Zyklus Hitchcock - 20/10/09
Sabotage
Ein Film von Alfred Hitchcock
Carl Verloc betreibt tagsüber ein kleines Kino in London, nachts arbeitet er für eine terroristische Geheimorganisation. Seine Frau Sylvia ahnt von nichts. Doch ein missglückter Anschlag, bei dem Sylvias kleiner Bruder ums Leben kommt, lässt Carls Tarnung auffliegen. Da greift Sylvia Verloc zur Selbstjustiz.
Carl Verloc ist der freundliche, etwas spießige Geschäftsführer eines kleinen Kinos im London der Vorkriegszeit. Er lebt mit seiner jungen Frau Sylvia und deren kleinem Bruder in beschaulichen Verhältnissen. Was Sylvia nicht weiß: Das Kino ist lediglich Tarnung, um mit Terror und Sabotageakten das öffentliche Leben in England zu stören. Doch die Polizei hat bereits Verdacht geschöpft. Als Gemüsehändler getarnt überwacht der Kriminalbeamte Ted Spencer das Kino und kommt auch Sylvia näher ...
Eines Tages lässt Verloc, der sich bespitzelt fühlt, den Bruder seiner Frau ein Paket ans andere Ende der Stadt bringen. Es enthält eine Bombe mit Zeitzünder. Der Junge bummelt unterwegs und die Bombe explodiert in einem Bus. Das Kind stirbt. Jetzt erst wird Sylvia klar, wer hinter den Anschlägen steckt. In ihrer Verzweiflung und Wut weiß sie keinen anderen Ausweg und greift zur Selbstjustiz.
Drehbuch nach dem Roman "The Secret Agent" von Joseph Conrad.
Alfred Hitchcocks "Sabotage" aus dem Jahr 1936 gehört zweifellos zu den besten britischen Werken des Meisters, auch wenn es bei weitem nicht so bekannt ist wie etwa "Die 39 Stufen" aus dem Jahr zuvor.
"Sabotage" ist reich an komplexen Themen und dabei geradeaus und direkt erzählt, mit einem so genauen Blick auf die Figuren und ihr Milieu, dass Hitchcock einem bei jedem Sehen neue Einblicke verschafft.
Sylvia Verloc sticht dabei aus dem Figurenspektrum einer typischen Hitchcock'schen Heroine heraus. Sie ist nicht die blonde, verführerische und bei allen Tragödien stets unverletzbar wirkende "Göttin" à la Grace Kelly, sondern eine authentische, sensible, in verschiedenen Zwängen gefangene und bemitleidenswerte Figur. Sylvia Sidney spielt ihre Rolle anrührend und nuancenreich. Sie ist eine der besonders sympathischen und zugleich verlorenen Heldinnen im OEuvre Hitchcocks.
Der Altmeister selbst bereute einige seiner Regieeinfälle für "Sabotage" rückblickend. Ein Kind sterben zu lassen, erwies sich als zu heftiger Schock für das damalige Publikum und noch heute wirkt die Szene erschütternd. Doch im Interview mit François Truffaut gestand er, die Essensszene gegen Ende des Films zu den starken Momenten in seinem Werk zu zählen. Einfach und dabei subtil wird in dieser Szene zunächst die Erinnerung an den zu Tode gekommenen Bruder Sylvias wach gehalten, bevor ein großes Haushaltsmesser sowohl in Sylvias, als anschließend auch in Carls Aufmerksamkeit gerät ... Hitchcocks große Kunst, Motivationen und Emotionen filmisch anzudeuten, um damit einen Spannungsbogen zu erzeugen, ist in diesem selten gezeigten Thriller genauso perfekt zu beobachten, wie in seinen großen Hollywoodfilmen.
Sabotage
Mittwoch 11. November 2009 um 15.50 Uhr
Keine Wiederholungen
(Grossbritannien, 1936, 74mn)
ZDF
Erstellt: 20-10-09
Letzte Änderung: 20-10-09