Dokumentation von Patricio Guzmán
Offizielle Auswahl – außer Konkurrenz
Synopsis: Salvador Allende opferte sein Leben seiner Heimat Chile. Dieser Dokumentarfilm zeichnet seinen politischen Aufstieg bis hin zum Selbstmord vor dreißig Jahren nach.
Kritik: „Ein Land ohne dokumentierte Geschichte ist wie eine Familie ohne Familienfoto. Eine inhaltslose Erinnerung.“Dieser Ausspruch des chilenischen Regisseurs Patricio Guzmán unterstreicht dessen tiefes Bedürfnis, Erinnerungsarbeit zu betreiben und die Symbolfigur Salvador Allende neu zu entdecken. Als Illustration dieses Credos zeigt Guzmán zu Beginn seines Films vergilbte Fotografien und Dokumente über den Präsidenten, die dessen Amme über 17 Jahre lang in der Erde vergraben versteckt gehalten hatte. Wie ein Archäologe begibt sich der Regisseur auf die Suche nach den Ruinen der Vergangenheit, nach den Mauern, auf denen das chilenische Volk damals seine revolutionären Ideen zum Ausdruck brachte und die heute unter einer dicken Schicht des Vergessen liegen.
Dennoch gelingt es Guzmán, anhand von Archivmaterial und inoffiziellen Tondokumenten den unaufhaltsamen Aufstieg Salvador Allendes nachzuzeichnen und die unglaubliche Eintracht eines ganzen Volkes mit diesem außergewöhnlichen Marxisten, Revolutionär und glühenden Verfechter der Demokratie aufzuzeigen. Allendes Fehler war es vielleicht, dass er seinen Kampf stets mit legalen Mitteln führte und sich nie von der Macht der Waffen und der Gewalt verleiten ließ.
Am 11. September 1973 (wie denkwürdig dieses Datum heute klingt!) wird Salvador Allende durch einen von den Vereinigten Staaten von Amerika initiierten Staatsstreich in den Tod getrieben. Richard Nixon hatte den Untergang des chilenischen Präsidenten, des „Hurensohnes“, wie er ihn zu nennen pflegte, von langer Hand geplant. Der Selbstmord Allendes markiert den Beginn einer der brutalsten Diktaturen des 20. Jahrhunderts.
Olivier Bombarda






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