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"Wir sind das Volk"

Als der Ostblock Geschichte wurde 4/5 - 07/05/09

Rumänien - Der Ankläger Ceausescus

Mehr als 20 Jahre lang machte der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu gute Geschäfte mit dem Westen und in dieser Zeit sein Land relativ unabhängig von der Sowjetunion.

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Der spannende Dokumentarfilm von Sylvia Nagel beschreibt mit bisher noch nicht gezeigtem Archivmaterial die schweren Jahre der Diktatur. Sie erzählt aber vor allem von dem gelenkten Umsturz, der im Dezember 1989 zur Revolution wurde, und von dem legendären bis heute umstrittenen Prozess unter Militärstaatsanwalt Dan Voinea gegen das Diktatorenehepaar, dessen Ende - die quasi öffentliche Erschießung vor laufender Kamera - von einer kleinen Gruppe machthungriger Kommunisten beschlossen wurde.

Buchtipp

György Dalos: Der Vorhang geht auf.
Das Ende der Diktaturen in Osteuropa.

1989 war der Kommunismus endgültig bankrott. Die Sowjetunion überließ ihre Satellitenstaaten dem eigenen Schicksal, von der "sanften" Revolution in der CSSR bis zum Massaker in Bulgarien. György Dalos hat eine fazinierende Zusammenschau verfaßt.
In Rumänien fand 1989 der blutigste Umbruch im ehemaligen Ostblock statt. Dabei starben über tausend Menschen. Den spektakulären Sturz des Diktators Nicolae Ceausescu am 21. Dezember 1989 hatten dessen Gegner, die selbst an die Macht wollten, von langer Hand vorbereitet. Dan Voinea war der Ankläger im Verfahren gegen Nicolae Ceausescu und dessen Ehefrau Elena nach 24 Jahren Diktatur. Es war der Prozess seines Lebens. Ob er aus Pflichtgefühl für Rumänien handelte oder ob er eine Karrierechance witterte, ist ebenso unklar, wie viele andere politische und historische Verläufe in dem Land, das seit Anfang 2007 zur EU gehört.

Inzwischen wurde Dan Voinea vom Generalstaatsanwalt am Militärgericht zu dessen Stellvertreter degradiert. Ihm wurde sogar der Wechsel zum Zivilgericht nahe gelegt.

Dan Voinea hatte nicht unter Ceausescu gelitten. Im Gegensatz zu Nicoleta Matei, heute 34 Jahre alt, die mit Vater und Bruder ins Gefängnis und später in ein Umerziehungsheim gesperrt wurde. Bis heute eine traumatische Erfahrung für die junge Mutter. Oder der 36-jährige Catalin Giurcanu, der seinen Vater in den Revolutionswirren verlor, ihn erschossen im eigenen Wohnviertel fand. Sie erzählen, wie sie die Revolution von 1989 erlebt, wie sie gelitten haben und wie sie heute dafür kämpfen, dass die Verantwortlichen für die Toten und Verletzten nach 20 Jahren endlich vor Gericht gestellt werden. Einer der Verantwortlichen ist in ihren Augen der Nachfolger Ceausescus, Ion Iliescu. Als Befürworter der Perestroika unter Gorbatschow knüpfte er nach seinem Amtsantritt im Mai 1990 wieder enge Beziehungen zur Sowjetunion. Bis heute leugnet er jegliche Verbindung mit Moskau.

Filmemacherin Sylvia Nagel hat auch László Tökés besucht, den Pastor aus Temesvar und heutigen grünen Abgeordneten des Europa-Parlaments, vor dessen Haus die Revolution begann. Er hatte mit einem Interview bereits im Sommer 1989 die elenden Verhältnisse in Rumänien als einer der Ersten öffentlich gemacht.


Als der Ostblock Geschichte wurde
Dienstag 19. Mai 2009 um 10.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2008, 52mn)
RBB

Erstellt: 13-03-09
Letzte Änderung: 07-05-09