karriere. Mit "Tag für Tag" macht er 1997 seinen ersten Spielfilm. In "Am Tag von Kippur" verarbeitet Gitai seine Erfahrungen als Reservist im Jom-Kippur-Krieg. "Kadosh" ist ein bewegendes Drama über die Rolle der Frau im ultraorthodoxen Jerusalemer Viertel Mea Sharim. "Gelobtes Land" mit seiner zum Teil dokumentarischen Ästhetik handelt von Menschenhandel und Zwangsprostitution.
Für seinen 2007 entstandenen Film "Trennung" wurde Gitai hauptsächlich durch seinen Sohn inspiriert, der im August 2005 während seines Militärdienstes an der Räumung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen als Armee-Fotograf und -Kameramann teilnahm.
Über seinen Film sagt Gitai, dass er den Prozess des Grenzüberschreitens veranschaulicht - politisch sowie emotional - er thematisiert die Hürde des Loslassens von der Vergangenheit bis hin zur Aussöhnung. Schlussendlich zeige er eine Form der Realität und "wie die Hoffnungen von Menschen durch gewaltige geopolitische Kräfte zerstört werden können."
Seine Filme werden regelmäßig in das offizielle Programm der Filmfestivals in Cannes, Venedig und Toronto eingeladen.

Rückzüge
Mittwoch 5. Oktober 2011 um 22.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Deutschland, Italien, 2007, 108mn)
ARTE F

Erstellt: 26-09-11
Letzte Änderung: 05-10-11