Der sympathische ehemalige Amateursport mit den harten Kerlen, die nach jedem Spiel in der "dritten Halbzeit" kräftig feiern, wurde in den letzten Jahren kräftig umgekrempelt. Internationale Sponsoren und die immer größere Medienpräsenz haben Rugby ein "modernes" Gesicht verpasst. Doch die treuen Fans kämpfen immer noch um die Wahrung der traditionellen Werte, setzen auf Fairness. Begeisterte Sponsoren, in die Höhe schießende Einschaltquoten, Schwindel erregende Spielergehälter und Vereinsbudgets sind die Begleiterscheinungen einer seit 1995 ungebremsten Erfolgsgeschichte des Rugbysports und seiner zunehmenden Professionalisierung. Vor zehn Jahren war Rugby ein Sport von lediglich regionaler Bedeutung. Die Nationalspieler waren im Hauptberuf Angestellte von Banken und Stadtverwaltungen, Landwirte oder Handelsvertreter, die Sportfunktionäre ausschließlich ehrenamtlich tätig.
Inzwischen streiten 90 Nationen um den WM-Titel, und die Teams bestehen aus international spielenden Profis. Die Erfolgswelle des Rugbysports hat sicherlich auch damit zu tun, dass er den schwierigen Spagat zwischen Massenspektakel und traditionellen Werten versucht. Die mit einem Monatssalär von durchschnittlich 18.000 Euro für einen Nationalspieler nicht schlecht entlohnten Rugby-Profis haben sich, anders als im Fußball, den ursprünglichen Geist aus Amateursportzeiten bewahrt. Werte wie Kameradschaft, Solidarität, Mut und Bescheidenheit werden noch hochgehalten. Und die friedliche Atmosphäre, in der die Rugby-Fans die Begegnungen ihrer Mannschaften zelebrieren, ist inzwischen fast sprichwörtlich. Wirkliche Skandale hat es bisher nicht gegeben. Auch Doping ist im Rugby nur ein marginales Thema.
Doch das zunehmende Interesse an diesem Sport bringt Risiken mit sich. Vom großen Geldsegen profitieren in erster Linie die Top-Spieler und -Vereine. Denn es sind die siegreichen Clubs, die den Löwenanteil der Sponsorengelder einstreichen, was ihnen wiederum komfortable Budgets für Spielereinkäufe verschafft. Die Zeiten der legendären "dritten Halbzeit", als man auch außerhalb des Spielfelds noch die traditionellen Werte dieses Sports pflegte, gehen ihrem Ende entgegen. Der Themenabend widmet sich dem Erfolg und den Schattenseiten des mittlerweile äußerst populären Rugbysports.







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