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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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26/06/02

Rufmord - Jenseits der Moral

Kinostart 27.Juni 2002

RUFMORD

Ein Film von Rod Lurie
USA/ F 2000

Synopsis

Nach dem Tod des amerikanischen Vizepräsidenten muss dessen Position neu besetzt werden. Der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten (JEFF BRIDGES) favorisiert Senatorin Laine Hanson (JOAN ALLEN) als Nachfolgerin. Als ihre politischen Gegner, angeführt vom Kongressmitglied Shelly Runyon (GARY OLDMAN), einen Sexskandal aus ihrer Vergangenheit aufdecken, muss sie um den Erhalt ihrer moralischen und politischen Integrität kämpfen.

Der Polit-Thriller RUFMORD – JENSEITS DER MORAL führt hinter die Kulissen der amerikanischen Politik – mitten ins Zentrum der Macht. Er thematisiert die Rolle der Frau in einer von Männern dominierten politischen Arena, den Einfluss der Presse auf politische Entscheidungsprozesse und das Recht öffentlicher Personen auf den Schutz ihrer Privatsphäre.

Produktionsnotizen

Der Autor und Regisseur Rod Lurie bezeichnet sich selbst als „politiksüchtig", er begeistert sich für die Macht-Aura und Winkelzüge der Regierung genauso wie andere Leute für Sport. „Ich erlebe die Wahl des amerikanischen Präsidenten wie eine Football-Weltmeisterschaft", sagt Lurie. „Mit Spannung verfolge ich, wie sich
die Dinge zuspitzen. Ich kann‘s gar nicht erwarten, wenn die Vizepräsidentschafts-kandidaten berufen werden, ich fiebere den Fernsehdebatten entgegen…"

Die gesamten Dreharbeiten zu RUFMORD – JENSEITS DER MORAL fanden in Richmond/Virginia statt. Die Stadt liegt nicht nur in der Nähe von Washington, sondern ähnelt ihr auch architektonisch. Andererseits gibt es natürlich auch erhebliche Unterschiede, denn Richmond ist eine vergleichsweise kleine Stadt. Lurie und sein Kameramann Denis Maloney wählten ihre Kamerapositionen also sehr sorgfältig aus, um den Eindruck hauptstädtischer Dimensionen zu vermitteln.

Der Regisseur

Rod Lurie
Drehbuch / Regie

Sein Debüt als Autor und Regisseur gab Lurie mit dem Kurzfilm „4 SECOND DELAY", der 1998 auf dem Festival des amerikanischen Films im französischen Deauville den Jurypreis gewann – außerdem Kurzfilmpreise auf dem Atlanta Film Festival und auf dem Crested Butte Reel Fest.

Darauf drehte Lurie seinen ersten Spielfilm „DETERRENCE", in dem Amerika am Rande eines Atomkriegs zeigt; Kevin Pollak und Timothy Hutton spielen die Hauptrollen. Bevor Lurie Filmemacher wurde, arbeitete er als Filmkritiker und Reporter im Entertainmentbereich.

Rod Lurie ist der Sohn des Cartoon-Zeichners Ranan Lurie. Er wurde am 15. Mai 1962 in Israel geboren. 1984 macht er seinen Abschluss an der United States Military Academy in West Point/New York. Vier Jahre lang diente er als Gefechtsoffizier in der US Army. Der Wechsel zum Journalismus gelang ihm als Entertainment-Reporter für die New York Daily News. Daneben lieferte er Filmkritiken und Interviews für den Kanal 12 in Fairfield County/ Connecticut. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Artikel in Fachblättern wie Premiere, Movieline und Entertainment Weekly.

1990 zog Lurie nach Los Angeles. Bis 1995 arbeitete er für das Los Angeles Magazine als Filmkritiker, Reporter und Redakteur. Von 1995 bis 1999 rezensierte er Filme für den Sender KABC Radio in Los Angeles, wo seine quotenstarke Filmkritiksendung jeden Samstag eine große Hörerschaft anzog.

Als seine Gäste traten Tom Hanks, Mel Gibson, John Travolta, Dustin Hoffman, James Cameron, Francis Ford Coppola, Billy Bob Thornton, James Woods und Martin Landau auf. Daneben veröffentlichte Lurie das Buch „Once Upon a Time in Hollywood", das 1995 im Verlag Random House erschien. Inzwischen sind die Filmrechte nach Hollywood verkauft worden. Luries jüngstes Projekt als Regisseur und Drehbuchautor ist „CLINK, INC.". Robert Zemeckis, Steve Starkey und Jack Rapke produzieren den Film mit ihrem Label ImageMovers,
DreamWorks bringt ihn in die amerikanischen Kinos.

Kommentar

Regisseur und natürlich auch Drehbuchautor Rod Lurie war Filmkritiker, bevor er sich selbst aktiv ans Drehen machte. Daher verwundert es nicht, daß er gut recherchiert und detailiert die Winkelzüge der Politiker und die Faszination der Macht beschreibt.

Dabei versucht er stets - soweit dies für einen ordentlichen Hollywoodfilm möglich ist - ganz nah am Realistischen zu bleiben. So verwendet er gerne Handkamera, um den Anschein zu geben, aktuell immer mitten im Geschehen - im Zentrum der Macht - zu sitzen. Auch viele Großaufnahmen ermöglichen es dem Zuschauer, immer ganz nah dran an den Personen zu sein.

Klar, eigentlich scheint es ein wenig an den Haaren herbeigezogen, daß die künftige Vizepräsidentin ausgerechnet wegen einiger (nicht mal besonders schweinischer) Gruppensexfotos um ihre bevorstehende Karriere gebracht werden soll. Wo wir doch alle wissen, daß auch andere führende US-Politiker irgendwie mit ihren Affären in der Öffentlichkeit klar kamen (man schmunzelt in Gedanken immer noch gerne über den vom Computer übersetzten Nonsens der Lewinsky-Protokolle). Aber egal, Laine Hanson stolpert eben fast über den kleinen dunklen Fleck in ihrer ansonsten blütenweißen Collegevergangenheit. Das ist auch deshalb nicht so schlimm, weil man der guten Besetzung - Gary Oldman, Joan Allen, Jeff Bridges, Christian Slater etc. einfach gerne zusieht.

RUFMORD - JENSEITS DER MORAL thematisiert die Prozesse an der Basis der Macht. Dabei stellt er durchaus auch einige ethische Fragen. Inwieweit etwa ist es legitim, das Privatleben einer/s Politiker/in derart in die Öffentlichkeit zu zerren? Interessant dabei ist, daß Rod Lurie eine Frau in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt, weil sie durch ihr Geschlecht noch zusätzliche Hürden zu nehmen hat. Für ihre hervorragende Performance wurde Joan Allen in ihrer Hauptrolle für den Oscar nominiert.

Daß diese privaten Fragen auch in der Deutschen Politik Thema sind, zeigt der Fall des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit. Presse drohte ihm kurz vor seiner Wahl zum amtierenden Bürgermeister, der Öffentlichkeit preiszugeben, daß er homosexuell sei. Wowereit kam der journalistischen Meute zuvor, und outete sich selbst u.a. mit den Worten ‚und das ist auch gut so‘. Wowereit hat es geschickt eingefädelt, letztlich gehören ihm so ein paar hunderttausend Wählerstimmen von Schwulen und Lesben. Und Laine Hanson verhilft letztendlich auch ihre Aufrichtigkeit zum politischen Erfolg. RUFMORD - JENSEITS DER MORAL ist ein spannendes und schnörkellos erzähltes Politdrama, das angenehmerweise mit den üblichen amerikanischen Pathosmomenten geizt.

Nana A.T.Rebhan

Erstellt: 20-04-04
Letzte Änderung: 26-06-02