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Wahlen in Russland - 2008

Dmitri Medwedew ist nach einem tristen, schon im Voraus entschiedenen Wahlkampf Russlands neuer Präsident.

> Russland gibt Gas!

Programmschwerpunkt Russland - 04/02/08

"Russland wandelt sich sehr schnell"

Russland gibt Gas!


Mit den Beiträgen „Das Gasprom-Imperium“ und „Der Gefangene des Kreml“ zeichnet „Thema“ auch ein Porträt des neuen Russland unter Präsident Putin: ein selbstbewusstes, tatkräftiges Land. Ein Gespräch mit Jean-Paul Billault, der die beiden Dokumentationen für die Agentur CAPA produziert hat.

Was hat Sie dazu veranlasst, sich so eingehend mit der Firma Gasprom zu beschäftigen?
Jean-Paul Billault: Die Krise zwischen Russland und der Ukraine im Winter 2005/2006, die aufgrund der starken Stellung Russlands auf dem Öl- und Gasmarkt eine neue Ära in den Beziehungen des Landes zur restlichen Welt einzuläuten schien. Eine Hypothese, die sich 2007 auf eindrucksvolle Weise bestätigt hat. Seit Beginn der Dreharbeiten im Februar 2007 haben sich die Dinge angesichts der Lage auf dem internationalen Energiemarkt sowie der bevorstehenden Wahlen in Russland immer schneller entwickelt. Es war sogar schwierig, den Dreharbeiten ein Ende zu setzen, denn es kamen immer wieder neue Elemente hinzu. Schließlich haben wir noch mit aufgenommen, wie Wladimir Putin Dmitri Medwedew im Dezember 2007 zu seinem Nachfolger ernannte. Sofern nicht in letzter Minute diesbezüglich eine Änderung eintritt, glaube ich, dass wir die wichtigsten Elemente berücksichtigt haben.


Wie haben Sie sich Zugang zu Gasprom verschaffen können?
Dazu brauchten wir effiziente Kontakte zu Kreml-Kreisen, und der Regisseur, Alexandre Dolgorouky, verfügte über die nötigen Beziehungen. Es dauerte lange, bis wir die Zusage von Gasprom erhielten, aber anschließend verhielten sich die Vertreter des Konzerns durchaus fair. Heute treten sie an die Öffentlichkeit, und ihr offizieller Diskurs ähnelt dem jedes anderen Großunternehmens. Wir wollten die Strategie aufzeigen, die der Konzern selbst öffentlich vertritt, und die Macht dokumentieren, auf die er stolz ist. Der Schnitt des Films war dagegen äußerst schwierig, denn die russische Gaswirtschaft ist ein sehr vielschichtiges Thema, über das in Westeuropa nur wenig bekannt ist. Die Europäer haben eine rein eurozentrische Sichtweise, obwohl gerade das Bestreben Russlands, Asien mit einzubeziehen, ein sehr wichtiger Faktor ist. All diese Elemente mussten wir berücksichtigen, ohne den Zuschauer zu überfordern.

Befürchten Sie nicht, sich zum Sprachrohr der russischen Propaganda zu machen, indem Sie den offiziellen Diskurs wiedergeben?
Dieser Diskurs wird durch gegensätzliche Aussagen im Film stark nuanciert. Doch wir haben nicht versucht, die Behauptungen der einen oder anderen Seite zu bestätigen oder zu entkräften – dafür hätten wir sicher wesentlich länger nachforschen müssen als ein Jahr. Unser Ziel bestand nicht darin, Staatsgeheimnisse zu enthüllen, sondern eine möglichst klare Zusammenfassung des Themas unter besonderer Berücksichtigung geostrategischer Faktoren zu bieten. Die Dokumentation „Der Gefangene des Kreml“ schaut der russischen Politik dagegen sehr viel direkter und schonungsloser in die Karten. Übrigens war ich angenehm überrascht über den offenen Ton der Russen, die an dem Film mitwirkten. Vielleicht lag das daran, dass wir im Juni, mehrere Monate vor Beginn des Wahlkampfes, gedreht haben. Vielleicht aber auch daran, dass Russland heute in raschem Wandel begriffen ist. Auch die Tragweite dieses Wandels wollten wir in den Beiträgen des Themenabends zum Ausdruck bringen.

Erstellt: 31-01-08
Letzte Änderung: 04-02-08