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24/03/06

Salzheilstollen

Salz: das weiße Gold
Ohne Salz kann der Mensch nicht leben, denn Salz regelt den gesamten Wasserhaushalt im Körper. Das ist wichtig für viele lebenswichtige Funktionen des Körper, beispielsweise die Blutdruckregulation. Deshalb entwickeln wir bei kritischen Kreislaufsituationen nicht nur ein Durstgefühl, sondern auch einen Salzappetit. Als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, stillten sie ihn durch tierisches Blut. Erst nachdem die Menschen salzwasserhaltige Quellen entdeckt hatten, konnten sie Ackerbau und Viehzucht betreiben und sich niederlassen. Mit der Umstellung der Ernährung auf Getreide nahm der Bedarf der Menschen an Salz beständig zu, und auch ihre Tiere brauchten Salz.
In den Hochkulturen der Griechen und Römer verspeiste man ausschließlich Meersalz. Mit Hilfe von Sonne und Wind verdunstete in angelegten Salzgärten Meerwasser. Zurück blieb reines Salz. Damals verkauften die römischen Salzbauern den Rohstoff teuer über die "Via Salia" ins Binnenland. Salz galt als "weißes Gold", und Beamte und Soldaten bekamen es als Lohn ausgezahlt. Daher kommt auch der heutige Begriff Sold. Heute sind die Verfahren der Salzgewinnung hochmodern. In Bergwerken werden Sprenglöcher computergesteuert gebohrt, und 2000 Tonnen bzw. 80 LKW-Ladungen Salz sind das Ergebnis einer einzigen Sprengung.

Wieviel Salz brauchen wir?
Um den Salzverlust über Haut und Lunge durch Schwitzen und Atmen wieder auszugleichen, müssen wir dem Körper täglich Salz zuführen. Allerdings reichen pro Tag bei mäßiger körperlicher Betätigung 2 –3 Gramm durchaus aus. Fakt ist allerdings, dass wir täglich im Durchschnitt mehr als 10 Gramm zu uns nehmen. Das ist nach Meinung der meisten Mediziner eindeutig zu viel..

Salzheilstollen
Seit 1990 gibt es im Salzbergwerk Berchtesgaden einen Heilstoffen. Er liegt 600 m untertage und hat eine Größe von rund 850 Quadratmetern. In seiner Mitte befindet sich ein Solebecken mit kleinen Springbrunnen, die die Sole zerstäuben. Es ist konstant 12 Grad kühl, die Luftfeuchtigkeit beträgt 85 %. Höchstens 50 "Besucher", wie die Patienten genannt werden, fahren zeitgleich in den Stollen ein. Sie liegen für zwei Stunden - so lange dauert eine Anwendung - warm eingepackt in Decken und Schlafsäcken auf bequemen Liegen und genießen die Ruhe. Das Wirkprinzip erklären Biophysiker mit einer Ionisierung und Reinigung der Atemluft durch das Salz. Allerdings dürfte auch die totale Ruhe und Abgeschiedenheit im Stollen zu einer deutlichen körperlichen Entspannung beitragen, welches wiederum zur Aktivierung von Selbstheilungskräften führen kann.

Das Institut für Kommunikation und Gehirnforschung in Stuttgart hat in zwei Vorversuchen Gehirnaktivitäten während eines Aufenthaltes im Heilstollen gemessen. Dabei hat sich herausgestellt, dass bei den Versuchspersonen Anspannung und Stress zurückgehen. Im Laufe der EEG-spectralanalytischen Messungen zeigten sich Gehirnaktivitäten, die auf die Zunahme sensibler Wahrnehmungsprozesse hinweisen.

Zu den Indikationen für eine Heilstollentherapie zählen neben Asthma, chronischer Bronchitis und Erkrankungen der Lunge auch verschiedene Allergieformen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Tinnitus. Diese Therapie und wird je nach Indikation teilweise sogar von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und bezahlt.

In der königlichen Salzmine von Wieliczka, zirka 10 km vor Krakau, liegt übrigens der größte Salzheilstollen Europas. Dort, in einer Tiefe von 226 m, befindet sich ein Krankenhaus, das sich hauptsächlich um Patienten mit Atemwegsproblemen kümmert - Asthmatiker, Lungenkranke und Allergiker. Nach Angaben des Krankenhauses soll die Heilungsquote bei 97 % liegen. Allerdings sind solche Zahlen mit Vorsicht zu genießen, denn einen tatsächlichen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit der salzgeschwängerten Luft im Stollen gibt es noch nicht.

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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 28. März 2006 um 14.00 Uhr
Redaktion: Heidemarie Petters
Koproduktion ZDF-ARTE G.E.I.E.

Erstellt: 24-03-06
Letzte Änderung: 24-03-06